„Bach ist darauf nicht zu spielen“

Der Blasebalg im unteren Holzkeil sorgt für den Wind, der obere Keilbalg für die Gleichmäßigkeit.
1 von 4
Der Blasebalg im unteren Holzkeil sorgt für den Wind, der obere Keilbalg für die Gleichmäßigkeit.

Die Orgel in der St.-Johannis-Kirche von Neukirchen stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist historisch gestimmt

shz.de von
19. Juni 2018, 17:03 Uhr

Die Orgel in Neukirchen ist ein altes Schätzchen. Das Instrument in der St.-Johannis-Kirche stammt vermutlich aus dem Jahr 1726, das weist die Liste von Orgeln in Schleswig-Holstein auf Wikipedia jedenfalls aus. Der Erbauer war Hinrich Wiese. 1993 sanierte Johannes Rohlf das Instrument umfangreich. Kantor Henning Rasch erläutert mit seiner Eutiner Kollegin Antje Wissemann für unsere Zeitung die Besonderheiten des Instruments. Es gehört zu den Zielen der Kirchen-Orgel-Radtour von Wissemann und der Volkshochschule am Sonnabend.

Während das Gehäuse schon dem Barock entspricht, gebe die Stimmung der Orgel noch die praetorianische oder mitteltönige Stimmung wieder. Die sei mit 450 Hertz etwas höher als die Instrumente in heutiger Zeit, deren Stimmung Wissemann zufolge bei 440, 443 Hertz liege. Die Musik des Barock, wie sie Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) komponiert habe, sei in Neukirchen nicht wirklich zu spielen. Denn auf den untersten Tasten des Manuals liege nur eine kleine Oktave, den Tasten seien andere Töne zugeordnet worden. Musik aus der Zeit vor Bachs Einfluss könnte, abhängig von der Tonart, leichter gespielt werden.

Die Orgel ist mit nur einem Manual und 15 Registern ein kleines Kirchen-Instrument. Dennoch hat sie einiges zu bieten. Der Blasebalg sitzt außerhalb der Orgel. Zwei Keilbälge sorgen für den nötigen Wind im Instrument. Noch vorhanden ist auch die Vorrichtung für den Kalkanten, zwei Holztritte, mit denen eine Person die Bälge auch mechanisch bewegen und so für die nötige Windzufuhr sorgen kann. Was früher eine Voraussetzung fürs Orgelspiel gewesen ist, ist heute eher Blickfang. Aber selbst das Kalkanten-Glöckchen, mit dem der Organist dem Tretenden läutet, dass er wieder Wind braucht, hängt noch und funktioniert.

Eine andere nette „Zutat“ ist die Nachtigall. Die beiden Pfeifen dafür sitzen im Gehäuse hinter dem Spielschrank und verfügen zusätzlich über ein Metall-Kästchen, das mit Wasser befüllt werden kann. Die Flüssigkeit wird durch den Wind zum Blubbern gebracht und so beginnt der klare hohe Ton der Nachtigall ein wenig zu tirilieren. Das Register, mit dem der Ton zum Klingen gebracht werden kann, heißt „Pedal Ventiel“. Ein anderes mit dem Namen „Rühr mich nicht an“ ist ein Jux, denn wer es trotz der Warnung herauszieht, hält es gleich ganz in der Hand.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen