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Beckmann will den „Geist von Malente“ wecken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die ARD sendet im Anschluss an die EM-Partien live aus der legendären Fußballschule im Norden

Normalerweise geht es hier beschaulich zu – vor allem um diese Uhrzeit herrscht eher geisterhafte Stille. Doch in diesen Tagen brummt es noch nachts um 23 Uhr vor der Fußballschule des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands (SHFV) in Malente. Drei Männer schrauben gerade an einer Satellitenschüssel herum, neben ihnen warten zwei Hubsteiger mit beeindruckenden Flutlichtern auf ihren Einsatz. Einige Meter weiter läuft jemand, der unablässig „eins, zwei, drei“ in ein Mikrofon spricht, im Hintergrund wummert ein Notstromaggregat.

Zwölf Mal überträgt die ARD während der Fußball-Europameisterschaft live „Beckmanns Sportschule“ von hier, zunächst immer von 23.30 bis 0.15 Uhr. Auftakt ist am Sonntag nach dem Spiel der deutschen Kicker gegen die Ukraine. Am Sonnabend, 18. Juni, wird in der Fußballhalle außerdem die erste Hauptrunde im DFB-Pokal ausgelost.

„Wir zeigen, was auf dem Platz und hinter den Kulissen wichtig ist – und das aus einer ganz speziellen Perspektive“, sagt Moderator Reinhold Beckmann. Sein Team arbeitet einen Monat lang in der legendären Sportschule, dort, wo sich bis 1994 die DFB-Mannschaften auf große Turniere vorbereitet haben. „Hier, wo der ,Geist von Malente‘ geboren wurde, spüren wir mit Fußball-Persönlichkeiten nach, was die Nationalspieler während eines Turniers beschäftigt, was alles auf sie zukommt und was entscheidend ist auf dem Weg zum Titel“, sagt der 60-jährige Sportschau-Moderator.

In der ersten Sendung, so viel haben die Macher schon verraten, werden Thomas Berthold (Weltmeister 1990) und Horst Hrubesch (Europameister 1980) Beckmanns Gesprächspartner sein. Die Fußball-Trainer Christoph Daum und Hans Meyer werden am Montag, 13. Juni, zu Gast sein. Auch Domenico Tedesco, Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim, wird mitmischen. Auf dem Parkplatz der Sportschule wurde auch ein für Fußballerkreise standesgemäßer Lamborghini Aventador und ein betagter Leichenwagen mit St.-Pauli-Aufklebern gesichtet. Gerüchten zufolge sollen sie Ex-Werder-Profi Tim Wiese und Ex-St.-Pauli-Profi Nico Patschinski gehören. Sie fachsimpeln in einem Einspieler über Fußball – in einem auf 1974 getrimmten Zimmer.

Die Sportschule werde dabei mehr als nur Kulisse sein, betont Beckmann. „Das sagenumwobene Doppelzimmer von Paul Breitner und Uli Hoeneß, in dem 1974 das eine oder andere Bier gekippt wurde, die Umkleidekabinen, Krafträume und Fußballplätze und selbst die Küche – sie werden alle in der Sendung eine Rolle spielen.“

Im Lichte dieser Nostalgie verwundert nicht, dass Beckmann die Sportschule in der NDR-Talkshow vor einigen Wochen als „Turnhalle aus den 60er Jahren“ beschrieb. Das dürfte den Verantwortlichen des SHFV ziemlich weh getan haben, hat der Verband seine Sportschule doch erst vor wenigen Jahren mit Millionenaufwand auf Vordermann gebracht und in „Uwe Seeler Fußball Park“ umbenannt.

Fast nebenbei beköstigt die Küche der Sportschule das bis zu 70-köpfige Produktionsteam. Trotzdem läuft der Betrieb ganz normal weiter, sagt Tobias Kruse, kaufmännischer Leiter des Fußballparks. Und während bei „Beckmanns Sportschule“ über die EM und die Vergangenheit diskutiert wird, befasst sich Deutschlands Fußball-Nachwuchs in Malente mit zukünftigen Aufgaben. Denn vom 19. bis 21. Juni bereitet sich die U16-Juniorinnen-Nationalmannschaft auf den Nordic-Cup Anfang Juli vor. Er gilt als inoffizielle Europameisterschaft der Junioren.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 15:37 Uhr

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