zur Navigation springen

NABU-Aktion : Beifang Plastik: In allen Häfen sollen Müllcontainer stehen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Land, der Naturschutzbund und die Fischer kämpfen gemeinsam gegen den Dreck im Meer

Plastikmüll aus dem Meer zu fischen ist notwendig, aber eine Sisyphusarbeit. Besser wäre es, die unverwüstlichen Abfälle würden gar nicht erst ins Meer gelangen – und nicht in dessen letztlich beim Menschen endender Nahrungskette. Dazu sollten Plastikverpackungen verboten werden, forderte gestern Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), im Hafen von Neustadt.

Dort kletterte auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) für einen Kurzbesuch an Bord des Traditionsseglers „Lovis“. Der Nabu hat das Schiff für einen einwöchigen Törn auf der Ostsee gechartert, um ihre Verschmutzung mit Mikroplastik wissenschaftlich untersuchen zu lassen und zugleich auf die maritime Müll-Belastung aufmerksam zu machen.

Der Schutz der Meere vor schädlichen Einträgen ist für Habeck nach eigenen Worten „eine Herzensangelegenheit“. Wörtlich: „Müll im Meer ist ein enormes Problem. Wir alle sind in der Pflicht, diese Belastung des kostbaren Lebensraums zu reduzieren. Jeder, der eine Plastiktüte ins Meer schmeißt, handelt schändlich“, sagte der Grünen-Politiker.

Die vom Nabu gestartete Initiative „Fishing for litter“ (Englisch für: Fischen nach Müll) sei ein erster Schritt, den zu unterstützen für das Land zwischen Nord- und Ostsee „Ehrensache“ sei. Bei der in Heiligenhafen und Burgstaaken bereits 2011 etablierten Aktion sammeln Fischer den Plastikmüll ein, der in ihren Netzen landet, und werfen ihn im Hafen in spezielle Container. Derzeit beteiligen sich neun Häfen und 70 Fischereibetriebe in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern an dem Projekt.

Für 26.500 Euro sollen jetzt noch in diesem Jahr im Hafen von Büsum (Kreis Dithmarschen) und am Eidersperrwerk bei Tönning (Kreis Nordfriesland) weitere Container aufgestellt werden, zudem werden Fischkutter mit stabilen Müllsäcken (Big Bags) ausgestattet. Sein Ziel sei, in den kommenden Jahren alle Häfen im Land entsprechend auszurüsten, kündigte der Minister an.

„Ohne die Fischer läuft hier gar nichts“, sieht Lorenz Marckwardt, der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, seine Berufskollegen als unentbehrlich für den Kampf gegen den Müll im Meer an. „Die Kosten für die Müllentsorgung können wir allerdings nicht übernehmen. Deshalb sind wir froh, dass der Nabu uns die vom Hals hält“, sagte Marckwardt.

Für die Nordsee liegen bereits international verbindliche Schätzungen zur Müllbelastung vor. Demnach wird sie jährlich mit etwa 20 000 Tonnen Abfall befrachtet, wovon 15 Prozent im Wasser, 70 Prozent auf dem Meeresboden und 15 Prozent an den Küsten verbleiben. Die deutschen Nordsee-Strände weisen eine durchschnittliche Belastung von 154 Müllteilen pro 100 Meter Küstenlinie auf.

Für die Ostsee liegen bislang keine entsprechenden Daten vor; der Nabu-Törn auf der „Lovis“ soll jetzt erste Daten dazu liefern. „Der Müll wird von Hand sortiert, dabei erfassen wir auch, aus welchen Branchen die Abfälle stammen“, sagte der Nabu-Projektleiter Nils Möllmann. Nach bisherigen Erfahrungen landen vor allem Hausmüll, illegal entsorgte Abfälle aus der Seeschifffahrt und verloren gegangene Netze aus der Fischerei im Meer. Dieser Müll gefährde direkt Seevögel, Delfine und Robben, die sich im Plastik verheddern und verenden. Aber mit dem Verzehr von Meeresgetier ist auch der Mensch betroffen: Im Innern vieler Fische finden sich längst kleinste Plastikteile.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Aug.2014 | 14:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen