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Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 09:54 Uhr

Bauernhof als Erlebnis- und Lernort

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Agrar-Pädagogen erhielten gestern im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp ihre Zertifikate – schon 100 Kurse

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 12:38 Uhr

Auf einem Bauernhof können Kinder – und nicht nur die – unvergessliche und prägende Stunden erleben. Die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten, sei es ein Schulausflug oder eine Geburtstagsfeier, ist sehr beliebt. Vor diesem Hintergrund bietet die Landwirtschaftskammer Intensivlehrgänge an, die Personen befähigt, erlebnispädagogische Angebote auf Höfen durchzuführen.

Das ist „Bauern-Pädagogik“, schmunzelt der Präsident der Landwirtschaftskammer, Claus Heller. „Unser Ziel ist, Landwirtschaft zu erleben und nicht zu belehren“, so Heller. Denn Landwirtschaft habe mehr zu bieten als Vieh und Ackerbau. „Und wenn die Kinder begeistert einige Stunden oder Tage auf dem Hof waren, bringen sie auch den richtigen Geruch mit nach Hause.“

Eingeladen hatte die Landwirtschaftskammer gestern zur Übergabe der Zertifikate an die 27 Teilnehmer des mittlerweile 100. Lehrganges der „Agrar-Pädagogik“. Seit 13 Jahren werden diese Kurse angeboten. Schleswig-Holstein ist damit laut Heller sogar bundesweit führend in diesem Bereich. „Sie beleben den ländlichen Raum, denn Landwirtschaft ist längst nicht mehr in jedem Dorf anzutreffen.“

Rund 100 Schulklassen mit mehr als 1200 Schülern von der 4. bis 7. Klasse haben schon an diesen Bauernhofbesuchen irgendwo im Land teilgenommen. Rund 170 Betriebe haben den Betriebszweig mittlerweile als alternative Einkommensquelle etabliert. Der Lehrgang habe enorm viel gebracht, und wenn so ein Projekt professionell angegangen werde, sei eine große Nachfrage bei Eltern und Kindern programmiert, so Heller.

Der Bauernhof ist ein attraktiver Erlebnisort für Kinder. Egal ob Kindergartenkinder, Schulkinder, Ferienkinder und Geburtstagsfeiern – auf dem Bauernhof können sie unvergessliche Stunden erleben. Da lernen sie nicht nur etwas, können Tiere anfassen und streicheln, sie können auch spielen. „So können wir Kindern nicht nur die Landwirtschaft näher bringen, auch die Erde und alles was mit der Natur zusammenhängt“, sagt Sandra Glaezer aus Großbarkau, die am Mittwoch zu den Empfängern des Ausbilder-Zertifikats gehörte. „Auch ein Bauernhof ohne Tiere oder mit Bienen, Hummeln und Borkenkäfern kann sehr spannend sein.“ Sie ist Kursleiterin an der Offenen Ganztagsschule bei ihr in der Region und organisiert diese Ausflüge. Genauso sieht es ihre Kollegin Ute Walter aus Klausdorf/ Schwentinental.

„Es ist ein wunderbarer Austausch. Man verbindet das immer mit den Höfen der Region. Die Kinder lieben das und deshalb ist es schön, wenn wir das unterstützen können“, sagt sie, die diese Touren schon seit 30 Jahren unterrichtet – jetzt sogar mit Zertifikat als „Bauern-Pädagogin.“

Und der elfjährige Hennes aus Damlos kann das nur bestätigen. Zusammen mit seinen Mitschülern einer 5. Klasse aus Oldenburg tourte er durch die Ställe des Versuchsgutes Futterkamp. Eine Kuh gestreichelt hatte er noch nie und war ihr, wie viele seiner Mitschüler wohl auch noch nie so nah gewesen. Viele Schüler wunderten sich, wie lang die Zunge einer Kuh ist, die sich ihren da so entgegen streckte.

Ein Hof ist eben mehr als eine Produktionsstätte für Nahrungsmittel. Heutzutage sind typische Hofarbeiten und jahreszeitliche Tätigkeiten in der Natur, mit Tieren und Pflanzen Balsam für viele gestresste und orientierungslose Gemüter. „Gerade auch ideal für Personen mit einem Handicap.“ Deshalb haben es einige Bauern – in erster Linie allerdings Bäuerinnen – zur Aufgabe gemacht, kleine und große Menschen auf andere Weise „zu füttern“ und „satt“ zu machen. Auf dem Bauernhof kann so Wissen zum Erfahrungsschatz werden und die Menschen auch prägen.

 

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