Bahntrasse: Kiel macht Dampf

Trafen sich gestern in Kiel: (von links) Johann Christoph Jessen, Gerd Schulz, Reinhard Sager und Bernd Buchholz
Trafen sich gestern in Kiel: (von links) Johann Christoph Jessen, Gerd Schulz, Reinhard Sager und Bernd Buchholz

Kieler Verkehrsminister sprach mit Berliner Verkehrsstaatssekretär über Beschleunigung beim Trassenbau auf der Vogelfluglinie

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05. Oktober 2018, 13:57 Uhr

Der Verlauf der zweigleisigen, elektrifizierten Eisenbahntrasse zwischen Lübeck und Puttgarden für die Fermarnbelt-Querung ist kaum noch umstritten. Diskutiert wird noch über die Lärmschutzmaßnahmen, für die die Deutsche Bahn rund 87 Millionen Euro einplant.

Weil Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) den Prozess beschleunigen will und mächtig auf die Tube drückt, kam gestern der Staatssekretär des Berliner Verkehrsministeriums, Gerhard Schulz (CDU), an die Kieler Förde. Die Botschaft der beiden Gesprächspartner: Bei 85 Prozent der Strecke sind sich alle einig, wie es laufen soll. „Binnen sechs Monaten soll jetzt auch über die noch ausstehenden 15 Prozent beraten werden, damit der Bundestag spätestens ab April 2019 entscheiden kann und das Geld bereitstellt“, sagte Buchholz. Dabei gehe es in erste Linie um den übergesetzlichen Lärmschutz, „also um den Wunsch anliegender Gemeinden, einen wirksameren Lärmschutz als im Gesetz vorgeschrieben zu erreichen“ . Buchholz geht dabei von Mehrkosten im dreistelligen Millionen-Bereich aus. Die Bewohner der Ferienorte besonders im südlichen Trassenabschnitt fürchten erhebliche Beeinträchtigungen und Folgen für den Tourismus durch eine neue Bahntrasse, auf der bis zu 150 Güterzüge täglich rollen könnten. Buchholz zeigte sich zuversichtlich, dass es Kompromisslösungen geben wird. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass „nicht alle Wünsche aus dem Wolkenkuckkucksheim erfüllt werden können“.

Ein dickes Lob richteten der Minister und sein Berliner Gast an den Chef des Dialogforums, den deutschen Botschafter in Dänemark. „Christoph Jessen hat eine super Arbeit geleistet, die örtlichen Interessen immer wieder in den Fokus gestellt und aufgezeigt, was zumutbar ist und was nicht“, so Buchholz. „Das ist angesichts der Bedeutung des Projektes nicht zu unterschätzen“, pflichtet ihm Schulz bei.

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager mahnte erneut „ein konstruktives Mitarbeiten der Deutschen Bahn“ an, die von ihrer Staatsbetriebs-Haltung abrücken und auch Lärmschutz akzeptieren müsse, der über Gesetzesvorschriften hinaus gehe. „Schließlich handelt es sich in Ostholstein um eine hochsensible Tourismusregion“, so Sager. Da der Bund Eigentümer der Bahn ist, erhofft man sich durch das Engagement von Staatssekretär Schulz in Berlin neue Impulse.

Insgesamt muss die Bahn 73 Prozent (55 der 75 Kilometer zwischen Bad Schwartau und Großenbrode) neu bauen. Dabei werden die meisten Ostseebäder an der Strecke umfahren.

Die feste Fehmarnbeltquerung soll die 20 Kilometer lange Meerenge zwischen Dänemark und Deutschland mit einer zweigleisigen Eisenbahnstrecke und einer vierspurigen Straßenverbindung zwischen Puttgarden (Fehmarn) und Rödby (Lolland) verbinden. Die Inbetriebnahme könnte 2028 erfolgen. Voraussetzung dafür ist ein Baubeginn 2020. Der Staatsvertrag wurde bereits 2008 unterzeichnet. Demnach trägt Dänemark die Kosten für den Tunnel und Deutschland sorgt für die Hinterlandanbindung.

Landrat Sager wies gestern erneut darauf hin, dass die EU-Kommission die Fehmarnbeltquerung zu den fünf wichtigsten grenzüberschreitenden Projekten im TEN-V Netz – der zentralen Nord-Süd-Achse zwischen Skandinavien und Mitteleuropa – zähle.

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