Bei „digitalen Spuren“ ganz vorn

Ministerpräsident Daniel Günther (von links) im Gespräch mit PDAFB-Leiterin Maren Freyher und dem für praktischen Ausbildung zuständigen Hauptkommissar Lars Lange.
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Ministerpräsident Daniel Günther (von links) im Gespräch mit PDAFB-Leiterin Maren Freyher und dem für praktischen Ausbildung zuständigen Hauptkommissar Lars Lange.

Netzwerken können für die polizeilichen Ermittlungen heute genau so wichtige Hinweise liefern wie klassische Fingerabdrücke

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13. August 2018, 14:16 Uhr

Digitalisierung: Für die Polizeischule auf der Hubertushöhe bedeutet das eine moderne technische Ausstattung mit zum Beispiel hochmodernen Unterrichtstafeln (Whiteboards) und drahtloser Internetzugang (W-Lan). Es bedeutet aber auch Möglichkeiten der polizeilichen Ermittlungen mit Hilfe digitaler Spuren, die mittlerweile fast jeder Mensch hinterlässt.

„Das klingt nicht spektakulär, aber wir sind beim Thema ,digitale Spuren‘ bundesweit Vorreiter“, sagte gestern Michael Haubrich. Er ist in der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PD AFB) der Fachbereichsleiter Kriminalitätsbekämpfung.

Verschiedene Aspekte der Digitalisierung für die polizeiliche Arbeit bildeten einen Themenschwerpunkt beim Besuch des Ministerpräsidenten Daniel Günther, dem im neuen Einsatztrainingszentrum auch Unterrichtseinheiten mit Szenen aus dem wahren Leben gezeigt wurden. Darunter ein Beispiel, dass digitale Spuren bei der Ermittlungsarbeit wichtige Indizien leisten können.

Einsatzszenario Stalking: Eine Frau, dargestellt von Tina Edling, alarmiert die Polizei, weil sie fürchtet, dass sich vor dem Haus ihr ehemalige Lebensgefährten herumgetrieben hat. Er muss sich ihr laut Gerichtsbeschluss fern halten. Die beiden Polizeioberkommissare Patrick Keller und Sven Timm verbinden sich mit dem Rooter (Netzwerkgerät) der Wohnung und stellen fest, dass sich das Mobiltelefon des mutmaßlichen Stalkers tatsächlich in das Netzwerk eingeloggt hatte. Er war also mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Nähe und verstieß damit gegen einen Gerichtsbeschluss.

Smartphones, Kraftfahrzeuge, die immer mit dem Hersteller verbunden sind, Funkmasten, öffentliche und private Drahtlosverbindungen: Die Bereiche, aus denen die Polizei Erkenntnisse für die Aufklärung krimineller Taten, aber auch für die Ermittlung bei Unfallhergängen gewinnen könnten, seien vielfältig, führte Haubrich aus. Und der gesetzliche Rahmen sei für die Polizei vollkommen ausreichend.

Aber: Die Polizeibeamten müssten sensibilisiert werden, denn auch digitale Spuren könnten durch Unkenntnis zerstört werden wie Fingerabdrücke. Das müsse in der Aus- und Fortbildung berücksichtigt werden.

Außerdem dürfe man nicht dem Irrglauben unterliegen, dass junge Leute ausreichend über dieses Thema wüssten, nur weil sie alle ein Smartphone besäßen und es intensiv nutzten: „Die meisten habe nicht die geringste Ahnung, was hinter dem Touchscreen ihres Smartphones tatsächlich passiert.“ Und für die Nutzung der technischen Möglichkeiten sei nicht nur Wissen, sondern auch eine Strategie wichtig: „Bei der Suche nach vermissten Personen ist eine Handy-Ortung über Google sehr viel schneller und genauer als eine Funkzellenortung. Das muss man einfach wissen.“

Der Ministerpräsident fragte nach der Bereitschaft von Staatsanwälten und Richtern, die Ermittlungen der Polizei in privaten, digitale Datenträgern zu genehmigen. Meistens sei es kein Problem, wenn sich Staatsanwalt und Richter in dem Metier auskennten. Es wäre aber sinnvoll, das Thema mit Anwälten und Richtern in gemeinsamen Veranstaltungen zu behandeln, sagte die amtierende Leiterin der PDAFB, Maren Freyher. „Das ist ein klassisches Querschnittsthema.“

In den zwei Stunden, die der Regierungschef auf Hubertushöhe war, wurden ihm auch allgemeine Ausbildungsszenarien für Polizeischüler gezeigt: Wie geht man mit einer hilflosen, offensichtlich obdachlosen Person um? Wie überwältigt man zwei Streithähne in einer Gaststätte? Und wie sehen Maßnahmen der persönlichen Selbstverteidigung aus?

Als letzte Station zeigten Martin Hartwig und Tore Voß-Gädechens dem Ministerpräsidenten die neusten Ausrüstungsgegenstände: Eine Maschinenpistole Sig Sauer MPX, kugelsichere Westen und Helme sowie die neue Kamera (Bodycam), die polizeiliche Einsätze dokumentieren soll – auch das ein Instrument aus dem neuen Zeitalter der Digitalisierung.

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