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Live-Sendung aus Malente : „Beckmanns Sportschule“: „Meinen die das ernst bei der ARD?“

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Beckmanns Sportschule“, live aus Malente, muss harte Kritik einstecken.

Malente | Wer sich Image-Filme für Malente und seine Fußballschule erhofft hatte, muss ernüchtert sein: Beide kommen bei „Beckmanns Sportschule“, die von der ARD jeweils im Anschluss an die EM-Spiele zu später Stunde live aus dem „Uwe Seeler Fußball Park“ gesendet wird, nicht gut weg. Wer sich hier länger aufhalten muss, erleidet zwangsläufig einen Lagerkoller, lautet die vernichtende Botschaft in Kurzform.

Mindestens ebenso vernichtend ist aber die Kritik, die der selbst produzierende Reinhold Beckmann und die ARD für ihr neues After-Show-Format nach zwei von zwölf geplanten Sendungen ertragen müssen. „Der 60-Jährige säuselt derart überproduziert durch die Sportschule... auf der Suche nach Kultgeschichten, dass kaum ein Gespräch in Erinnerung bleibt“, schreibt etwa die Westdeutsche Zeitung (WZ). Auch Thomas Berthold, neben Horst Hrubesch Gast der ersten Sendung, kommt nicht gut weg. Er „gibt den kühlen Besserwisser („Wichtig waren die drei Punkte.“), der für gute Laune eher nicht infrage kommt“, ätzt die WZ.

Kommentator Frank Brunner im Internet-Portal Yahoo fragt sich: „Ist das noch Spaß oder meinen die das ernst bei der ARD?“ Als „verstörend“ empfand der Autor den Einspieler mit Ex-St.-Pauli-Spieler Nico „Patsche“ Patschinski in der Hauptrolle. Der „EM-Bestatter“, inzwischen im wirklichen Leben tatsächlich Bestatter, trug ein Trikot der Holländer zu Grabe – weil diese schon in der Qualifikation gescheitert waren. „Patsche paffte pausenlos, ein pummeliger Holländer hüpfte wie ein Hamster auf Ecstasy übers Feld, legte ein Trikot der Oranje in einen Sarg, der dann irgendwo versenkt wurde“, beschreibt er den Einspieler und folgert: „Man wäre gern dabei gewesen, als die ARD-Verantwortlichen diesen Beitrag abgenommen haben.“ Und beim „Stern“ ist schlicht „vom größten anzunehmenden Anti-Burner“ die Rede.

„Focus online“ lästert, die Sendung sei „mit Peinlichkeitsmaßstäben nicht mehr zu messen“ und verliert irgendwann den Durchblick: „Eine völlig wirre Abfolge von Gesprächen und Filmen folgt. Tim MuskelPornWiese darf seinen peinlichen Schlitten vorfahren. Uwe Seeler, 79, wird als „Herbergsvater“ vorgeführt, ein Gestammel-Interview ohnegleichen. Herr Berthold hat mal ein Erkältungsbad in Malente genommen, weiß die Küchenchefin der Sportschule Malente. WHAT?! Er erinnert sich leider nicht. Darauf eine Käseplatte aus der Malente-Küche. WOW!“, grantelt der Focus.

Deutlich milder kommt Beckmanns neues Format bei Wolfgang Kienle weg. Zwar findet der stellvertretende Malenter Bürgermeister, dass Beckmann den Ort besser hätte darstellen können, doch: „Ich finde es gut, dass das überhaupt läuft. Das tut dem Ort gut und der Fußballschule auch.“ Von Thomas Berthold hätte aber auch Kienle sich etwas mehr interessante Geschichten erwartet. Der sei „etwas unlocker“ rübergekommen, findet Kienle.

Beim Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband (SHFV), dem Eigentümer der Sportschule, gibt man sich unterdessen ganz entspannt: „Wir können so eine humoristische Betrachtungsweise vertragen“, sagt der stellvertretende SHFV-Geschäftsführer Dr. Tim Cassel, zumal sich diese nur auf die „alte Sportschule“ beziehe. Spätestens, seit der Hamburger Sportverein 2015 sein Trainingslager in Malente aufgeschlagen habe, sei die Qualität der 2013 modernisierten Sportschule deutschlandweit bekannt. Der Sendung selbst und ihrem neuen Konzept will Cassel eine Chance geben: „Gerade neue Ideen brauchen ihre Zeit.“

Bei den Fußballvereinen in Deutschland scheint die Sendung jedenfalls keine abschreckende Wirkung zu haben: „Wir haben, seit die Sendung läuft, Anfragen von Vereinen aus ganz Deutschland“, berichtet Cassel. Doch zumindest für dieses Jahr ist die Sportschule schon ausgebucht.

Am Mittwoch ab 23.30 Uhr läuft die 3. Folge von „Beckmanns Sportschule“. Zu Gast sind dieses Mal Jens Nowotny (ehem. Nationalspieler und WM-Dritter 2006) und Franciszek Smuda (früherer Nationaltrainer Polens).

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erstellt am 14.Jun.2016 | 19:17 Uhr

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