Bedeutend – aber bedroht

Ungewöhnliche Architektur: Bauhaus-Architekt Hugo Häring entwarf in den 1920ern unter anderem die Scheune des Guts. Ein Modell ist in der Ausstellung zu sehen.  Fotos: alexander steenbeck
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Ungewöhnliche Architektur: Bauhaus-Architekt Hugo Häring entwarf in den 1920ern unter anderem die Scheune des Guts. Ein Modell ist in der Ausstellung zu sehen. Fotos: alexander steenbeck

Ausstellung „Bauhaus an der Ostsee“ widmet sich Gut Garkau und weiteren Bauten im Kreis Ostholstein / Weltweit einziger Bauernhof im Bauhaus-Stil verfällt

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14. Juni 2019, 10:53 Uhr

Pönitz | 100 Jahre Bauhaus – während in anderen Bundesländern das Jubiläum der Design-Richtung in diesem Jahr groß gewürdigt wird, beteiligt sich Schleswig-Holstein nicht an den Feierlichkeiten. Obwohl das Land mit Gut Garkau ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen hat – schließlich ist die landwirtschaftliche Anlage am Großen Pönitzer See weltweit der einzige Bauernhof im Bauhaus-Stil –, gibt es nur auf Initiative des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung eine umfangreiche Ausstellung im Museum für Regionalgeschichte in Pönitz zum Gut Garkau, aber insbesondere zu den Menschen hinter dem fast 90 Jahre alten Gebäudekomplex.

Klinker, Beton, Glas und Holz – „Gut Garkau ist ein Quantensprung nach 1000 Jahren Ständerbauweise“, sagte Vereinsvorsitzender Dr. Kersten Jungk, der sich seit vielen Jahren mit dem Bauernhof, seinem ungewöhnlichen Baustil und den weiteren Gebäuden rund um die ehemalige Künstler-Kolonie Klingberg befasst. Bauidee und Baugeschichte, der Bauherr, das Wirken des Architekten Hugo Häring sowie seine Bedeutung im Bauhaus-Konzept von Walter Gropius – dem Vater des Bauhaus-Stils – werden ab morgen in der Ausstellung gezeigt.

„100 Jahre neues Bauen: Dahinter stecken viel mehr Leute als nur Gropius“, sagte Jungk. Mindestens 20 bis 25 Personen zählen heute zum Kreis derer, die den Bauhaus-Gedanken prägten, ihn in die Welt trugen. Architekt Hugo Häring, der Gut Garkau zu Beginn der 1920er-Jahre entwarf, ist einer von ihnen. Von 1924 bis 1926 wurden seine Pläne weitgehend in die Tat umgesetzt. Einen Überblick über die Anlage können sich Interessierte in der Ausstellung verschaffen – denn da der in Bayern lebende Besitzer des Hofs keine Besucher wünscht, wurde ein Modell des Komplexes von der Hugo-Häring-Gesellschaft in Biberach an der Riss ausgeliehen. Dieses Maßstabs-Modell wurde 2011 in England von Architektur-Studenten der Universität in Sheffield hergestellt, war danach in Manchester und 2014 in Biberach ausgestellt – und nun in Pönitz.

Die Ausstellung widmet sich zudem auch Wilhelm Bräck. Der Lübecker Architekt entwarf modellhaft um 1924 ein Künstlerhaus im Bauhausstil und nannte seinen Entwurf „das Ovale Haus“. Diese Idee hat sein Freund und gleichzeitiger Bauherr Harry Maasz aufgegriffen und 1928 in seinem Turmhaus in Klingberg verwirklicht. Bräck hat zahlreiche Gebäude in und um Lübeck entworfen – sein wohl bedeutendster Beitrag im Rahmen der Bauhaus-Architektur ist der Pavillon der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck 1930.

Zum Umfeld des Künstlerdorfs Klingberg gehört auch die Villa Gropius in Timmendorfer Strand. Dort verbrachte Bauhaus-Gründer Walter Gropius mit vielen seiner Kollegen oft seinen Urlaub, es entstanden zahlreiche Skizzen und Zeichnungen. Die Ausstellung im Foyer des Pönitzer Museums trägt insofern den Titel „Bauhaus an der Ostsee – Architektur und Gartenkunst“, da nicht nur Gut Garkau im Fokus steht. Die Ausstellung kann aber auch als Mahnung verstanden werden: Denn die Hofanlage ist in schlechtem Zustand. „Das geht möglicherweise alles vor die Hunde“, sagte Jungk. Es müsse viel saniert werden, es sei aber kein Geld da. Gut Garkau habe eine große historische Bedeutung. „Gegen den Abriss sprechen ästhetische Gründe. Der Bau ist hervorragend“, sagte Jungk und fordert: „Wir brauchen ein neues Konzept für die Erhaltung.“

Die Schau mit zahlreichen Repro-Fotos, Plänen und Original-Exponaten steht unter Schirmherrschaft von Ostholsteins Landrat Reinhard Sager und wurde durch keinerlei Fremdmittel auf die Beine gestellt, betonen die Mitglieder des Vereins. Morgen (15. Juni) wird es von 13 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür im Museum geben.

Die Ausstellung „Bauhaus an der Ostsee – Architektur und Gartenkunst“ ist nachfolgend im Museum in Pönitz, Lindenstraße 23, bis Mitte Oktober am Dienstag, Sonnabend und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen. Außerhalb dieser Zeiten können Besuche und Führungen für Gruppen über die Telefonnummer 04503/ 73273 vereinbart werden.

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