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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 14:10 Uhr

Bauern sollen ihre Arbeit überdenken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreisvorsitzender Blanck empfiehlt: „Einiges lässt sich anders machen“

von
erstellt am 11.Jul.2017 | 11:47 Uhr

„Manchmal ist eine Zeit reif für neue Gedanken“, sagte Klaus-Dieter Blanck (Foto), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, am Montagabend vor gut 250 Mitgliedern und Gästen beim Kreisbauerntag 2017. Der fand stilgerecht in einer Scheune des Gutes Mariashagen statt und bot Raum für eine Fülle neuer Gedanken. Vor allem die Förderung der europaweit bedrohten Artenvielfalt stand durch den Referenten, Uwe Dierking vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), im Fokus.

Mit Blick auf die aktuelle Lage sagte Blanck eingangs, dass die Landwirtschaft offenbar nicht mehr zu den Kernanliegen der CDU zähle. Nach Hessen habe auch in Schleswig-Holstein die CDU den Grünen das Agrarministerium überlassen, obwohl 68 Prozent der Landwirte CDU gewählt hätten.

Die Mehrheit der Grünen-Wähler seien Städter, und im Zug einer enormen Urbanisierung werde der ländliche Raum immer weniger als Wirtschaftsraum zur Produktion von Nahrungsmitteln gesehen. Der unmittelbare Bezug zur Nutzung von Boden und Natur gehe vielen Menschen verloren. Und ein wachsender Einfluss der Grünen auf die Agrarpolitik werde es den Landwirten nicht einfach machen.

Die Vermarktung der Produkte regele für die Betriebe weiter das Familieneinkommen, dabei bestimmten Umweltschutz, Tierschutz, Baurecht und ausufernde Büroktratie immer mehr die Entwicklung und Investitionsentscheidungen. „Oft genug entscheiden genau diese Themen, ob es überhaupt noch eine Hofnachfolge gibt.“

Die weltmarktfähige Landwirtschaft in Deutschland stehe in der medialen Kritik und dabei in einem schweren Konflikt: „Die Masse der Verbraucher kauft nicht geschmacklich Spitzenqualität und auch nicht bio oder regional, sondern gnadenlos billig, aber mit hohem optischen und hygienischen Qualitätsanspruch.“

Die Kritik sollte den Landwirten Anstoß sein, sich mit Produktionsweisen auseinander zu setzen, empfahl Blanck. „Einiges lässt sich anders machen und wird dann trotzdem gut – oder noch besser.“ Neue Technik bei Gülledüngung, tierfreundlichere Ställe oder auch neue Züchtung nannte Blanck als Beispiele.

Einig waren sich alle Redner, dass zu den dringenden Aufgaben eine Förderung der drastisch einbrechenden Artenvielfalt gehört. Dabei handele es sich allerdings um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie dürfe nicht allein den Landwirten überlassen werden, betonte Ostholsteins Landrat Reinhard Sager. Der Präsident des Landesbauernverbandes, Werner Schwarz, ergänzte das mit dem Hinweis, dass zum Beispiel auch in den Privatgärten oder auf Friedhöfen immer weniger blühende Pflanzen zu finden seien.

Vogelzählungen in der Probstei-Gemeinde Bendfeld in den Jahren 1987 und 2015/16 hätten einen Zuwachs der Arten von 45
auf 47 ergeben, aber einen Rückgang der Vogelzahl insgesamt um sechs Prozent, schilderte der Referent
Uwe Dierking (Foto). Im Feld seien mehr Vögel und mehr Arten registriert worden, im Dorf mit seinen 250 Einwohnern seien dagegen weniger Vögel gewesen und Bestände eingebrochen, zum Beispiel die Zahl der Starenpaare von 80 auf eines. Vor 30 Jahren habe es in Bendfeld zehn Bauernhöfe gegeben, heute nur noch zwei Nebenerwerbsbetriebe.

Es gebe gute Programme zur Rettung der Artenvielfalt, wie das Anlegen von Blühstreifen, und gutes müsse noch besser gemacht werden. Zugleich müsse es in der Zusammenarbeit mit den Landwirten einen Paradigmenwechsel geben: Naturschutzprogramme dürften nicht mehr als Ausgleich für entgangenes Einkommen angelegt werden, sondern müssten zum Leistungsanreiz werden. Vertragliche Regelungen sollten flexibel sein und so gestaltet werden, dass Naturschutz und Landschaftspflege ein Betriebszweig werden könne.

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