Auszeit auf der Insel Bali

Die große Welt auf dem kleinen Globus: Sönke Meyer und Juliane Hinz berichteten in unserer Redaktion von ihren Reiseplänen, den Motiven und Hintergründen für die Tour, die ihnen neue Horizonte eröffnen soll.
1 von 3
Die große Welt auf dem kleinen Globus: Sönke Meyer und Juliane Hinz berichteten in unserer Redaktion von ihren Reiseplänen, den Motiven und Hintergründen für die Tour, die ihnen neue Horizonte eröffnen soll.

Eutin 08: Innenverteidiger Sönke Meyer legt nach anhaltenden Rückenproblemen eine Fußballpause ein

shz.de von
25. Mai 2018, 05:31 Uhr

Zuerst sah es nach einem kurzzeitigen Problem aus: Der Rücken war blockiert, die Schmerzen waren groß. „Doch ich habe immer gedacht, dass es schnell besser wird“, sagt Sönke Meyer, Abwehrchef und früherer Kapitän der Fußballer von Eutin 08. Die Hoffnung wurde enttäuscht, aus der kurzen Pause wurde eine Halbserie, in der der 27-Jährige zusehen musste, wie seine Mannschaft in der Regionalliga Nord einen Fehlstart hinlegte. Der Körper wollte nicht mitspielen. In dieser Zeit reifte der Entschluss: „Ich brauche eine Auszeit!“ Sönke Meyer ging zu seinem Trainer Lars Callsen: „Ich höre mit dem Ende dieser Saison auf, ich will nicht den Verein wechseln, mein Spielerpass bleibt bei Eutin 08, aber ich suche einen Neubeginn.“ Vorerst für sechs Wochen geht es nach Bali, zusammen mit Freundin Juliane „Jule“ Hinz.

„Das Leben dort ist nicht so teuer, Land und Menschen sind ganz anders als hier“, sagt Jule Hinz. Sie studiert an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel Deutsch und Biologie auf Lehramt, will nach der vorlesungsfreien Zeit wieder in die Hörsäle und Seminarräume. Die große Reise soll Anfang August beginnen und vorerst sechs Wochen dauern. Sie hat nach dem Abitur die Koffer gepackt und ist mit zwei Freundinnen nach Australien geflogen: „Dort haben wir uns einen Van gekauft und sind zu dritt die Ostküste hochgefahren.“ Sönke Meyer blieb damals in Eutin, er musste noch sein letztes Ausbildungsjahr als Erzieher absolvieren.

Die Reise nach Indonesien soll das sportliche Paar – Jule Hinz spielt bei der HSG Holsteinische Schweiz Handball – abseits der Touristenpfade neue Horizonte eröffnen. „Wir wollen den Kontakt zu den Einheimischen suchen“, hat sich die Studentin vorgenommen, die sich auf die Menschen, Sonne und Wärme in Asien freut.

Der Sport rückt für Sönke Meyer dann in den Hintergrund. „Ich werde mich sicher viel bewegen, aber keinen Leistungssport betreiben“, hat er sich vorgenommen. Seine Rückenverletzung schien sich im Herbst zu bessern, er nahm das Training auf und stand im Pokal der „Meister der Meister“ beim 5:0-Sieg beim TSV Plön 90 Minuten auf dem Platz: „Da hat alles auf Anhieb wieder funktioniert, ich war total euphorisch!“ Drei Tage später feierte er in der Verbandsligamannschaft von Eutin 08 sein Comeback – und kassierte einen Rückschlag: „Ich war für drei Monate platt, da ging beinahe nichts mehr! Insgesamt war ich gute sieben Monate verletzt.“ Während seine Mitspieler im Abstiegskampf steckten, schmiss Sönke Meyer sein Laptop an und verfolgte die meisten Auswärtsspiele im Internet: „Mitfahren ging nicht, ich hätte die langen Busfahrten mit meinem Rücken nicht ausgehalten. Wir hatten so lange auf den Aufstieg hingearbeitet, der Zeitpunkt der Verletzung war bitter. Und die Ungewissheit war schlimm, denn ich wusste ja nicht, wie lange es dauert, bis ich wieder spielen kann“, erinnert er sich an schwierige Wochen und Monate: „In dieser schweren Zeit haben mir die Trainer Lars Callsen und Tim Brunner aus meiner Hilflosigkeit geholfen. Ich habe im Trainerteam einen Aufgabenbereich bekommen, mit dem ich mich in die Mannschaft einbringen konnte.“

Mit dem Treffer zum 1:0 im letzten Saisonspiel bei Altona 93 per Handelfmeter hat er vorerst das Kapitel „Fußball“ beendet. Und nicht nur das: Er hat seine Arbeitsstelle gekündigt, will sich ganz auf Neues einlassen. „Sönke wollte raus aus Europa, neue Kulturen entdecken“, sagt Jule Hinz. Sönke Meyer weiß: „Das ist schon eine Herausforderung, denn wir wollen vor Ort entscheiden, wohin wir möchten.“

Er hat feste Vorstellungen, wie es nach der Reise im Beruf weitergehen soll, es gebe viele verschiedene Wege, als Erzieher zu arbeiten. „Haltung ist wichtig, Wesensbildung und Wertevermittlung, eine Moral und Weltoffenheit, das ist für mich, worum es im Umgang mit Kindern geht.“ Jule Hinz bestätigt: „Ich finde es schön, wie er mit Kindern umgeht.“ Sie hat ihm auch schon bei der pädagogischen Arbeit zugesehen, als sie ihn bei einem Praktikum begleitet und erlebt hat.

Während sie in der Schulzeit Feuer und Flamme war, ist ihm der Unterricht oft schwer gefallen. Jule Hinz hatte in Eutin eine „richtig gute Bio-Lehrerin“: „Da hat der Unterricht allen Spaß gemacht. Ich will, dass Kinder merken, dass Schule nichts Schlimmes ist.“ Sönke Meyer ergänzt: „Schule muss individueller sein, viel besser auf die Lernbedürfnisse der Kinder eingehen.“

Dass seine persönlichen Bedürfnisse – zumindest eine Zeit lang – nicht zum ambitionierten Fußball passen, hat er dem Trainerteam vor dem Regionalligaspiel Mitte Februar beim VfL Wolfsburg II mitgeteilt. „Der Trainer hat meinen Wunsch verstanden, das rechne ich ihm hoch an!“

Den sportlichen Ausstand wird er am Sonnabend, den 2. Juni geben, dann steht er mit Eutin 08 im so genannten „Flens-Cup“, dem Pokalwettbewerb der „Meister der Meister“ im Uwe-Seeler-Fußballpark in Malente in der Runde der letzten Vier.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen