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"Überdurchschnittlich" : Bauern maulen trotz Spitzen-Ernte

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Aufgrund der Wetterkapriolen gehen die Erlöse für Landwirte zurück und die Verbraucher werden tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Die Ernteerträge sind überdurchschnittlich.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2013 | 13:54 Uhr

Gaben die Wetterkapriolen im Frühjahr noch Anlass, von einer schlechten Ernte auszugehen, ist das Ergebnis doch besser als ursprünglich angenommen. Trotz des langen Winters, hoher Niederschläge und Hitzeperiode im Sommer bezeichnete Landwirtschaftskammer-Präsident Claus Heller gestern in Sierksdorf (Kreis Ostholstein) die Ernte in Schleswig-Holstein als „überdurchschnittlich“. Trotzdem gäbe es keinen Grund zur Euphorie. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Mengen beim Getreide zwar etwas zurückgegangen, lägen aber höher als im langjährigen Durchschnitt. Die Verbraucher müssen sich allerdings auf zum Teil wesentlich höhere Kartoffelpreise einrichten. Das Wetter habe dazu geführt, dass viele Pflanzen abgestorben seien. Das habe zu hohen Erzeugerpreisen geführt. Laut Landwirtschaftskammer kostet ein Kilo Kartoffeln über zwei Euro.

Bauernverbandspräsident Werner Schwarz bedauerte, dass die Preise unter Druck geraten seien. Die Erlöse seien um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen. Er wies auf die dadurch schwieriger werdende Situation für die Bauern hin. Das Weltmarkt-Angebot werde größer, zugleich kämen auf die Bauern durch die EU-Agrarreform geringere Ausgleichszahlungen und mehr Auflagen zu.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wies auf die regionalen Unterschiede bei der Ernte hin und erklärte seinen „hohen Respekt vor der harten Arbeit unserer Landwirte, die wie kaum jemand anderes in Abhängigkeit von Wetter und Natur wirtschaften“. Eine Steilvorlage lieferte der Minister Werner Schwarz mit einem Verweis auf die „höheren Mächte“, denen die Bauern ausgeliefert seien. Schwarz sagte, für die Bauern sei der Landwirtschaftsminister selbst schon eine höhere Macht: „Wenn grüne Politiker öffentlich behaupten, Schweinen würde wegen der engen Ställe die Rüssel beschnitten, oder das Verschreiben von Tierarzneimittel als Drogen bezeichnen, dann ist das Wahlkampf auf dem Rücken der Landwirte.“

Mit rund 181.000 Hektar ist die Fläche beim Maisanbau im Vergleich zum Vorjahr annähernd konstant geblieben. Die Rapsanbaufläche ist in diesem Jahr nach Angaben der Landwirtschaftskammer auf 112 000 Hektar angestiegen, nachdem im Vorjahr aufgrund schlechter Bedingungen nur auf 60 000 Hektar Raps geerntet wurde. Die Preisnotierungen beim Raps liegen allerdings unter dem Erzeugerpreis des Vorjahres. Hierzu gibt es nach Angeben der Landwirtschaftskammer zwei Gründe: die größere Ernte in der EU und der schwache Biodieselabsatz.

 

 

 

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