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Ostholsteiner Anzeiger

19. September 2017 | 19:18 Uhr

Eutin : Barrierefrei – keine Frage des Geldes

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sitzung des Bauausschusses: Mehrheit für Schulumbau / Starke Kritik an Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2015 | 12:15 Uhr

Die Schule am Kleinen See kann für rund 130  000 Euro barrierefrei umgebaut werden – dafür stimmte die Mehrheit des Bauausschusses am Mittwochabend. Der Weg dahin war allerdings ein steiniger. Die Entscheidung drängte, weil nach den Sommerferien ein Kind mit Rollstuhl dort eingeschult werden soll (wir berichteten).

„Wir sind nicht gegen Barrierefreiheit, werden aber heute dagegen stimmen“, sagte Thomas Koebke (FWE). Die Bausubstanz des Gebäudes sei insgesamt in einem kritischen Zustand, sodass weitere Investitionen ins Gebäude für die Freien Wähler mit Blick auf die Schülerzahlentwicklung eher fraglich seien. Die Grünen forderten ein generelles Konzept zum Thema Barrierefreiheit an Schulen. Bis dahin, so die Ausschussvorsitzende Monika Obieray, müsse für den Schüler und seine Klasse eine Übergangslösung gefunden werden.

Eine Übergangslösung, wie beispielsweise den derzeit im Obergeschoss befindlichen Musik- und Werkenraum ins Erdgeschoss zu verlegen, sei nicht so einfach, erklärte Simone Handschuck, Fachdienstleiterin für Zentrale Immobilien: „Mit einem Musikraum geht immer auch eine gewisse Lärmbelästigung einher, die nicht ohne Weiteres im Klassenzimmertrakt möglich ist.“ Außerdem, so Außenstellenleiterin Ulrike Awe, sei kein Raum im Erdgeschoss groß genug. Die, die es wären, seien schon Fachräume.

Kathrin Pitzner (CDU) wurde bei der Diskussion einiger Ausschussmitglieder nach dem Motto „Barrierefreiheit wollen wir, aber kosten darf sie nichts“ richtig „gallig“: „Es geht doch hier nicht darum, ob sich so eine Maßnahme für nur ein Kind lohnt. Wenn wir hier für nur einen Schüler einen Fahrstuhl brauchen und ein Gebäude barrierefrei sein muss, dann müssen wir das machen.“ Für alle Kritikern, die die langfristige Nutzung der Außenstelle gefährdet sehen, fügte sie hinzu: „Der Fahrstuhl ist in dem Gebäudeteil, der später auch als Grundschule genutzt werden könnte.“ Hans-Georg Westphal (SPD) nannte die Diskussion „erbärmlich“: „Wir machen das doch nicht nur für ein Kind, sondern für alle weiteren, die zu uns kommen wollen. Wer weiß denn, ob wir nicht auch einen Lehrer zugewiesen bekommen, der auf eine barrierefreie Schule angewiesen ist.“ Von der Umsetzung geltender UN-Konventionen profitierten schließlich alle. Schon jetzt werden laut Awe mehr als zehn „inklusive Kinder“ mit anerkannten Förderstatus in der Außenstelle am Kleinen See beschult. Awe: „Dass wir barrierefrei werden, ist dringend notwendig.“ Vor zwei Jahren musste die Schule schon einmal einen Rollstuhlfahrer ablehnen.

Von den sinkenden Schülerzahlen, die von Wolf Krämer-Mandeau für Eutin im Schulentwicklungskonzept diagnostiziert wurden, kommt laut Awe noch nichts an: „Wir haben immer noch Klassen mit 31 Kindern.“ Dass Krämer-Mandeau unter Experten hoch umstritten ist, weil diese ihm „Gefälligkeitsgutachten“ vorwerfen, die den Wunsch nach Einsparungen der Kommunen und Auftraggeber stützten, war Thema der ZDF-Sendung „Frontal 21“. Laut Bildungsforscher Klaus Klemm seien die Zahlen vieler Gutachten des Unternehmens Biregio zudem überholt, da sie die vielen Flüchtlingskinder sowie andere wichtige Faktoren für einen Schulstandort nicht berücksichtigen. Die Stadtvertreter müssen sich anhand dieser Expertenmeinung künftig fragen, wie viel Gewicht ein solches Gutachten bei solch’ wichtigen Entscheidungen noch haben kann.

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