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Auto unterschlagen? Justiz stellt Verfahren ein

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Manchmal mahlen die Mühlen der Justiz langsam, und nicht immer kommt ein Urteil dabei heraus. So wie im Falle eines Autohändlers aus der Gemeinde Bosau, der sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht wegen Unterschlagung verantworten musste. Schon an die fünf Jahre ist es her, dass der heute 50-Jährige einen Opel zur Reparatur annahm, diesen aber zumindest zeitweise nicht mehr herausgab.

Bereits im April 2014 war der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Damals stellte das Gericht das Verfahren gegen eine Geldauflage ein. Zwar stimmte der Autohändler dem zu, besann sich später jedoch eines anderen und zahlte nicht. „Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen“, begründete der Mann seinen Sinneswandel. Er könne keine Strafe für etwas akzeptieren, das er nicht getan habe.

Die Zutaten zu dem Fall sind verworren. Der Autobesitzer hatte eine alte Rechnung nicht vollständig bezahlt, weshalb der Angeklagte erst einmal Geld sehen wollte, bevor er sich an die Arbeit macht. Während das Auto bei ihm stand, musste der Händler dann aber offenbar Hals über Kopf seinen damaligen Betriebsstandort auflösen. „Weil das Bauamt nach 13 Jahren auf einmal gemerkt hat, dass mein Betrieb im Außenbereich liegt“, machte er seinem Unmut über die Behörde Luft. Da er selbst auch noch mit den Folgen eines Unfalls zu kämpfen hatte, verteilten seine Mitarbeiter die Autos auf drei Standorte. Als der Autobesitzer mit einem Gerichtsvollzieher anrückte, um seinen Wagen wieder abzuholen, wusste der Händler nicht mehr, wo es ist. „Ich musste 130 Autos vom Hof bekommen“, begründete er die Verwirrung.

Im Streit um das Auto habe ihn der Besitzer angegriffen, schilderte der Angeklagte: „Er hat versucht, mir Kopfnüsse zu geben und hat mich bepöbelt.“ Danach habe er nicht mehr eingesehen, noch irgendetwas für den Kunden zu tun. Warum es dann noch einmal zwei Jahre dauerte, bis der Autobesitzer sein Fahrzeug – erneut mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers – endlich wiederbekam, war vor Gericht nicht mehr zu klären. „Das Fahrzeug hätte die ganze Zeit abgeholt werden können“, beteuerte der Angeklagte.

Der Staatsanwalt beantragte schließlich, das Verfahren einzustellen, ohne weitere Zeugen zu hören. Begründung: Es lägen mittlerweile drei Verurteilungen des Autohändlers aus anderen Verfahren vor. „Angesichts des langen Zeitraums sehe ich hier keine Grundlagen, eine Beweisaufnahme durchzuführen“, erklärte der Staatsanwalt. Dem folgte Amtsrichterin Katrin Leinen und stellte das Verfahren ein. Diesmal ohne Auflage.

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erstellt am 31.Mär.2015 | 14:18 Uhr

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