Augenzwinkernder Umgang mit den Geschöpfen eines wilden Gartens

Unterhielten gemeinsam das Publikum: Avi Bolotinsky (v.l.), Meir Shalev, Sara Ducanic und Schauspieler Werner Klockow
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Unterhielten gemeinsam das Publikum: Avi Bolotinsky (v.l.), Meir Shalev, Sara Ducanic und Schauspieler Werner Klockow

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25. Juli 2018, 13:40 Uhr

Blumen, Kräuter und frühe Äpfel aus dem angrenzenden Küchengarten schmückten am Montagabend die Orangerie im Schlossgarten. Anlass war der Besuch des israelischen Schriftstellers Meir Shalev, der von Brigitte Herrmann und Dr. Wolfgang Griep im Rahmen des Literatursommers 2018 nach Eutin eingeladen worden war, um aus seinem Buch „Mein Wildgarten“ vorzulesen. Knapp 80 Besucher waren gekommen, für die noch Stühle hinzugestellt werden mussten, weil damit keiner gerechnet hatte.

Meir Shalev las so lebhaft aus seinem hebräischen Originaltext vor, dass man wünschte, man verstünde es direkt. Da aber sein Buch auch auf Deutsch erschienen ist, trug der Schauspieler Werner Klockow die humorvollen Geschichten in der uns vertrauten Sprache vor. Anmerkungen und Erklärungen oder die Antworten auf die Fragen von Sara Cucanic, Mitarbeiterin des Literaturhauses Schleswig-Holstein, die den Autor interviewte, übersetzte Avi Bolotinsky.

Shalev, der neben Romanen und Sachbüchern auch Kinderbücher schrieb, hat hier für sich ein ganz neues Genre entdeckt. Er schreibt Geschichten. Geschichten, die von Blumen und Tieren handeln, die in seinem Garten wachsen oder denselben besuchen. Dabei erzählt er in einer Art, die so spielerisch ist, wie ein Kind vielleicht die Welt der Pflanzen, Tiere und der unbelebten Welt erfährt. Mit allen spricht er und er „hört“, was sie erzählen. Er gibt preis, dass wenn niemand dabei ist, er ganze Dialoge mit verteilten Rollen laut vor sich hin spricht. Und er berichtet von Tellern, die zuunterst im Schrank stehen und darum selten zum Einsatz kommen, deren Klagen über ihren Mangel an Nützlichkeit er wahrnimmt und von da an darauf eingeht oder er hört, wie die Socken, die er niemals mit ins Ausland nimmt, ihn fragen, warum sie nicht mitdürfen. Auch dann, wenn diejenigen erzählen, die er von seinen Reisen wieder mitbringt, horcht er genau hin. So wird natürlich die Welt viel lebendiger, reicher und bunter. Und es gibt viel mehr Geschöpfe, die eine Idee oder ein Gefühl zu etwas haben, mit denen man sich auseinandersetzen kann. Das tut er auf unnachahmliche Weise in seinem Buch „Mein Wildgarten“. Leichtfüßig und witzig berichtet er zum Beispiel von dem „Kampf der Söhne des Lichts gegen die der Finsternis“ und meint damit den Versuch der Vertreibung der Blindmaus, deren Lebensraum und Verhalten denen des Maulwurfs erstaunlich ähnlich sind. Wer einen Garten hat, der kennt das. Wie viel kurzweiliger wäre es, Widrigkeiten des Alltags mit einem solchen Augenzwinkern zu begegnen.

Trotz der etwas schwierigen Akustik genossen die Zuhörer den Abend sehr und die, die das Buch schon gelesen hatten, dankten Meir Shalev.

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