Hilfen für Hebammen : Aus für Geburtshilfe in Oldenburg

Nach dem offensichtlichen Aus  für die Geburtshilfe auf Sylt sollen werdende Mütter von der Insel problemlos die Klinik in Niebüll wählen können.
Die Geburtshilfe im Kreis Ostholstein soll ab August am Standort Eutin konzentriert werden.

Es gibt mehr als 20 Geburtshilfe-Stationen in Schleswig-Holstein. Für viele scheint die Zukunft ungewiss. Nach Sylt verliert jetzt auch Oldenburg seine Station. Sozialministerin Alheit zeigt Verständnis für die Konzentration aus wirtschaftlichen und medizinischen Gründen.

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06. März 2014, 19:04 Uhr

Oldenburg | Nach der Geburtshilfe auf Sylt wird jetzt auch die Station in Oldenburg (Kreis Ostholstein) wegen zu geringer Geburtenzahlen geschlossen. Die Geburtshilfe im Kreis Ostholstein werde ab August am Standort Eutin konzentriert, teilte der Geschäftsführer der Sana Kliniken Ostholstein, Stephan Puke, am Donnerstag in Kiel im Sozialausschuss des Landtags mit.

Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) zeigte Verständnis angesichts der demografischen Entwicklung. Die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann hielt der Ministerin vor, am Parlament vorbei entschieden zu haben. Vielleicht wäre eine Lösung gefunden worden.

Alheit betonte, „eine dauerhaft qualitativ hochwertige und sichere Versorgung muss Priorität haben, auch wenn Eltern dafür weitere Wege auf sich nehmen müssen“. Dagegen meinte Rathje-Hoffmann: „Die Zahl der Geburten darf nicht zum alleinigen Kriterium für den Erhalt einer Geburtshilfe werden. Jede Frau muss in einer vertretbaren Entfernung ihr Kind zur Welt bringen können.“ 

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Schleswig-Holstein hatte sich Mitte Januar für eine Zentralisierung der Geburtshilfe ausgesprochen. In Einrichtungen mit weniger als 500 Geburten ist laut vdek die Säuglingssterblichkeit im Vergleich zu Häusern mit mehr als 1500 Geburten 3,5 Mal so hoch.

Bei den kleinsten unter den 23 Geburtskliniken im Land - Wyk auf Föhr (50 Geburten pro Jahr), Oldenburg (zuletzt 180), Niebüll (knapp 200), Preetz (300) und Ratzeburg (350) - ist das nicht der Fall. Erst Ende 2013 wurde die Geburtshilfestation an der Sylter Nordseeklinik geschlossen. Dort gab es zuletzt 90 Geburten im Jahr. Die Geburtenzahl im Land ist in den vergangenen Jahren von 26.000 (1994) auf zuletzt rund 18.000 gesunken.

Das Problem der hohen Haftpflichtversicherungen für Hebammen scheint zumindest für Niebüll und die Inselklinik Föhr-Amrum erst einmal entschärft zu sein. Alheit teilte anlässlich der Sozialausschuss-Sitzung mit, das Klinikum Nordfriesland werde die Erhöhung der Haftpflichtprämien von Hebammen bis zu einer endgültigen überregionalen Regelung - zum Beispiel auf Bundesebene - übernehmen. Dies habe der Aufsichtsrat in der vergangenen Woche beschlossen.

In einem offenen Brief an Ministerin Alheit hatten laut „Kieler Nachrichten“ (Donnerstag) die zwölf Hebammen der Region erklärt, diese Arbeit ohne finanzielle Zuschüsse im Sommer einstellen zu müssen. Grund seien die immer höheren Beiträge für die Haftpflichtversicherung, die im Sommer auf über 5000 Euro im Jahr steige. Die Hebammen baten in dem Brief um finanzielle Hilfe.

Der Sprecher des Sozialministeriums, Christian Kohl, bestätigte den Brief. Er verwies auf die Zuständigkeiten der jeweiligen Kliniken und auf eine Bundesratsinitiative Schleswig-Holsteins. Der Bundesrat werde sich am 14. März damit befassen, derzeit liefen dazu Länderabstimmungen. Alheit betonte: „Wir brauchen Rahmenbedingungen, die eine Geburtshilfe mit Hebammen in den Kliniken im Land dauerhaft ermöglichen. Deswegen setzen wir uns für eine rasche Klärung ein.“ 

Für den Frauentag an diesem Samstag (8. März) sind in zahlreichen deutschen Städten Demonstrationen von Eltern angekündigt zur Bewältigung der Hebammenkrise. Eine entsprechende Petition „Rettet unsere Hebammen“ werde mittlerweile von 325.000 Menschen unterstützt und wachse täglich um tausende Stimmen, hieß es am Donnerstag in einer Pressemitteilung der Veranstalter.

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