Aus Sorge vor dem Schandfleck

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367 Unterschriften zum vorläufigen Erhalt des „Haus des Gastes“ übergeben / Bauausschuss muss sich erneut mit Abriss befassen

shz.de von
24. Juni 2014, 11:25 Uhr

Eigentlich sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Der Steinfußboden hochwertig, die Räume gut geschnitten. Eckhard Ahrens und Erika Ulich verstehen nicht, dass der Bau- und der Kulturausschuss im Mai beschlossen hatten, das „Haus des Gastes“ im kommenden Herbst abzureißen. Im Vorwege der Landesgartenschau (LGS) soll das marode Gebäude aus den 1970er Jahren verschwinden. An seiner Stelle soll für die LGS-Besucher ein Zelt aufgestellt werden.

Ahrens und Ulich stimmen dem Abriss zu – nicht aber dem Zeitpunkt. Sie fordern einen Erhalt wenigstens bis Ende 2016. Denn ein Zelt sei keine Alternative, so Ulich. Das Haus soll während der LGS den vielen Gästen „ein festes Haus bei Sturm, trockene Füße bei Regengüssen und ein angenehmes Raumklima bei starker Hitze“ bieten, sagen die beiden Eutiner. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sammelte Ulich Unterschriften. 367 Unterstützer – zur Hälfte aus Eutin – fand die Seniorin. Gestern übergab sie zusammen mit Ahrens die Unterschriftensammlung an Bürgervorsteher Dieter Holst (Foto unten).

„Wir wollen eine attraktive LGS“, sagt Holst und betont, dass man sich den Abriss des Hauses genau überlegt hätte. Selbst ein Teilabriss war in Erwägung gezogen worden. Aber so oder so müsste zu viel Geld in das marode Haus gesteckt werden, um es vorzeigbar zu machen, so Holst. „Soll man noch Geld in einen hoffnungslosen Fall stecken? Das ist Geldverbrennen“, sagt Holst.

Bei der Übergabe der Unterschriften forderte Eckhard Ahrens die Stadt auf, dass gesagt wird, wie der Bauausschuss kalkuliert habe. Holst musste einräumen, dass weder die Kosten für den Erhalt noch für den Abriss des Gebäudes feststehen. Auch die Kosten der Zelt-Lösung sind noch nicht zusammengetragen worden. „Und ein Zelt bietet gar keinen richtigen Schutz gegen Wetter“, warf Ulich ein. Aus Sorge vor einem Schandfleck – einer Brachfläche nach dem Abriss des Hauses – möchte Ahrens das Haus „mit Bordmitteln aufhübschen“; Ulich denkt derweil an Blumenarrangements in den Räumen. „Das macht das Ganze wohnlich“, sagt die 86-Jährige.

Holst leitet die Unterschriftensammlung jetzt dem Bauausschuss weiter. Dessen Mitglieder sollen jetzt erneut über das Haus beraten.

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