Eutin : Baltic Blues droht mit Aufhören

Zum 29. Mal gibt es in Eutin ein Bluesfestival. Es könnte das letzte werden.
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Zum 29. Mal gibt es in Eutin ein Bluesfestival. Es könnte das letzte werden.

Die Organisatoren des Bluesfestivals sehen keine ausreichende Unterstützung mehr durch Verwaltung und Mehrheit der Stadtvertretung.

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14. April 2018, 04:00 Uhr

Die Zukunft des Internationalen Bluesfestivals „Blues Baltica“ und des Musikwettbewerbes „Blues Challenge“ in Eutin ist in Gefahr. „Wir wollen keinen roten Teppich. Wir wollen nur das Gefühl, dass die Blues Baltica gewünscht ist“, sagte gestern Barbara Bloch, Vorsitzende des Vereines Baltic Blues.

Der organisiert seit 2006 das Bluesfestival. Bloch und Helge Nickel, der Organisator und Kassenwart ist, gaben in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch bekannt: Der Vorstand habe beschlossen, sich in Eutin nicht mehr zu engagieren, wenn sich im Umgang mit dem Verein durch Rathaus und Stadtvertretung „nicht radikal und sofort etwas ändert.“ Andernfalls wanderten die Blues Baltica und die Blues-Challenge in eine andere Stadt ab oder würden schlicht eingestellt.

Nickel will darüber hinaus eine Absage der für 29. Juni bis 1. Juli geplanten Blues-Challenge prüfen. „Aus dem Bluesfest kommen wir nicht mehr raus, da wird eine Absage teurer, als es durchzuziehen.“ Das Bluesfestival wird über Pfingsten vom 18. bis 21. Mai stattfinden.

Für Bloch und Nickel ist der Punkt der Kapitulation gekommen, nachdem sie sich von einer Mehrheit der Stadtvertretung im Stich gelassen fühlen. Ernsthafte Hilferufe an die Stadtvertreter wegen nachhaltiger Gesprächsverweigerung der Verwaltung seien offenbar nicht ernst genommen worden.

Worum geht es? Am 23. Februar, sechs Monate nach Antragstellung, habe der Verein von der Stadt eine Genehmigung für die Blues-Challenge erhalten. Darin die überraschende Auflage, dass die Veranstaltung ohne Verlegung des Wochenmarktes organisiert werden müsse.

Bloch und Nickel bitten den Hauptausschuss um Hilfe, es findet am 13. März ein Gespräch mit Politik, Verein, Verwaltung und Marktbeschickern statt (wir berichteten). Das Resultat: Bei der Blues-Challenge werden Bühne und Stände so aufgebaut, dass der Wochenmarkt stattfinden kann.

Mit dem Sprecher der Marktbeschicker sei ein Stellplan vereinbart worden. Am 6. April habe der Verein einen Plan aus dem Rathaus bekommen, der ohne Rücksprache mit Verein und auch Marktbeschickern gezeichnet worden sei und getroffene Vereinbarungen nicht berücksichtige.

Einen Tag später sei dann von den Marktbeschickern zusätzlich gefordert worden, dass ein Fischstand direkt neben der Bühne platziert werden müsse. Bloch und Nickel haben diesem Wunsch aus zwei Gründen widersprochen: Der betreffende Standbetreiber baue erfahrungsgemäß als letzter ab, was den Ablauf der Blues-Challenge stören werde. Außerdem sei ein anhaltend störenden Fischgeruch direkt an der Bühne zu fürchten. Das Argument, wegen Schmutz- und Frischwassers sei für den Stand kein anderer Standort möglich, hält Nickel für vorgeschoben.

In einem neuen Plan, den der Verein am 9. April von der Stadt bekommen habe, sei der Fischstand weiter enthalten, zusätzlich seien den Markthändlern neue Abbauzeiten vorgeschrieben worden, die den Ablauf der Blues-Challenge störten.

Ärger gibt es auch mit der Genehmigung für das Bluesfestival an Pfingsten. Barbara Bloch: „Auf dem gesamten Platz wurde das Abstellen von Fahrzeugen verboten. Das heißt: Keine Künstlerfahrzeuge, keine Organisationsfahrzeuge, keine Händlerfahrzeuge mit Ware und keine Kühlfahrzeuge.“ Da es irgendwo Platz für diese Autos geben müsse, gebe es für den Übertragungswagen des Deutschlandfunks keine Stellfläche mehr.

Dem Eutiner Bluesfest entgingen damit einige tausend Euro Tantiemen. Und der Deutschlandfunk werde keine Konzertmitschnitte senden, von denen es jedes Jahr zwischen drei und sieben als wertvolle Werbung für Eutin und das Bluesfestival gegeben habe. Nickel: „Ob der Deutschlandfunk noch mal wiederkommt und sich dieses Hickhack antut, müssen wir erstmal sehen.“

Das Abstellen von Fahrzeugen vor dem Rathaus sei vergangenes Jahr beim Bluesfest erstmals untersagt worden. Barbara Bloch erzählt: „Trudy Lynn, 74 Jahre alt, weltbekannte Diva des Chicago-Blues, musste im strömenden Regen über den halben Marktplatz auf matschigen, abschüssigen, unbeleuchteten Wegen bis zum unteren Parkplatz hinter das Rathaus gehen. Später stand sie mit verdreckten Schuhen und teilweise feuchtem Kleid im Brauhaus auf der Bühne.“

Nach dieser Erfahrung habe man versucht, im Rathaus eine Begründung zu bekommen, warum Autos der Musiker nicht mehr vor dem Rathaus stehen dürften. Im Ordnungsamt habe es die lapidare Auskunft gegeben: „Der Bürgermeister will das nicht“.

Alle Gesprächsbitten des Vereines an die Verwaltung seien abgelehnt worden. Einer Einladung an die Fraktionsvorsitzenden der Stadtvertretung waren, wie Barbara Bloch schildert, nur SPD und FWE gefolgt. Grüne und FDP hätten mit Hinweis auf Zuständigkeiten der Verwaltung abgesagt. Und Matthias Rachfahl von der CDU sei der Hilferuf allein der Satz wert gewesen, dass er in Urlaub sei. Bloch: „Wir haben nicht das Gefühl, dass die Veranstaltungen noch gewollt sind.“

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