EUTIN : Bau-Boom in der Rettberg-Kaserne

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30 Millionen Euro werden in den Standort des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ investiert.

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11. September 2018, 16:26 Uhr

Die Zeiten von Acht-Mann-Stuben und Gemeinschaftsduschen sind passé: „Hotelstandard“ heißt die neue Parole, wenn es um die Unterbringung von Soldaten beim Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ in Eutin geht. Der neue Kasernenblock direkt an der Oldenburger Landstraße steht kurz vor der Übergabe an die Bundeswehr. Wenn das 2000 Quadratmeter große „Gebäude 24“ komplett eingerichtet ist, ziehen hier die kasernenpflichtigen Soldaten ein, die nicht älter als 25 Jahre sein dürfen. Und das in 81 Einzelzimmer mit TV, W-Lan, Kühlschrank und eigenem Bad.

Die Nutzung dieses Gebäudes sei ab der ersten Jahreshälfte 2019 geplant und umfasse eine Gesamtinvestition von etwa fünf Millionen Euro, so Stabsfeldwebel René Wetzel, der die Neubauten aus militärischer Sicht betreut. Bei einem Kasernen-Neubau bleibt es aber nicht: Nach der Fertigstellung wird ein weiteres baugleiches Unterkunftsgebäude errichtet, das ab 2022 nutzbar sein soll. Auch für diesen Block werde wieder ein altes Gebäude abgerissen, so Wetzel. Ein dritter Kasernenblock soll in vier bis fünf Jahren folgen. Und auch hier kommt der gleiche Typenbau wie beim „Haus 24“ zum Tragen – im übrigen laut Bauleiter Friedhelm Sylupp die gleiche Bauweise, wie sie auch als Hafthäuser Verwendung findet. „Dann allerdings mit Gittern vor den Fenstern“, sagt Sylupp augenzwinkernd.

Die Zeiten des Sparkurses sind in der Rettberg-Kaserne vorüber; der Sanierungs- und Modernisierungsstau wird Zug um Zug abgebaut. In den kommenden zehn Jahren werden rund 30 Millionen Euro in die Infrastruktur der Kaserne an der Oldenburger Landstraße investiert. Der Baubeginn hatte mehr als fünf Jahre auf sich warten lassen (wir berichteten). Aber noch jetzt bereiten einige Bauvorhaben Kopfschütteln – beispielsweise wenn zu hören ist, dass für die Einrichtung einer Teeküche in bestehenden Gebäuden Jahre benötigt werden. Die Ursachen sind nicht beim Bataillon zu suchen, sondern im Gewirr der Zuständigkeiten. Neben dem Bund hat insbesondere das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein das Sagen; die Bundeswehr als späterer Nutzer indes Mitspracherechte. Alle im Verbund kämpfen gegen die derzeitigen Begebenheiten auf der Baubranche: Der allgemeine Bau-Boom sorgt dafür, dass es nicht nur bei privaten Bauvorhaben schwierig wird, Handwerksfirmen zu bekommen. Bis zu 70 Unternehmen arbeiten in der Rettberg-Kaserne – das bedeutet, dass vielfach 100 Handwerker pro Tag sich in der „Sicherheitszone Kaserne“ aufhalten.

Auch Engpässe beim Material waren und sind nicht selten, so Wetzel. Die Arbeiten am neu errichteten Waffenkammer-Gebäude weisen deshalb rund ein Dreivierteljahr Verzögerung auf. „Gut im Zeitplan“, so der Kasernenfeldwebel, sind indes die vier Millionen Euro teure Ausbildungs- und Werkhalle für die Drohnen – und eben das „Haus 24“.

Begonnen haben indes die Arbeiten an der neuen Umzäunung der Rettberg-Kaserne. „Teilweise haben wir noch Maschendraht aus Wehrmachtszeiten an der Kaserne stehen“, sagt Wetzel. Zwei Kilometer Einfriedung mit Stabmatten-Zaun, Unterkriechschutz und Stacheldraht-Y-Gabel sollen bis 2020 fertig sein.

Das nächste Baufeld lässt nicht lange auf sich warten und ist im Bereich des Hintereingangs zu finden: Für 1,3 Millionen Euro entsteht hier ein neuer Haupteingang. Der alte wird geschlossen; damit soll auch die Zeit der Staus vor dem Tor dann passé sein.

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