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Ostholsteiner Anzeiger

29. Juni 2017 | 12:56 Uhr

Malente : Baustelle mit Otter-Brücke

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Vorarbeit für die Brückenerneuerung in der Hindenburgallee erweist sich als sehr komplex: Viel Arbeit für Koordinator Frank Petzolt.

Die Seniorengruppe ist irritiert. Auf dem Weg vom Malenter Bahnhof Richtung Diekseepromenade sind die Ausflügler in der Hindenburgallee an der Baustellenabsperrung angekommen, die seit wenigen Tagen vor der Schwentinebrücke steht. Zuerst biegt die Gruppe nach rechts ab, will die rollstuhlgerechte Rampe in Richtung des Anlegers der 5-Seen-Fahrt hinablaufen. Doch von dort geht’s nicht weiter. Denn die alte Fußgängerbrücke, die am „Intermar“ über die Schwentine führte, existiert nicht mehr, die neue ist noch nicht da. Also wieder zurück. „Wir müssen da lang“, gibt einer der Senioren die neue Richtung vor. Nachdem diese den Verkehr abgewartet haben, queren sie die Hindenburgallee, nutzen die provisorische Fußgängerampel am Beginn der Eutiner Straße, queren dann die Frahmsallee, um endlich zur Promenade zu kommen.

Irritationen gibt es möglicherweise auch bei dem einen oder anderen Autofahrer. „Bei ROT hier HALT!“ verkündet ein Schild vor der Kreuzung am Ende der Hindenburgallee, auf der Fahrbahn ist eine dicke gelbe Linie aufgemalt. Doch wo ist die Ampel? Erst wer sich genau umblickt, entdeckt vielleicht die eben genannte Fußgängerampel. Die Halteaufforderung soll verhindern, dass die Kreuzung bei Rot zugefahren wird, doch warum Rechtsabbieger warten sollen, erschließt sich nicht.

„Das ist noch nicht ganz schlüssig“, räumt Frank Petzolt ein, Projektleiter bei der Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz). Es fehle eigentlich ein Zusatzschild mit einem Pfeil nach links, um deutlich zu machen, dass der geforderte Halt bei Rot nur für Linksabbieger gelte. Er will noch einmal mit der Gemeinde sprechen, die für die verkehrsrechtlichen Anordnungen im Baustellenbereich zuständig ist. Vielleicht finde man auch noch eine Lösung, um Fußgängern frühzeitig zu signalisieren, dass der Gehweg einseitig gesperrt sei, so dass sie die Fußgängerampel am Bahnhof nutzten, um auf die richtige Straßenseite zu gelangen.

Es ist vielleicht keine besonders große Baustelle, dafür aber wohl eine der kompliziertesten, die Malente je erlebt hat: der Neubau der Brücke, die in der Hindenburgallee über die Schwentine führt. Besonders die notwendigen Vorarbeiten gestalten sich ausgesprochen aufwendig, weiß Petzolt. „Diese Baustelle toppt alles, was ich in 34 Jahren gemacht habe“, sagt der SH-Netz-Projektleiter, der im Kreis Plön und Teilen Ostholsteins für Gasleitungen zuständig ist.

Es müssten 14 Leitungen neu verlegt werden – von Wasser, über Strom bis Telekommunikation –, neun Gewerke versucht Petzold dabei zu koordinieren, außerdem sind mehrere Grundeigentümer im Spiel. Irritationen von Fußgängern und Autofahrern dürften dabei noch eines der kleineren Probleme sein, auch wenn die verkehrsrechtliche Anordnung der Gemeinde zuletzt aufgrund eines komplexen Abstimmungsprozesses für Verzögerungen gesorgt habe.

Im März ging Petzolt noch davon aus, dass die Schwentine unmittelbar nach Ostern verrohrt werde, um im Flussbett einen Graben für die zu verlegenden Leitungen ausbaggern zu können. Jetzt muss noch ein Ortstermin mit der Naturschutz- und der Wasserbehörde des Kreises sowie einem biologischen Bauberater abgewartet werden, der für den 6. Juni terminiert ist. „Die Baustelle liegt in einem FFH-Gebiet, da gilt europäisches Recht“, sagt Petzolt. Zu den Auflagen zähle etwa eine Überführung für Otter. Es müsse dafür gesorgt werden, dass der Wassermarder die Baustelle passieren könne und dass er wieder aus der Baugrube herauskommen, falls er hineinfalle. Ein Baugutachter habe außerdem Vorschäden an umliegenden Gebäuden dokumentiert. Mit Mess-Sensoren solle gewährleistet werden, dass keine Schwingungen aufträten, wenn Spundwände in den Boden gerüttelt würden.

Vier Wochen soll es dauern, die Leitungen unter der Schwentine zu verlegen, weitere vier Wochen dauere es, alte Leitungen im Umfeld zu erneuern, sagt Petzold. Außerdem werde der Zweckverband Ostholstein noch eine Druckrohr- und eine Abwasserleitung neu verlegen.

Spätestens Anfang Oktober müssen alle Vorarbeiten abgeschlossen sein. Dann sollen die eigentlichen Arbeiten zur Erneuerung der 125 Jahre alten Straßenbrücke beginnen. Mitte Juni 2018 soll der Verkehr dann über eine neue Brücke rollen. Die Bautätigkeit wird dann aber noch nicht vorbei sein, warnt Petzolt schon mal vor. Danach sei noch geplant, Leitungen in der Eutiner Straße zu erneuern.

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erstellt am 02.Jun.2017 | 15:00 Uhr

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