Malente : Auszeichnung für den Bürgerbus

Sechs Menschen des Jahres mit Kreipräsident und Redaktionsleiter: (v. li.) Holger Jürgensen, Michael Winkel, Karla Weiß, Ingo Wagner, Gudrun Kruse, Kreispräsient Harakld Werner, Jan Caro und Achim Krauskopf.
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Sechs Menschen des Jahres mit Kreipräsident und Redaktionsleiter: (v. li.) Holger Jürgensen, Michael Winkel, Karla Weiß, Ingo Wagner, Gudrun Kruse, Kreispräsient Harakld Werner, Jan Caro und Achim Krauskopf.

Der „Ostholsteiner Anzeiger“ ehrt die Aktiven des Malenter Projekts bei einer Feierstunde als „Menschen des Jahres 2018“.

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29. November 2018, 22:19 Uhr

Die Auszeichnung hat mittlerweile Tradition, und doch handelt es sich diesmal um eine Premiere. Erstmals hat der „Ostholsteiner Anzeiger“ nicht einen Einzelnen als „Menschen des Jahres“ gewürdigt, sondern gleich gut zwei Dutzend Preisträger für ihren außergewöhnlichen Einsatz geehrt: die Aktiven des Vereins Bürgerbus Malente. „Sie leisten ein ehrenamtliches Engagement, das einen bedeutsamen Beitrag zur Lebensqualität im ländlichen Raum leistet“, begründete Redaktionsleiter Achim Krauskopf die Wahl der OHA-Redaktion.

Die Fahrer lenken ihren liebevoll „Lütter Lenter“ genannten Kleinbus seit mittlerweile fast zwei Jahren unermüdlich durch die Gemeinde und sorgen damit für eine bessere Anbindung der Dörfer an den Zentralort. Das Projekt sei ein hervorragendes Beispiel für ein gutes menschliches Miteinander, aber auch ein Beitrag zum Klimaschutz, sagte Krauskopf. „Es ist keine Eintagsfliege, sondern läuft seit dem 9. Januar 2017 ohne Unterbrechung und mit steigenden Fahrgastzahlen.“ Vorstandsmitglieder wie Fahrer verzichteten auf eine Aufwandsentschädigung und leisteten damit etwas, was der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen einmal als „Kitt, der diese Gesellschaft zusammenhält“ bezeichnet habe.

Stellvertretend für alle Aktiven überreichte Krauskopf bei einer Feierstunde im Malenter Restaurant „Marktplatz“, an der Busfahrer, Angehörige und in Vorjahren ausgezeichnete „Menschen des Jahres“ teilnahmen, eine Urkunde an Ingo Wagner und Vorstandssprecher Michael Winkel. Wagner habe die Idee aus seiner damaligen Heimat mitgebracht und sei „Vater des Bürgerbusses“. Winkel habe die Rolle des Motors übernommen. Um den Bürgerbus ins Rollen zu bringen, habe er sich gar der Mühe einer „Prüfung für Taxi- und Mietwagenunternehmer“ bei der Industrie- und Handelskammer unterzogen. Kreispräsident Harald Werner gratulierte im Namen des Kreises Ostholstein und zollte den Ausgezeichneten Dank und Anerkennung. „Alle, die heute als Menschen des Jahres ausgezeichnet werden, haben mit ihrem Engagement einen großartigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in ihrem unmittelbaren Umfeld geleistet“, sagte Werner. Die Idee hinter dem Bus sei so simpel wie einfallsreich. Die Mobilität im ländlichen Raum solle verbessert werden, unabhängig vom Angebot des ÖPNV, aber durchaus als Ergänzung dazu. Mit Unterstützung der Aktiv-Region, der Gemeinde Malente und des Kreises sei das Projekt zum Laufen gebracht worden. „Fast zwei Jahre später wissen wir, dass es ein Erfolgsmodell mit steigenden Fahrgastzahlen ist.“

Getragen werde der Bürgerbus von den Vereinsmitgliedern und vor allem von den 24 ehrenamtlichen Fahrern. „Ohne Sie würde es den ,Lütten Lenter‘ nicht geben“, rief der Kreispräsident den Aktiven zu. Dabei seien diese sich ihrer hohen Verantwortung im Straßenverkehr bewusst. „Denn obwohl es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, erwerben alle Fahrerinnen und Fahrer die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung.“

Malentes stellvertretender Bürgervorsteher Andreas Hillesheim würdigte ebenfalls das Engagement der Fahrer, die er namentlich aufzählte. Der Bürgerbus habe eine Lücke im ÖPNV geschlossen, sagte Hillesheim und lenkte den Blick in die Zukunft. Nach knapp zwei Jahren stünden bereits 80.000 Kilometer auf dem Tacho. Der Bus sei sicher für 500.000 Kilometer gut. Doch: „Sollte er eines Tages seinen Geist aufgeben, bin ich sehr zuversichtlich, dass alle mitwirken werden, ein Ersatzfahrzeug zu finden.“

Das Engagement der Aktiven sei nicht zu überbieten, lobte Bürgermeisterin Tanja Rönck. „Der Bürgerbus ist nicht mehr wegzudenken“, stellte sie fest. Das Angebot werde von Alt und Jung genutzt. „Jüngere Leute fahren damit zum Sport.“ Touristen nutzten die Fahrten ebenfalls. Der Bürgerbus sei nicht nur für Malente vorbildlich, sondern für ganz Schleswig-Holstein. „Dieses Engagement macht mich stolz“, sagte die Bürgermeisterin.

Für einen würdigen Rahmen der Veranstaltung sorgten die Malenter Sängerin Lene Krämer mit Stephan Scheja am Piano und Dr. Wolfgang Griep. Das Duo sorgte etwa mit dem Titel „Bus Stop“ von den „Hollies“ für die passende Begleitmusik. Griep, ausgewiesener Kenner des Reisens, stellte den Bürgerbus in einen weit gespannten historischen Zusammenhang. Dabei erfuhren die Zuhörer Erstaunliches, etwa dass der ungarische Ort Kocs Namensgeber der „Kutsche“ ist, das aus dem Lateinischen stammende Wort Omnibus übersetzt „für alle“ bedeutet oder Reisende in den Herzogtümern Schleswig und Holstein einst immense Torturen in unkomfortablen Gefährten auf sich nahmen, um an ihr Ziel zu kommen. Da haben die Fahrgäste des „Lütten Lenters“ es heute deutlich komfortabler – und dabei ist die Mitfahrt auch noch kostenlos.
 

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