Malente : Azubis bauen ihr eigenes Haus

Zur Einweihung ihres selbst gebauten Hauses luden die jungen Häuslebauer und Manuel Gläß (3. v. li.) die Gewoba-Vorstandsmitglieder Steffan Liebscher und Dietmar Jonscher (v. li.) ein. VNW-Direktor Andreas Breitner (re.) lud sich kurzerhand selbst ein.
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Zur Einweihung ihres selbst gebauten Hauses luden die jungen Häuslebauer und Manuel Gläß (3. v. li.) die Gewoba-Vorstandsmitglieder Steffan Liebscher und Dietmar Jonscher (v. li.) ein. VNW-Direktor Andreas Breitner (re.) lud sich kurzerhand selbst ein.

Angehende Immobilienkaufleute der Baugenossenschaft Gewoba Nord verwirklichen in Malente ein einzigartiges Projekt.

shz.de von
21. Dezember 2017, 11:00 Uhr

Das Vorhaben ist für die Wohnungswirtschaft so außergewöhnlich, dass sich Andreas Breitner zur gestrigen Einweihungsfeier einfach selbst einlud, als er davon erfuhr. „So ein Projekt habe ich überhaupt noch nicht erlebt, das ist ein richtiger Leuchtturm“, schwärmt der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW).

Das „Projekt“ ist das Haus mit der Nummer 8c an der Lütjenburger Straße in Malente. Dessen Bau haben insgesamt 15 Auszubildende der Baugenossenschaft Gewoba Nord mit Hauptsitz in Schleswig komplett in Eigenregie verwirklicht, und auch die Bewirtschaftung der Immobilie liegt in ihrer Hand. Eine gute Ausbildung gelte als Fundament für das ganze Berufsleben, erklärt Gewoba-Personalleiter Manuel Gläß. „Wir haben unsere Auszubildenden gleich das ganze Haus bauen lassen.“

Vom Grundstückskauf über Verhandlungen mit Baufirmen bis zum Aufbau der Küche machten die angehenden Immobilienkaufleute alles selbst. Dafür gründeten sie gemeinsam mit Gläß den Verein „Azur“ (Azubi Resort). Der Auftrag der Gewoba an den Verein: Finde eine Alternative zur Unterkunft in Malente, wo die meist aus Schleswig und Umgebung stammenden, angehenden Immobilienkaufleute der Gewoba die Landesberufsschule besuchen und im Internat der Schule wohnen. Wichtigste Bedingung: Es muss sich rechnen, so wie die rund 6500 Immobilien im Gewoba-Bestand auch.

Auf die Art und Weise, wie der Nachwuchs diese Bewährungsprobe gemeistert hat, ist Gläß ziemlich stolz, wie er betont. Es sei eine Gruppe gewachsen und ein Miteinander entstanden. Wenn man die jungen Menschen lasse, wüchsen sie über sich hinaus. „Das ist wirklich das echte Geschäft, das auch wir als Muttergesellschaft machen. Das haben die echt gut gemacht.“

2016 wurde das Grundstück erworben, nach intensiven Verhandlungen ein Generalunternehmer aus dem Kreis Schleswig-Flensburg beauftragt, im August dieses Jahres war Richtfest. Jetzt ist das rot verklinkerte Haus mit gut 150 Quadratmetern Wohnfläche fertig. Während im oberen Stockwerk, das aus Platzgründen über eine Außentreppe zu erreichen ist, künftig vier Auszubildende wohnen werden, soll die untere Etage vermietet werden.

Gewoba-Vorstand Dietmar Jonscher sieht sich durch das Ergebnis des Experiments in seinen Erwartungen bestätigt: „Wir hatten nie den leisesten Zweifel, dass das klappt“, sagt er. Die Fachleute im Unternehmen hätten bei dem Projekt stets mit ihrem Fachwissen bereitgestanden. Sonst hätte es nicht funktioniert, ist sich Anna Brüsemeister sicher. „Ohne Unterstützung wären wir komplett untergegangen“, sagt die 21-Jährige aus Hollmühle, die kurz vor ihrem Abschluss zur Immobilienkauffrau steht.

Ein Hausbau sei anstrengend, doch sie sei stolz auf das Ergebnis. „Ein Haus gebaut zu haben, das können in unserem Alter nicht viele von sich sagen.“ Für ihr künftiges Berufsleben habe sie mitgenommen, dass nicht immer alles glatt laufe, sondern dass man seine Meinung vertreten müsse. Das habe sie im Umgang mit dem Gewoba-Vorstand und mit den beteiligten Baufirmen gelernt. Ähnlich sieht es Carina Haase. Es sei enorm wichtig, den Bau stetig zu begleiten: „Bei der Kommunikation mit den Baufirmen habe ich viel dazugelernt“, schildert die 27-jährige Schleswigerin ihre Erfahrungen.

Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck spricht von einem Vorzeigeprojekt, auf das Malente stolz sei. Sie könne sich gut vorstellen, dass „Azur“ ein weiteres Haus im Ort baue. Eine Idee, der Jonscher offen gegenübersteht. „Wir machen gerne ein weiteres Projekt“, entgegnet der Gewoba-Vorstand.

Vielleicht macht das Experiment Schule. Andreas Breitner preist das Vorhaben jedenfalls als beispielhaft für die 320 Mitgliedsunternehmen seines Verbandes. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, junge Menschen für die Arbeit in der Wohnungswirtschaft zu begeistern“, zeigt sich der VNW-Direktor überzeugt. Das Projekt vermittele den jungen Menschen während ihrer Ausbildung Wertschätzung und stärke ihr Selbstbewusstsein.

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