Malente : Bei ihm rauchte Schmidt nicht

Zum Abschiedsfoto stellten sich (von links) Dr. Friedrich Schroeder, Prof. Dr. Eike Hoberg, dessen Frau Ulrike und Dr. Ingrid Künzler, Geschäftsführerin der Rentenversicherung Nord.
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Zum Abschiedsfoto stellten sich (von links) Dr. Friedrich Schroeder, Prof. Dr. Eike Hoberg, dessen Frau Ulrike und Dr. Ingrid Künzler, Geschäftsführerin der Rentenversicherung Nord.

Prof. Dr. Eike Hoberg, Ärztlicher Direktor der Mühlenberg-Klinik, feierte seinen Abschied – er behandelte einst auch den Altkanzler.

shz.de von
26. November 2018, 13:41 Uhr

Bei schwierigen Fällen oder prominenten Patienten arbeiten die Mühlenberg-Klinik in Malente und das Kieler Universitätsklinikum eng zusammen. Von einem besonders prominenten Patienten berichtete Prof. Dr. Joachim Cremer, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, gestern bei der Verabschiedung des Ärztlichen Direktors der Mühlenberg-Klinik, Prof. Dr. Eike Hoberg: Helmut Schmidt.

„In der Akut-Medizin war er noch relativ einfach zu behandeln“, erinnerte sich Cremer und sorgte damit für Heiterkeit, war der 2015 im Alter von 96 Jahren verstorbene Altkanzler doch dafür bekannt, immer und überall zu rauchen. Er habe sich gefragt, ob Hoberg es gelungen sei, Schmidt in der Reha vom Griff zur Zigarette abzuhalten.

Verknüpft war die Verabschiedung des Kardiologen im Mehrzwecksaal der Klinik standesgemäß mit einem Symposium zum Thema „Kardiologische Rehabilitation im Wandel“. Neben Cremer sprachen weitere Wegbegleiter Hobergs Grußworte. Sehr persönliche Erinnerungen an ihre Zeit mit dem Herzspezialisten hat Prof. Dr. Claudia Schmidtke. Die Medizinerin und heutige CDU-Bundestagsabgeordnete aus Lübeck war einst als junge Ärztin daran beteiligt, wie Hoberg vor 25 Jahren die heute nicht mehr existierende Kompass-Klinik in Kiel aufbaute. Deren Chef blieb er bis 2014, auch noch nachdem er 2003 nach Malente gekommen war.

„Mehr Wissenschaft in der Rehabilitation wagen“: Für dieses abgewandelte Zitat eines anderen Altkanzlers, Willy Brandt, stehe Hoberg, sagte Dr. Ingrid Künzler, Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Nord in Lübeck. Er habe die wissenschaftliche Absicherung der Reha-Medizin vorangetrieben. Weitere Redner dankten Hoberg für sein unermüdliches Engagement in Fachgesellschaften.

Nachfolger Dr. Friedrich Schroeder erinnerte in seiner Laudatio an Meilensteine unter Hobergs Führung, etwa die Anerkennung der Mühlenberg-Klinik als akademisches Lehrkrankenhaus, die Entwicklung eines Reha-Konzeptes für Menschen mit Marfan-Syndrom oder das bundesweit erste Programm zur verhaltensmedizinisch orientierten, kardiologischen Rehabilitation. Und er würdigte den Kardiologen als Arzt und Menschen: „Als Vorbild im besten Sinn vereinen Sie Autorität ohne Überheblichkeit oder gar Arroganz mit Fachwissen, Offenheit und respektvollem Umgang im Team“, sagte Schroeder.

Ein gelöst wirkender Hoberg beantwortete schließlich die eingangs von Prof. Cremer gestellten Frage. „Helmut Schmidt hat drei Wochen nicht geraucht“, berichtete der 67-Jährige. Allerdings sei dessen Frau Loki einmal am Fenster mit einer Zigarette erwischt worden.

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