Tag der offenen Tür auf Hubertushöhe : "Augen zu und nur nicht aufgeben"

Die Landtagsabgeordnete Herlich-Marie Todsen-Reese und Landespolizeidirektor Burkhard Hamm informierten sich  über die Ausstellung '25 Jahre Frauen bei der Schutzpolizei'.  Imke Kalus (l.) und Wiebke Büchner erläuterten die Fotos der Stellwand.   Foto: Thomas Gründemann
Die Landtagsabgeordnete Herlich-Marie Todsen-Reese und Landespolizeidirektor Burkhard Hamm informierten sich über die Ausstellung "25 Jahre Frauen bei der Schutzpolizei". Imke Kalus (l.) und Wiebke Büchner erläuterten die Fotos der Stellwand. Foto: Thomas Gründemann

Der Rückblick der Ordnungshüterinnen Inka Bruhn und Anja Keller auf den Einzug der Frauen in die "Männerbastion" Polizei vor 25 Jahren.

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19. September 2011, 11:09 Uhr

Eutin | Jürgen Funk war 1986 Ausbilder, als erstmals für 27 Frauen der Dienstweg bei der Landespolizei geöffnet wurde. Heute ist Funk Chef der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und weiß, dass mittlerweile über 1500 Beamtinnen die Polizeiuniform tragen. Doch der berufliche Aufstieg falle ihnen weiter schwer: "Frauen müssen immer noch doppelt so gut sein, um als halb so gut wie ein Mann anerkannt zu werden."

Dass in der Polizei noch Einiges zu tun bleibe, um für Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen, räumte gestern bei der Jubiläumsfeier in Eutin auch Innenminister Klaus Schlie ein. Doch längst sei die Polizei keine "Männerbastion" mehr, mit viel Mut und Kraft auf beiden Seiten seien in den 25 Jahren viele Befürchtungen und Vorurteile abgebaut worden. "Frauen sind mittlerweile zu einem festen und nicht mehr weg zu denkenden Bestandteil unserer Landespolizei geworden", betonte Schlie.

Die Worte des obersten Dienstherrn der Polizei dürften Anja Keller und Inka Bruhn gefallen haben. Beide gehörten 1986 zum Einstellungsjahrgang und zählen damit zu den "Frauen der ersten Stunde in der Schutzpolizei". Keller war seinerzeit 21 Jahre alt und Sportlehrerin, Bruhn 24 und Verwaltungsangestellte bei der AOK, als sie sich für die Landespolizei bewarben.

Beide begannen ihre Ausbildung zur Schutzpolizistin in der damaligen 6. Hundertschaft. Und die gemeinsamen Erinnerungen sind noch wach. Die Ausbildung sei hart, der Ton außergewöhnlich rau und militärisch gewesen. Und den zumeist jüngeren Ausbildern habe man angemerkt, dass es für sie ungewohnt war, nun weibliche Polizeianwärter vor sich zu haben. Es sei vor allem der Zusammenhalt unter den Auszubildenden gewesen, der sie diese schwierige Phase am Beginn ihres polizeilichen Berufslebens habe "durchhalten" lassen. "Der Medienrummel um die ersten Frauen bei der Schutzpolizei war enorm und hat hin und wieder bei den männlichen Auszubildenden Neidgefühle aufkommen lassen", berichten Keller und Bruhn.

Auch die Nutzung der sanitären Anlagen in den Unterkünften verursachte Probleme. Die 27 weiblichen Auszubildenden bewohnten auf einem Flur der Hundertschaft zwar einen separaten Teil, hatten eigene Waschräume und Toiletten. Die Duschen hätten jedoch oft nicht ausgereicht. Beispielsweise, wenn alle Auszubildenden nach einem Lauf ins die Hundertschaft zurückkehrten. Nur dann habe es einen "Frauenbonus" gegeben: "Es wurden Duschzeiten vergeben. So durften wir Frauen zunächst alle Duschen der Hundertschaft nutzen, erst eine halbe Stunde später waren die Männer dran", erinnert sich Inka Bruhn.

Zu lachen habe es gerade in der Ausbildung nur selten etwas gegeben, berichtet Anja Keller. "Ich habe mehrmals das Handtuch werfen wollen. Denn es war spürbar, dass bei uns Frauen doch oft härtere Maßstäbe als bei den Männern angelegt wurden." Beispielsweise beim Seilklettern: "Wenn wir in den ersten Monaten beim Sport vor der gesamten Hundertschaft uns da am Tau hochziehen mussten, gab es vorher noch eine besondere Ansage des Hundertschaftsführers an uns Frauen", so Inka Bruhn.

"Augen zu und durch, nur nicht aufgeben" - mit diesen Worten habe sie sich "in schlechten Zeiten" immer wieder selbst Mut zugesprochen. Inka Bruhn hat sich durchgebissen. 1995 gelang es ihr als erster Frau in der Schutzpolizei, vom mittleren in den gehobenen Polizeidienst aufzusteigen. Heute ist sie als Hauptkommissarin in der Polizeiabteilung des Innenministeriums im Referat "Recht der Polizei" tätig. Ihre Kollegin Anja Keller ist Polizeihauptmeisterin und widmet sich im Kommissariat 12 der Kriminalpolizeistelle Kiel dem Seniorenschutz und ist zudem Polizei-Sportlehrerin.

"Heute sind Frauen in Uniform Normalität", wissen beide Ordnungshüterinnen. "Selbstbewusstsein, körperliche Fitness und Lust auf einen vielfältigen, aber auch mit sehr viele Belastungen verbundenen Beruf sind notwendig, um als Polizistin bestehen zu können", so Keller und Bruhn.

Als "Zeitzeuginnen" begleiteten sie eine von ihren Berufskolleginnen Wiebke Büchner und Imke Kalus vorbereitete Ausstellung, die mit Zeitungsartikeln, Bildern, Filmen und Exponaten die Geschichte der weiblichen Uniformträgerinnen vom Start 1986 bis in heute zeigte.

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