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Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 18:38 Uhr

Bäckerhandwerk : Ausblicke nach der Ausbildung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rüdiger Nehberg schilderte bei der Freisprechung in Lensahn seinen Weg vom gelernten Bäcker zum Abenteurer und Menschenrechtsaktivisten.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 12:26 Uhr

Ziele, bereits erreichte und noch anstehende, waren ein großes Thema bei der Freisprechung von 14 Bäckern und 23 Bäckereifachverkäufern des Schulbezirks Ostholstein/Plön am Sonnabend in Lensahn. So verglich Ute Stieglitz, Fachlehrerin am Berufsschulstandort Kiel, die verschiedenen Lebensabschnitte mit einer Zugfahrt, an deren Ende immer ein bestimmtes Ziel stehe. Auf dem Weg dorthin werde eine Fahrkarte benötigt – beispielsweise der Ausbildungsplatz.

Auch Bäckereifachverkäufer Sören Graf, der im Namen der Lehrlinge sprach, hatte die positiven Ausblicke auf die Zukunft im Blick und zitierte das Lied „Auf uns“ von Andreas Bourani: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt. Dass es das Beste für uns gibt.“

Dass auch ein einfacher Bäcker mit ungewöhnlichen Zielen im Leben die Welt verändern kann, bewies der Festredner Rüdiger Nehberg. „Mir war es immer wichtig, auch nach der Ausbildung nicht rumzubummeln, sondern mich weiterzubilden“, schilderte der Abenteurer, der zum Thema „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ sprach. So sei er nach seiner Bäckerausbildung in Münster erst einmal auf Wanderschaft gegangen. Dabei habe er herausgefunden, wie er einen eigenen Betrieb führen und was er auf keinen Fall machen wolle. Nehberg bildete sich zum Konditor weiter und gründete eine Konditorei in Hamburg (Werbeslogan: „Konditorei Nehberg – es gibt schlechtere“). Dort habe er sich beispielsweise auf die Herstellung von Marzipan-Karikaturen spezialisiert. Auf seine Mitarbeiter habe er sich dabei immer so gut verlassen können, dass er teilweise bis zu vier Monate im Jahr seiner anderen Leidenschaft habe frönen können: dem Reisen.

Anfangs noch aus Abenteuerlust und Neugier auf die Welt habe das Reisen mit dem Einsatz für die bedrohten Yanomami-Indianer Brasiliens einen Sinn bekommen. Über 20 Jahre lang setzte Nehberg sich für den gefährdeten Stamm ein, unter anderem querte er auf einem Baumstamm-Floß den Atlantik. „Am Mast hatte ich eine Plastiktanne befestigt, damit mich immer etwas an die Holsteinische Schweiz erinnerte und ich kein Heimweh bekam“, berichtete der in Stormarn lebende Nehberg. Für eine weitere Expedition, die Überfahrt des Atlantiks in einem Tretboot, bereitete sich der heute 79-Jährige bei den Kampfschwimmern in Eckernförde vor. Dabei sei er beinahe abgesoffen, denn die richtige Technik habe ihm der Ausbilder erst später gezeigt. „Das hätte ich mal mit meinen Azubis machen sollen“, malte Nehberg sich aus, wie er seine Auszubildenden erst einmal heiße Backbleche hätte anfassen lassen.

Nachdem die Yanomami-Indianer endlich ein sicheres Reservat bekommen hatten, wandte sich Nehberg einer neuen Aufgabe zu: dem Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Zu diesem Zweck gründete er im Jahr 2000 die Menschenrechtsorganisation „Target“, übersetzt „Ziel“. Viel habe er mit der Verurteilung der Genitalverstümmelung durch hohe islamische Geistliche bereits erreicht. Aber ein Ziel habe er noch im Leben: Die in einer Fatwa festgehaltene Verurteilung des brutalen Eingriffs solle auf einem riesigen Transparent an der Kaaba in Mekka angebracht werden. „Wenn ich dieses Ziel erreicht habe, dann kaufe ich meinen alten Betrieb zurück und arbeite wieder als Bäcker“, versprach Nehberg. So unwahrscheinlich, wie das im ersten Moment klingt, ist das vielleicht gar nicht, denn als eine Erkenntnis seines Lebens gab Nehberg den Freigesprochenen mit auf den Weg: „Niemand sollte sich für zu gering halten, um etwas zu verändern.“

Und so wünschte auch Helmut Börke, stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung Nord, den früheren Lehrlingen Ziele im Leben. Und sollten diese im Bereich Bäckerei liegen, so würde ihn das besonders freuen.


Freigesprochen:



Bäckereifachverkäufer

Prüfungsort Neustadt: Nadin Bettermann (Insel-Bäckerei Börke), Phuc Bao Dinh (Bäckerei Seßelberg), Kaya Doose (Bäckerei Scheel), Sören Graf, Linda Horstmann (beide Stadtbäckerei Klausberger), Johanna Hamer (Bäckerei Seßelberg), Desiree Lückerath (Insel-Bäckerei Börke), Lisa Manthey (Mien Bäcker Hansen), Sandy Neller (Bäckerei Strauch), Thalia Niemann, Sarah Parpart, Isabell Reichel (alle drei Bäckerei Scheel), Jessica Reichert (Landbäckerei Puck), Christin Rönfeld (Mien Bäcker Hansen), Alena Scholz (Bäckerei Scheel), Tabea Schmidt (Stadtbäckerei Klausberger), Annika Willert (Bäckerei Scheel), Sarah Willimatis (Landbäckerei Puck)

Prüfungsort Kiel: Jana Adam (Bäckerei Wagner), Sandra Buddatsch, Anna-Lena Dobertin (beide Bäckerei Kloss-Börnsen), Kevin Pudelko (Stadtbäckerei Klausberger), Frederike Schmidt (Bäckerei Kloss-Börnsen)


Bäcker

Prüfungsort Neustadt: Melf Kujath (Bäckerei Seßelberg), Nico Speth (Landbäckerei Puck), Norman Holtz (Bäckerei Möller), Torben Hein (Bäckerei Taysen), Rene Frambach (Bäckerei Scheel), Christopher Schumacher (Bäckerei Thaysen)

Prüfungsort Kiel: Marc Nickels (Thaysens Backstube), Dominik Niemann (Bäckerei Glüsing), Andreas Lob (Bäckerei Schmöckel), Jan Dorner (Probsteier Bäcker Hagelstein), Jan Hendrik Blank (Bäckerei Bosmann), Justus Beckers (Bäckerei Beyer), Marcel Schulz (Bäckerei Schlüter), Sebastian Senf (Bäckerei Beyer)

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