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Kiel / Plön : Aus der Haft gleich in die Abschiebung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kieler Amtsgericht fällt erstes Urteil zu Einbruchsserie durch albanische Asylbewerber.

Der Flieger wartete schon. Gleich nach dem Schuldspruch übergab das Kieler Amtsgericht den Angeklagten der Ausländerbehörde, die ihn auf direktem Weg zum Hamburger Flughafen bringen ließ. Um 17. 15 Uhr brachte ein Flieger den Abgeschobenen über Wien zurück nach Tirana in Albanien.

Das Kieler Amtsgericht zog damit eine erste juristische Konsequenz zu einer Einbruchsserie in Wohnhäuser, die Ende vergangenen Jahres und Anfang dieses Jahres die Bevölkerung im Kieler Norden, im Kreis Plön und im Kreis Rendsburg-Eckernförde verunsichert hatte. Der heute 20-jährige Albaner war 2014 als Asylsuchender nach Deutschland gekommen, doch Deutsch spricht er bisher noch nicht. Zuletzt lebte er zusammen mit anderen Albanern in einer Asylbewerberunterkunft in den Kührener Höfen im Kreis Plön. Zwölf Wohnungseinbrüche und mindestens sieben Versuche legte ihm die Anklage zusammen mit Komplizen aus der Unterkunft zur Last.

Die Richterin brauchte sehr viel Geduld, um aus dem Angeklagten brauchbare Antworten mit Hilfe einer Übersetzerin zu den Taten zu bekommen. Letztlich blieben von der Anklage fünf vollendete Einbrüche und zwei versuchte übrig, die er eingestand, beziehungsweise, die ihm auch durch Zeugenaussagen nachgewiesen werden konnten. Das reichte dem Jugendschöffengericht für eine Verurteilung zu einem Jahr und vier Monaten Jugendstrafe mit einer dreijährigen Bewährung – aber bei einer sofortigen Abschiebung in seine Heimat. Noch im Gerichtssaal wurde ihm eine Speichelprobe entnommen, um seine Identität nachweisen zu können, sollte er nach Deutschland zurückkommen und noch einmal Straftaten verüben.

Denn ganz schon unschuldig und unwissend, wie er sich gab, war er dann doch nicht. Vorausgegangen war schon eine Verurteilung vor dem Plöner Amtsgericht wegen des Erschleichens von Leistungen. Noch nicht eröffnet ist ein Prozess wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in Plön. Dieser kommt jetzt zu den Akten.

Richterin Bellmann fand deshalb in ihrer Urteilsbegründung deutliche Worte. Der Angeklagte habe die Taten „hartnäckig und mit Arroganz verübt“. Er zeige durchaus „schädliche Neigungen“, habe seine Chancen nicht genutzt. Nach den ersten Einbrüchen kurz vor Weihnachten war er festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt worden. Doch der sah keine Haftgründe, ließ ihn laufen.

Nur Tage später wurde der Angeklagte erneut auf frischer Tat erwischt – und wanderte diesmal in Untersuchungshaft. Aus der wurde er am Mittwoch in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer zwei Jahre Haft nach dem Erwachsenenstrafrecht auf Bewährung gefordert. Die Verteidigung ließ ein Strafmaß offen.

Deutlich wurde in dem Prozess aber auch, wie die gehörten Opfer der Einbrüche bis heute leiden. Eine Frau schließt sich aus Furcht noch immer im Schlafzimmer ein. Eine 81-Jährige zog lieber in ein Heim, um so etwas nicht noch einmal zu erleben, ihr Haus ist verkauft. „Mama hat noch heute Angst, man fühlt sich nicht mehr sicher“, beschrieb eine 21-Jährige den Einbruch in ihr Elternhaus. In jedem Fall werde man vorsichtiger aber auch misstrauischer, umschrieben es andere. Viele klagten über Schlafstörungen als Reaktion.

Am kommenden Montag steht sein Komplize, ebenfalls ein jugendlicher Albaner, wegen dieser und weiterer Einbrüche vor Gericht. Anfang Juli dann die heute schon Erwachsenen aus der Gruppierung, denen die Anklage noch weitere Einbrüche in verschiedenen Zusammensetzungen vorwirft. Für die Polizei war es eine der größten Einbruchsserien der letzten Jahre, die aufgeklärt werden konnte.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 18:04 Uhr

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