Austritt: Volker Rätzke rechnet mit Linkspartei ab

Enttäuscht: Volker Rätzke
Enttäuscht: Volker Rätzke

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24. August 2009, 10:10 Uhr

Eutin/ | Im Zorn hat Volker Rätzke die Linkspartei verlassen: Er habe seine Ämter als Sprecher für "Die Linke Eutin", als Kreisvorstandsmitglied und als Wahlkampfleiter niedergelegt und sei aus der Partei ausgetreten, erklärte Rätzke, der seit Juli 2007 Mitglied der Linken war.

Er habe viele Linke kennengelernt, "die einfach ein Hemmnis und aus egomanischen Gründen linkisch sind", begründete Rätzke seinen Schritt. Diesen Parteimitgliedern gehe es "nicht einfach darum, Politik in Ostholstein mitzugestalten, sondern um Abgeordnetenmandate". Ihre Triebfeder sei "politische Einfältigkeit, der Mangel an Kommunikation, der Wille zu stören, statt aufzubauen, eigene Interessen zu verfolgen und keine Verantwortung zu übernehmen, wenn es gefordert ist", zürnt Rätzke.

Die scharfe Abrechnung zielt auf die Linken-Kreistagsfraktion: Deren Mitglieder seien "ein unmotivierter Haufen von politischen Ahnungslosen und unsolidarischen machtgierigen Egomanen". Außer in den Ausschüssen zu sitzen und Steuergelder zu verbraten, hätten sie nichts erkennbar geleistet. Ihre Arbeit hätten sie nicht transparent in die Öffentlichkeit und Partei getragen. "Seit anderthalb Jahren weiß kein Bürger in Ostholstein und kein Mitglied in dieser Partei, was die Kreistagsfraktion eigentlich für Anträge gestellt hat", wetterte Rätzke, der das Auftreten der ostholsteinischen Kreistagsfraktion als "Betrug an ihren Wählern" wertet.

Hintergrund der scharfen Angriffe ist offenbar ein Zerwürfnis zwischen Kreisvorstand und Kreistagsfraktion, der die politische Arbeit der Partei in Eutin und Ostholstein aus Rätzkes Sicht lahmlegte. Anstatt geäußerte Kritik aufzunehmen, habe die Kreistagsfraktion um Dr. Francisco Lameiras ihn und weitere beratende Mitglieder "ohne persönliche Anhörung" abgesetzt, erklärte Rätzke, der trotz dieser Vorfälle bei der Linken "viele Freunde kennen und schätzen gelernt" haben will.

Dennoch klingt Rätzkes Fazit ausgesprochen bitter: Genossen seien "in ihrem Ansehen in der Partei - bis in den Beruf und in die Privatsphäre - diskreditiert bzw. kaputt gemacht" worden. Eine solidarische Demokratie werde in dieser Partei nicht mehr gelebt. Das könne er als Sozialist nicht vertreten, sagte Rätzke.

Der Eutiner sieht mit seinem Austritt "den gesamten Sprecherrat der Eutiner Linken und eine große Anzahl von Mitgliedern aus dem Kreisverband Ostholstein" auf seiner Seite. Gemeinsam mit dem Ex-Kreisvorsitzenden der Linken Ostholstein, Thorsten Lünzmann, wolle er nun "eine neue linke Plattform finden, mit der wir politische Inhalte diskutieren und umsetzen können". Wer mitmachen wolle, könne am Freitag, 28. August, um 19 Uhr zum "Linken Ratschlag" ins Bürgerinnenbüro Lutz Heilmann (Lübecker Straße 34) kommen.

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