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Eutin : Ausbildungsmesse in der KBS: „Meister statt Master“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

viele der 37 Aussteller auf der Ausbildungsmesse in der Kreisberufsschule (KBS) hatten sich einiges einfallen lassen

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 04:30 Uhr

Luftballons, die um die Wette zum Platzen gebracht werden; Äpfel, die an einer Spindel gedreht, sich wie von selbst schälen; Knackwurst als Häppchen – viele der 37 Aussteller auf der Ausbildungsmesse in der Kreisberufsschule (KBS) hatten sich einiges einfallen lassen, damit die Jugendlichen der Abschlussklassen möglichst lange am Stand verweilen und sich informieren. Klassiker wie die Bundespolizei brauchten keine fachfremden Highlights: Hier bildete sich eine Menschentraube von gut 20 Mann und lauschte gespannt den nötigen Voraussetzungen und Geschichten, die ein Bundespolizisten während seiner Beamtenlaufbahn so erleben kann.

Das Ziel der sechsten Ausbildungsmesse in der Kreisberufsschule in Eutin: „Wir wollen die vielen Möglichkeiten von Berufen aufzeigen, die die jungen Menschen hier in der Region lernen können“, sagt Stefan Vieck von der Agentur für Arbeit. An 37 Ständen wurden gestern mehr als 70 Berufe vorgestellt: vom Baustoffprüfer bis zur Bestattungsfachkraft, dem Fleischereifachverkäufer bis hin zu den Klassikern wie Maler/Lackierer, Friseur und Maurer. Vieck bedauert, dass längst nicht
alle Jugendlichen das Beratungsangebot der Agenturen annehmen – oder zu spät. Vieck: „Jetzt gab es Halbjahreszeugnisse und wer in diesem Jahr fertig wird, muss sich jetzt wirklich sputen, wenn er im Herbst eine Ausbildung beginnen will.“ Besser sei es, sich zwei Jahre vor dem Schulabschluss mit der Berufswahl zu beschäftigen. Die Lage im Kreis Ostholstein sei derzeit aufgrund des demografischen Wandels sehr komfortabel: „Auf jeden Bewerber kommen 1,6 Stellen“, sagt Olga Nommensen von der Agentur für Arbeit. Im nächsten Jahr sei die Prognose der Ausbildungsstellen wieder ähnlich gut (über 2300 im Kreis), es bleibe jedoch abzuwarten, wie sich die Lage mit den doppelten Abiturjahrgängen entwickelt. Seien es sonst in Lübekc und Ostholstein rund 4000 Schulabgänger pro Jahr, werden dann mehr als 6000 Abgänger erwartet.

Auch die Kreisberufsschule bemerke den Wandel. Manfred Block ist hier Dozent und Lehrer für das Handwerk: „Für die Beruflichen Gymnasien haben wir sehr hohe Anmeldungszahlen, für die Berufsschule wird es weniger.“ Er ist sich sicher, dass diese Tendenz zugunsten des schulischen Ausbildungsweges weiter geht. Block: „Es muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden. Meister statt Master sage ich immer.“ Ein Handwerksberuf biete weit mehr Entwicklungsmöglichkeiten – auch für ein späteres Studium mit Meisterbrief – als nur der Ruf der schlechten Vergütung. Block: „Ein ausgelernter Handwerker hat schon so seine 2000 Euro netto. Da hat manch’ Akademiker Schwierigkeiten ranzukommen.“ Die Schulen versuchten viel Aufklärungsarbeit zu leisten – auch gerade bei den Eltern – erzählt Ina Roggentin von der KBS, aber es sei nicht immer einfach rüberzubringen, welche verschiedenen Möglichkeiten eine duale Ausbildung bietet – „und ein spezialisierendes Studium ist damit keinesfalls ausgeschlossen, aber nicht jeder ist dafür geeignet“.

Im November plant die Agentur für Arbeit eine Woche der offenen Tür in einzelnen Ausbildungsbetrieben, damit sich interessierte Jugendliche ein Bild vor Ort machen können – mit ihren Eltern. Wer bis dahin überprüfen will, welcher Beruf zu ihm passt, kann sich diverse Apps auf den Seiten der
Berufsinformationszentren (BiZ) ausprobieren.

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