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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 21:24 Uhr

Augen und Gaumen wichtig

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Warum kommen viele oder auch wenige Vögel zur Futterstelle? Sie selektieren nach Farbe und Geschmack

von
erstellt am 04.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Es ist für die Vogelschutzgruppe Eutin-Bad Malente (VSG) immer wieder eine reizvolle Aufgabe, jedoch für ratsuchende Menschen oft frustrierend: Eine Antwort zu finden auf die Frage, warum der Besuch von Vögeln am Futterhaus von Nachbar zu Nachbar so unterschiedlich ist?

Welche Faktoren bestimmen die Nahrungswahl unserer Vögel? Es wird einleuchten, dass ein Vogel, der hungrig am Futterhaus erscheint, manches angebotene Futter zu sich nimmt, das er sonst verschmähen würde. Andererseits kann eine Übersättigung auch zu einer vorübergehenden Ablehnung eines Streufutterangebotes führen – eine profane Feststellung, die für Mensch und Tier gilt.

Schon der Nobelpreisträger Tinbergen hat in seinen wertvollen Studien im Freiland sowie in geräumigen Volieren festgehalten, dass Meisen Augentiere sind, die ihre Nahrung sehr selektiv suchen, und die Mengenverhältnisse des vorhandenen Futters keineswegs der aufgenommenen Nahrung entsprechen müssen. Offenbar treffen unsere Vögel ihre Auswahl nach Größe und Färbung, ergänzt durch Geschmack und Geruch.

Auch die Jahreszeit dürfte eine entscheidende Rolle bei der Nahrungswahl der Vögel spielen. Und eine Spatzenschar fällt in der Milch- bis Teigreife des auf dem Feld reifenden Weizens gerne ein, um aus der Ähre das noch weiche Korn zu stibitzen, während dieselben Tiere im Winter den harten Weizen missachten.

Da Vögeln bekanntlich Lippen und echte Zähne fehlen, ebenfalls ein weicher Gaumen, müssen wir uns ihrer Zunge zuwenden, wenn wir ihre Möglichkeit einer Selektivität eines angebotenen Futters untersuchen wollen. Sie trägt nämlich – in unterschiedlicher Zahl – sogenannte Geschmacksknospen und Tastkörperchen, deren Vorhandensein besonders deutlich wird, wenn Kleinvögeln im Käfig der Wechsel einer Apfelsorte dargeboten wird – ihre vorsichtigen Versuche und zögernde Entscheidung zeigen, dass sie schmecken können.

Unterschiedliche Individuen- und Vogelartenzahlen an Futterstellen für unsere Gartenvögel hängen wie selbstverständlich auch von der Witterung ab. Der Temperaturverlauf des derzeitigen Winters zeigte ungewöhnlich milde Temperaturen und im Dezember gleichmäßig verteilte 62 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – ausschließlich als Regen – und im Januar 66 Liter, davon sieben Liter als Schnee.

Entscheidend war aber der plötzliche Frosteinbruch um den 20. Januar um bis zu minus 13 Grad sowie in der Folge Ereignisse wie eine enorme Zunahme von Amseln in Eutin, der Beobachtung einer Sperbereule in Boltenhagen oder weiterer „Besonderheiten“, die zur Zeit in Vogelkundlerkreisen die Runde machen.

Wechselnde Temperaturen lösen also bei unseren Vögeln die in ihren Populationen genetisch unterschiedlich stark veranlagten Zugtriebe aus, so dass ihr Kommen und Gehen nicht nur am dargebotenen Futter liegen wird. Wir wissen im Einzelnen gar nicht, ob wir ein Rotkehlchen aus der heimischen Population füttern oder eine dänische oder noch weiter nördliche, nordöstliche Herkunft.

Die Fütterung von Wildvögeln – so sei abschließend
bemerkt – verleiht uns Menschen viel Freude bei der Beobachtung, und es ist wohl ausreichend nachgewiesen, dass diese Art des Vogelschutzes zur Aufrechterhaltung der oftmals zurückgehenden Vogelbestände beitragen kann (die Betonung liegt auf „kann“), wie zum Beispiel auch beim „gewöhnlichen“ Haussperling, was uns erst die Zukunft zeigen wird.

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