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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 06:30 Uhr

Bäume weg – dann eine neue Straße?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bismarckstraße: Koch hält Ausbau nach Fällaktion und Leitungsarbeiten für nötig

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 15:33 Uhr

Die Platanen in der Bismarckstraße kommen weg, weil ihr Wurzelwerk eine Gefahr für die im Boden verlegten Gasleitungen darstellt (siehe Titelseite). Diese Nachricht dürfte bei den meisten Anliegern in der Malenter Bismarckstraße zwar Freude auslösen, kämpfen viele von ihnen doch seit Jahren mit zerstörten Leitungen durch meterlange Wurzeln. Doch das dicke Ende dieser Entscheidung, die Bürgermeister Michael Koch gestern überraschend verkündete, könnte noch kommen.

„Ich bin der Auffassung, dass die Straße endgültig auf ist und ausgebaut werden muss, wenn das Wurzelwerk entnommen und Leitungen neu verlegt sind“, sagte Koch. Diese Entscheidung müsse aber die Politik treffen. Für einen Ausbau würden auch Anliegerbeiträge fällig. Umwelt- und Planungsausschuss sollten sich zeitnah mit der Thematik befassen, kündigte Koch an. Anlieger sowie Ver- und Entsorgungsbetriebe, deren Leitungen in der Straße lägen, würden in die Entscheidung eingebunden.

Für die Fällung der 29 in den 1970er-Jahren gepflanzten Platanen wird die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Ostholstein Ersatzpflanzungen fordern. Nach Kochs Vorstellungen sollten Ver- und Entsorgungsleitungen auf der einen Straßenseite verlegt und neue Bäume auf der anderen Seite gepflanzt werden, um Konflikte zwischen Leitungen und Wurzelwerk auszuschließen. Eine ähnliche Lösung könnte in der Lindenallee gefunden werden. Möglicherweise sei es ausreichend, nur die Bäume auf einer Straßenseite zu fällen und die Leitungen auf der anderen Seite zu verlegen, sagte Frank Petzold vom Betrieb Verteilnetze Gas bei der Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz). Für sein Unternehmen sei es das erste Mal, dass, wie in der Bismarckstraße, aus Sicherheitsgründen alle Bäume einer Straße gefällt würden.

Die SH Netz hatte Gutachter Michael Honds aus Mönchengladbach beauftragt, die Auswirkungen der Bäume in der Bismarckstraße, aber in der Lindenallee auf die unterirdisch verlegten Leitungen zu untersuchen. Sein Ergebnis: Durch Wind übertragen die Bäume über ihre Wurzeln Kräfte auf die Leitungen, die diese beeinträchtigen können. Honds spricht von „Baumwurzel-Rohrleitungs-Interaktion“.

Eine solche „Interaktion“ gibt es auch bei drei großen Linden in der Voßstraße. Doch diese Bäume sollen stehen bleiben. Hier will die Netz AG die betroffenen Leitungen in einem aufwendigen Verfahren freilegen und mit einem speziellen Material umhüllen. Dieser sehr salzhaltige und stark basische Stoff werde von Baumwurzeln nicht angegriffen, sagte Petzold. In der Bismarckstraße seien noch PVC-Leitungen verlegt, die durch den Druck der Wurzeln springen könnten. Heute würden stabilere Rohre aus Polyethylen (PE) verwendet.

Probleme mit Baumwurzeln haben auch die Gemeindewerke, die für die Trinkwasserversorgung verantwortlich sind. „Zwei Mal hatten wir in der Lindenallee exakt unter einem Baum einen Rohrbruch“, erklärte Olaf Bennühr, Leiter der Gemeindwerke. „Uns blieb nichts anderes übrig, als den Baum abzunehmen.“ In der Lindenallee sei eine Stahlleitung aus den 60er Jahren verlegt, die zum Schutz vor Rost mit Bitumen ummantelt sei. Baumwurzeln zerstörten die Bitumenschicht.

Mit dem Fällen der Platanen solle nach einer Ausschreibung eine Firma beauftragt werden, sagte Koch. Die Kosten, deren Höhe er noch nicht abschätzen könne, trage die Gemeinde. Das Wurzelwerk bleibe zunächst im Boden. Wann die Linden gefällt würden, könne er noch nicht sagen. Doch wolle er umgehend Gespräche mit den Versorgern und der UNB aufnehmen, sagte Koch. Bis die Platanen gefällt sind, will SH Netz wöchentlich nach Gaslecks fahnden.

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