Aus Schulprojekt wird Jugendforum

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Jugendliche sollen sich wieder für Politik interessieren /Projekt brachte Idee für langfristige Beteiligung / CDU stellte Antrag für Konzept

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01. Juli 2015, 13:33 Uhr

Politiker, das sind doch die, die nur viel reden. Um das Schulhofgerücht zu widerlegen und interessierte Jugendliche Kommunalpolitik erleben zu lassen, wurde ein Pilotprojekt zwischen Voß-Gymnasium und Stadtvertretern ins Leben gerufen (wir berichteten). Ideengeber war Ende vergangenen Jahres Bürgervorsteher Dieter Holst: „Ich hatte den Vorteil, durch die Fachkonferenz und mein Amt einen direkten Draht zwischen Schule und Politikern zu haben.“

Sieben Schüler hatten jeweils einen Paten aus den Fraktionen und konnten an deren Seite alle öffentlichen Ausschüsse und politische Veranstaltungen besuchen. Das Fazit: „Es war eine echte Bereicherung und hat wirklich Spaß gemacht“, sagt Tim Seidensticker (18). Einblicke in verschiedenste Entscheidungsfindungen und Prozesse fand der politisch interessierte Gymnasiast spannend. „Man wundert sich ja immer, warum einige Projekte so lange dauern. Aber wenn man erstmal sieht, welche einzelnen Stufen und Gremien durchlaufen werden müssen, wird vieles klarer“, so Seidensticker. Auch Salim Dinzad ist nach dem Projekt positiv überrascht: „Ich habe häufiger Bundestagsdebatten verfolgt und mir nicht vorstellen können, dass es auf kommunaler Ebene auch so spannende Themen gibt.“

Dieter Holst bilanziert: „Es ist ein gelungenes Projekt und wir machen auf jeden Fall weiter.“ Nicht nur auf Schülerseiten sei das Interesse groß, auch die 27 Stadtvertreter und bürgerlichen Mitglieder haben sich dem Projekt gegenüber offen gezeigt. Im nächsten Schuljahr soll die Weberschule mit ins Boot geholt werden. „Wir wollen es vorerst auf beide Gymnasien ausdehnen und die Wisser- und Kreisberufsschule dabei aber nicht aus den Augen verlieren“, sagte Holst.

Malte Kuhr (CDU) ging in der gestrigen Stadtvertretersitzung noch einen Schritt weiter: Er forderte ein ständiges Jugendparlament oder Jugendforum, in dem sich politisch interessierte Jugendliche engagieren und jederzeit direkten Draht zur Stadtvertretung haben, um in den entscheidenden Themen auch gehört werden zu können. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

Holst sagte: „Es wäre gut, wenn es uns gelingt, Jugendliche für Themen heranzuziehen, die sie auch betreffen und die für sie entschieden werden.“ Ein sogenanntes Jugendforum könnte den jüngeren Bewohnern der Stadt eine Stimme verleihen, ähnlich wie der Seniorenbeirat sich in den Ausschüssen stellvertretend für die Älteren zu Wort meldet.

Tim Seidensticker hat noch seine Anfangszweifel: „Ich bin politisch interessiert und verstehe auch nicht, wie man es nicht sein kann. Aber ich glaube, ein erster Schritt ist, die Bedeutung von Politik fürs eigene Leben bei den jungen zu reaktivieren und das kann gut in Zusammenarbeit mit der Schule passieren.“ Er habe das Glück, eine engagierte Lehrerin zu haben, „aber das haben ja nicht alle“.

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