Beifall für den Grafen von Benz

Die Landgräfin (Ute Kühn) und der Graf von Benz als Richter (Helmut Grieser) hören mit Interesse den Ausführungen von Heinz Penkert als Gutsinspektor Lund zu. Die „Angeklagten“ Anouk Facklam und Maurin Viereck schauen auf Grund der beantragten Strafe betreten drein.
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Die Landgräfin (Ute Kühn) und der Graf von Benz als Richter (Helmut Grieser) hören mit Interesse den Ausführungen von Heinz Penkert als Gutsinspektor Lund zu. Die „Angeklagten“ Anouk Facklam und Maurin Viereck schauen auf Grund der beantragten Strafe betreten drein.

Historisches Theaterstück zum 800-jährigen Bestehen der Dorfschaft Benz kam beim Publikum in zwei Vorstellungen bestens an

shz.de von
19. März 2015, 12:58 Uhr

Über mangelndes Interesse konnte sich die Benzer Theatergruppe „Banzeuiz“ nicht beklagen. Das eigens aus Anlass des 800. Dorfjubiläums vom emeritierten Geschichtsprofessor und Dorfbewohner Helmut Grieser geschriebene Theaterstück „Der Graf von Benz – Spielszenen aus der Benzer Geschichte“ stieß nicht nur bei den Benzern auf reges Interesse. Auf Grund der starken Nachfrage hatte sich die Theatergruppe kurzfristig zu einer zweiten Aufführung entschlossen, aber auch die war nach kurzer Zeit komplett ausgebucht. „Ich bin überwältigt“, erklärte der Benzer Dorfvorsteher Fritz Kamkalow, der durch das Programm führte.

Es werde kein Lustspiel aufgeführt, sondern den Zuschauern solle die Benzer Geschichte etwas näher gebracht werden, erklärte Kamkalow zu Beginn. Dennoch sei niemand enttäuscht worden. „Ganz im Gegenteil. Die am Anfang als ,Theaterneulinge‘ angekündigten Laienschauspieler entpuppten sich im Laufe der Vorstellungen fast schon als Profis“, freute sich der Dorfvorsteher. In prächtigen historischen Kostümen gekleidet, seien die Schauspieler in ihre Rollen geschlüpft und hätten so die Figuren lebendig werden lassen. So hätten die Darsteller um den überragend spielenden Helmut Grieser (als „Graf von Benz“) die Zuschauer schnell in ihren Bann gezogen.

Zunächst führte diese Reise in den Juni 1945, wenige Wochen nach Kriegsende. In Schleswig Holstein musste nicht nur eine ungezählte Zahl an Flüchtlingen aus dem Osten aufgenommen werden, auch mehrere hunderttausend deutsche Soldaten waren im östlichen Teil Holsteins, im sogenannten „Kral“, interniert. Für die älteren Zuschauer ein Rückblick in die eigene Vergangenheit mit all ihren Sorgen, Nöten aber auch Hoffnungen.

Weiter ging die Reise in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Den Rahmen für die Handlung bildete dabei die historisch belegte Brautwerbung des Fürstbischofs Friedrich August, der inkognito als „Graf von Benz“ um seine spätere Gattin, die Landgräfin Ulrike Friederike Wilhelmine von Hessen-Kassel geworben hat.

Verpackt mit viel Witz und Ironie, auch auf die heutigen Verhältnisse bezogen– wurden dem Publikum die Lebensverhältnisse des Adels und der Landbevölkerung auf den Gütern nahegebracht. Turbulent ging es beim „Benzer Guts-Gericht“ zu, bei dem – auch handgreifliche – Streitfälle aus den original Gerichtsakten nachgespielt wurden.

Nach mehr als zwei Stunden kurzweiliger Theateraufführung stimmten Schauspieler und Zuschauer gemeinsam die „Neu-Benzer Hymne“ an – ein Lied, das der Soldat Gerhard Bolle im Jahr 1946 geschrieben hatte. Dabei habe man nur in zufriedene Gesichter gesehen, berichtete Kamkalow.

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