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Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 15:17 Uhr

Beeindruckende Artenvielfalt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gefiederte Sumpfbewohner in Ostholstein / Teil II der Vogelkunde über Limikolen

Unsere heimischen Limikolen erbrüten in der Regel drei oder vier erdfarben gesprenkelte Eier; wir fanden aber auch – ganz selten – „überbelegte“ Nester, die in der Regel von in Legenot geratenen Weibchen der gleichen Vogelart stammen sollten. Die Dunenjungen der Watvögel sind wohl die „niedlichsten“ Vogelkinder, denen wir in der Natur begegnen. Sie sind buntgescheckte und quicklebendige Federbällchen mit einem relativ großen Kopf, großen Augen und kräftigen Füßen.

Naht eine Gefahr, warnen die Eltern, und einige Arten versuchen die Störung von ihrem Gelege oder von den Jungen wegzulocken, indem sie mit ausgebreiteten, herabhängenden Flügeln sowie gefächertem Stoß ein ziemlich „jämmerliches“ Bild abgeben und damit eine ernste Verletzung vortäuschen – man nennt diese raffinierte Methode „Verleiten“. Schließlich ist mit den beiden Beitragsfolgen eine Vogelgruppe vorgestellt worden, deren Lebensraum für viele unserer Zeitgenossen aus der Politik und Wirtschaft immer noch als wertloses Terrain angesehen wird: Trocken fallende Schlickflächen, Feuchtwiesen, Sümpfe, Altgewässer und Gräben gelten oft als unproduktiv; sie sind jedoch von vitaler Bedeutung für den Fortbestand der Limikolenpopulationen. Diesen leistungsfähigen Weitstreckenziehern, die zweimal jährlich Strecken bis zu 10 000 Kilometern und mehr zurücklegen sowie den Großteil des Jahres weder im Brutgebiet noch im Winterquartier verbringen, sollten wir gegen lokale Interessen Gastrecht gewähren. Diese geflügelten Wanderer bedürfen störungsfreie Rast- und Nahrungsplätze. Die Ornithologen stellen eine grundsätzliche Frage: Wollen wir in Kauf nehmen, dass der schulische Unterricht immer abstrakter wird und kommende Generationen immer mehr und mehr zu nüchternen Technokraten herangezogen werden, nur weil die praktische Anschauung und eigenes Erleben in unserer industrialisierten Kulturlandschaft zunehmend schwerer vermittelt werden können? Die in den Watten, Flussmündungen und weiteren Feuchtflächen Nahrung suchenden Wat- und Wasservögel in enormen Ansammlungen sind doch auch für den Laien unverkennbare Indikatoren einer besonders hohen Produktivität dieser Ökosysteme. Sie gehören zu den letzten ursprünglichen Landschaften mit einem großen biologischen Reichtum. Aber auch sie sind dem Druck einer auf Wirtschaftswachstum ausgerichteten Gesellschaft ausgeliefert, die aber gleichzeitig in immer stärkerem Maße Erholung in unverdorbener, ruhiger Landschaft sucht – wenn wir so weiter machen, wird irgendwann diese Rechnung nicht mehr aufgehen können.

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von
erstellt am 07.Aug.2014 | 12:43 Uhr

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