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Ostholsteiner Anzeiger

19. Oktober 2017 | 11:27 Uhr

Aus dem Pflänzchen wurde eine Pflanze

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Städtepartnerschaft Plön-Plau hat vor einigen Tagen den 25. Geburtstag gefeiert / Delegation aus Plön fährt am Sonnabend nach Plau zu einer gemeinsamen Feier

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erstellt am 26.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Im Frühsommer 1989 machte sich eine Delegation aus Plön auf den Weg in die damalige DDR. Die Plöner waren im Brandenburgischen auf der Suche nach einer Partnerstadt und wurden im Mecklenburgischen fündig. Etwa eineinhalb Jahre später, am 17. November 1990, unterzeichneten Vertreter aus Plön und Plau am See die Urkunde einer Städtepartnerschaft, die seit ein paar Tagen 25 Jahre alt ist.

Etwas größer dürfte die Delegation sein, die am kommenden Sonnabend nach Plau fährt. Bürgervorsteher Dirk Krüger und Bürgermeister Jens Paustian führen einen Tross von 50 Mitreisenden nach Plau am See an – darunter die Behindertenbeauftragte Ute Wacks, Manfred Eggers und Hans-Jürgen Kreuzburg, Mitglieder des Seniorenbeirates, eine Abordnung der Feuerwehr sowie Vertreter vom Wassersportverein Plön-Fegetasche, des Musikzuges Plön oder des TSV Plön.

Nach einem gemeinsamen Abendessen in der Sporthalle am Klüschenberg spielt am Sonnabend das Plauer Streichquartett, es gibt eine Kür im Einradfahren, die Plöner „Madness-Brothers“ treten auf und Schüler aus Plau sowie die Plöner Speeldeel führen Sketche auf. Den Abschluss des Festprogramms bilden die Plauer Seemänner.

Die Beschlüsse für die Partnerschaft wurden am 2. Juli 1990 auf dem Klüschenberg in Plau und am 23. August 1990 in Plön getroffen und am 17. November feierlich unterzeichnet. Die damaligen Unterzeichner Bürgervorsteher Roland Reche und Bürgermeister Uwe Jes Hansen aus Plön sowie Bürgervorsteher Artur Lada und Bürgermeister Dr. Axel Tohtz aus Plau waren sich einig: die Partnerschaft soll helfen, dass die deutsche Einigung auch unter den Menschen im Land verwirklicht wird. Menschen sollen Meinungen und Informationen austauschen und Verbindungen untereinander fördern.

Vor Unterzeichnung der Urkunde 1990 machte sich ein Jahr zuvor nach einstimmigem Beschluss des damaligen Magistrates eine achtköpfige Delegation auf den Weg in die damalige DDR: Bürgervorsteher Christian Petersen, Bürgermeister Uwe Jes Hansen mit dem damaligen Hauptamtsleiter und späteren Bürgermeister Ulf Demmin, Manfred Giese, Albert Bardtke, Hans-Jürgen Kreuzburg, Roland Reche und Albrecht Juhl.

„Wir waren mit zwei Autos in Richtung DDR unterwegs und von Wiedervereinigung war noch nicht die Rede“, blickten Alt-Bürgervorsteher Albrecht Juhl und Alt-Bürgermeister Ulf Demmin im OHA-Gespräch zurück. Schon der Grenzübertritt in Gudow sei für sie ein Erlebnis gewesen: „Die damals aktuellen Tageszeitungen durften wir nicht in die DDR einführen, mussten sie an der innerdeutschen Grenze wegwerfen“, schmunzelte Ulf Demmin. Dann fuhren die beiden Fahrzeuge mit der Delegation aus Plön ins Hotel „Neptun“ in Warnemünde.

Eigentlich war Plau am See gar nicht das Ziel der Delegation. Günther Flessner, der damalige Landwirtschaftsminister, hatte ihnen Malchin als Partnerstadt empfohlen. Malchin sei – wie Plön – 1236 gegründet worden. Doch Malchin hatte schon Kontakt: mit Itzehoe, der Kreisstadt Steinburgs.

„Auf dem Weg nach Malchin fuhren wir durch Plau und machten dort in einer Eisdiele Pause“, erinnerte sich Albrecht Juhl. Die Plöner waren gleich begeistert, fuhren ins Rathaus, schauten sich Plau am See an und kamen zu dem Schluss: das passt gut zusammen.

Die Plöner hätten den Plauern sehr früh die Demokratie aber auch die ehrenamtliche kommunale Arbeit erklärt. „Die beiden damaligen Bürgermeister und Verwaltungsspitzen Uwe Jes Hansen und Dr. Axel Tohtz hatten einen sehr guten Draht zueinander aufgebaut“, sagte der damalige Leiter des Plöner Hauptamtes, Ulf Demmin, der später als Bürgermeister Nachfolger von Hansen wurde und die Städtepartnerschaft mit dem damaligen stellvertretenden Plauer Bürgermeister Gunnar Eschen sehr intensiv fortführte: „Wir waren immer dabei und haben alles intensiv gesteuert.“ Im Mittelpunkt stand der Aufbau der Verwaltung im Osten. Dabei habe es sehr viele Freiräume gegeben. Alles seien nur Vorschläge aus Plön gewesen, die die Plauer nach ihrem Ermessen umgesetzt hätten. Klärwerk und Bauamt mit der Städtebauförderung aber auch das Satzungsrecht seien die Themen der ersten Stunden gewesen.

„Die Menschen im Osten hatten damals ja keine Ahnung von Demokratie“, sagte Ulf Demmin. Es sei alles sehr freundlich und kollegial gewesen. Juhl fügte hinzu, dass Rüdeger Mätzig, Heinz Langfeldt oder auch Jürgen May von der Stadtverwaltung sehr engagiert waren.

Viele Verbindungen sind seit der Unterzeichnung der Urkunden entstanden und gepflegt worden. Besonders die Freiwilligen Feuerwehren sind im Laufe der vergangenen 25 Jahre zu einer Säule der Partnerschaft geworden. Es beteiligen sich aber auch der TSV Plön, die Chorgemeinschaften, die Schützengilde, der Seniorenbeirat, Jugendgruppen und der Karnevalsverein Blau-Weiß Plön.

Aber auch auf Parteienschiene ist einiges gelaufen, erinnert sich Albrecht Juhl, der den ersten CDU-Stammtisch in Plau initiierte und seinen Parteikollegen erklärte, wie ein Wahlkampfstand funktioniert. „Wir haben auch beim Aufbau der Parteistrukturen geholfen“, sagte er.

Heute ist die Partnerschaft von Plön und Plau vor allen Dingen an den Ortseingängen der beiden Städte als sichtbares Zeichen zu erkennen. Die Plauer Verwaltung hat längst festen Boden unter den Füßen. „Die Partnerschaft damals war von der Politik gewollt. Alles andere hat sich gefunden“, sagte Ulf Demmin, der – wie Albrecht Juhl – maßgeblich an der Städtepartnerschaft gewirkt hat. „Aus dem Pflänzchen ist eine Pflanze geworden“, lobte Demmin. Noch heute gebe es viele gewachsene Kontakte und Freundschaften. Auch, wenn einst Malchin das Ziel der Plöner Delegation war, so ist die Partnerschaft zu Plau für Juhl und Demmin aus heutiger Sicht ein wahrer Glücksgriff. Beide Städte sind zusammengekommen, um voneinander zu lernen.

Bei der Unterzeichnung der Urkunde zur Partnerschaft waren sich viele Plauer dieser Bindung noch nicht 100prozentig sicher. Als ein Mann der ersten Stunde erinnert sich Dr. Axel Tohtz, der wenige Monate zuvor zum Bürgermeister gewählt worden war: „Immerhin hatten beide Städte zuvor nach anderen Partnern Ausschau gehalten, Plau in Drochtersen, Plön in Malchin, Parchim, Franzburg und Röbel.“ So kam am Ende doch zusammen, was 25 Jahre später nicht nur immer noch hält, sondern was beide Verwaltungen, beide Selbstvertretungen vor allem aber die Vereine und Schulen beider Städte mit Leben füllen.

Die ersten fünf Jahre der Partnerschaft waren wohl die entscheidenden. Vor allem für Plau. Vielleicht waren es auch die intensivsten, denn früher wohnten die Stadtvertreter bei Besuchen nicht in Hotels, sondern bei den Amtskollegen in der Partnerstadt. Aber nicht nur das. Tohtz: „Alle ein bis zwei Monate setzten wir uns ins Auto und fuhren nach Plön – Hauptamtsleiter Gunnar Eschen, Kämmerin Renate Bodin, Ordnungsamtsleiter Eckehard Salewski und unser damaliger Bauamtsleiter Karl-Heinz Hage. “ Jeder sei zu seinem Amtskollegen gegangen, um bei der Arbeit zu lernen.

Plaus damaliger Bürgervorsteher, Arthur Lada, und Dr. Axel Tohtz wurden 1990 zur Ratsversammlung nach Plön eingeladen. Und Lada bekräftigte in seiner Rede: „Ihr müsst uns helfen, allein schaffen wir das nicht.“ Und die Plöner halfen, „weniger mit materiellen Dingen und Sachleistungen als vielmehr mit Rat , erinnert sich Tohtz. Während die Plauer bei ihren ersten Besuchen das gepflegte Stadtbild von Plön bestaunten, den Boulevard und das Schloss und beim Großen Plöner See ein Déjà-vu hatten, wartete in Plau viel Arbeit. Eine ihrer ersten Aufgaben war die Festlegung der Entwicklungsziele – was mit Ausbau und Erneuerung des Fremdenverkehrs und Plau als Standort für Kliniken, Reha-Zentren und sozialen Einrichtungen geschah. Dann kam schon die Stadtsanierung. „Macht erst die Infrastruktur und dann die Häuser, dann sehen die Leute, hier wird was Gutes, rieten die Plöner.“ Tohtz erzählt heute, mit Abstand aber immer noch mit großer Dankbarkeit: „Wir haben uns damals kennen gelernt und sehr schnell Vertrauen zueinander gefasst. Und die Plöner haben uns sehr geholfen. Und es ist gut geworden.“

Die „Chemie“ zwischen den Plauern und den Plönern stimmte einfach. „Ich kann mich noch gut an die Anfänge der Partnerschaft erinnern, an die legendären Grünkohlessen und daran, dass eines Tages Albrecht Juhl vor meiner Tür stand“, sagte Tohtz. „Wir verstanden uns auf Anhieb – es war fast, als würden wir uns schon ewig kennen.“

Plau und Plön – die Partnerstädte sind wie die Seiten einer Medaille, in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Tohtz: „Plau ist ein Jahr älter als Plön und hat wie Plön einen See. „Nur ist unser größer.“ „Uns ist es wichtig, eine Partnerschaft richtig zu leben, und das tun wir“, sagt Plaus Bürgermeister Norbert Reier. Er freut sich auf das Wiedersehen am Sonnabend. 
 

Die Stadt Plön pflegt seit 1973 eine weitere Partnerschaft mit dem tunesischen Ksour-Essaf sowie eine Patenschaft zur Stadt Schillen im ehemaligen Kreis Tilsit-Ragnit. Diese beiden Partner- und Patenschaften scheinen jedoch über die Jahre eingeschlafen zu sein.

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