Euitn : Ausstellung über Dreißigjährigen Krieg

Hören, was sie mit anderen eingesprochen haben: Wolfgang Schiller (li.) und Klaus Schöfer (re.) mit Ausstellungsmacher Prof. Axel Walter.
1 von 2
Hören, was sie mit anderen eingesprochen haben: Wolfgang Schiller (li.) und Klaus Schöfer (re.) mit Ausstellungsmacher Prof. Axel Walter.

Eutiner Landesbibliothek weist mit Friedenskreis und Schülern auf den Beginn der Kämpfe vor 400 Jahren hin.

shz.de von
11. Juli 2018, 10:24 Uhr

Rund sechs Millionen Menschen verloren durch den Dreißigjährigen Krieg ihr Leben. Das seien an die 30 Prozent der Bevölkerung gewesen, sagt Prof. Dr. Axel Walter, Leiter der Forschungsstelle für Historische Reisekultur an der Landesbibliothek Eutin. Der Historiker zeigt ab heute eine Ausstellung zum Dreißigjährigen Krieg, der vor 400 Jahren begann und 30 Jahre lang in einem Großteil des heutigen Europas den Menschen Flucht, Vertreibung und anderes Elend brachte. Das Thema Flucht und Vertreibung greife die Ausstellung angesichts der aktuellen Diskussionen bewusst auf. Walter gestaltete die Schau mit Voß-Schülern, und dem Friedenskreis Eutin.

In sieben Kapiteln erfahren Besucher etwas über Umstände wie die Glaubenskonflikte, die zum Krieg führten, über Ereignisse aus den drei Jahrzehnten der Kämpfe und Seeschlachten – wie die beiden 1644 vor Fehmarn – und über die Nachkriegszeit, in der noch bis 1650 über die Zahlungsmodalitäten verhandelt worden war. Gegenüber der Presse berichtete Walter gestern von dem Eutiner Dichter Christian Cassius, der im 17. Jahrhundert eine herausragende Gestalt des politischen und kulturellen Lebens gewesen sei. Auch er habe über den Krieg mit seinen Gräueltaten geschrieben. Walter zufolge haben die Kämpfe zwischen 1618 und 1648 das Land vernichtet und entvölkert. Die dramatische Zeit sei aber auch die Geburtsstunde der modernen Literatur gewesen.

Im Mai hatten 21 Schüler des Voß-Gymnasiums Autobiografien aus der Zeit erarbeitet. Zeitzeugen wie den Schumacher Hans Heberle, den Söldner Peter Hagendorf und einen katholischen Abt stellen sie stichpunktartig vor. Anhand ihrer Präsentationen erfährt der Besucher über den Schumacher etwa, dass der innerhalb von 30 Jahren wegen der Wirren 34 Mal geflohen war.

An zwei Stationen sind Auszüge der Texte, die alle aus dem Bestand der Landesbibliothek sind, zu hören. Dafür hatte Wolfgang Schiller vom Friedenskreis sechs Freiwillige für Tonaufnahmen finden können. Angelika Neumann, Ursula Richert, Dr. Frank Baudach, Lutz Tamchina, Klaus Schöfer und Wolfgang Schiller lasen die Texte ein. Die Auswahl der Literatur für das Schulprojekt hatte Walter getroffen. Mit den Hörbeispielen bekomme man einen guten Eindruck von Fluchtwegen, sagte der Professor. Auch die Schüler habe es im Mai sehr beeindruckt, dass bereits vor 400 Jahre Menschen nachts am Wasser auf ein Boot warteten, das sie in sicherere Gebiete bringen sollte.

Einen Eindruck der Ausstellung konnten sich die Gäste der gestrigen Eröffnung machen. Für sie war im abendlichen Programm die Interpretation eines Soldatenliedes aus der Zeit vorgesehen. Das Lied, das einem Güstrower Geistlichen zugeordnet wird, hatte Dr. Frank Baudach, Leiter der Landesbibliothek Eutin, musikalisch gesetzt. Für die Interpretation des Liedes haben der Lübecker Musiker Ulf Dressler mit seiner Laute und die Mezzosopranistin Lidwina Wurth gewonnen werden können, sagte Walter.

Für den Titel der Ausstellung hat der Historiker bei dem Dichter Johann Rist (1607–1667) aus Wedel Anleihe genommen: „Der Krieg hat alles arm/ wüst‘/ öd‘/ und schwach gemacht“. Diese damalige Erkenntnis möchte Walter mit seiner Ausstellung in Beziehung zu Flucht und Vertreibung heute zu setzen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen