zur Navigation springen

Aufs Dach geschaut: Ein Kerker im Plöner Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Februar 1815: Es herrscht Krieg in Mitteleuropa und russische Truppen liegen in Plön. Am 28. Februar 1815 brennt das Plöner Rathaus bis auf seine Grundmauern nieder. Haben die Kosaken das Herz der Plöner Verwaltung sinnlos zerstört? Nein, die Ursache des verheerenden Feuers liegt im Dachgeschoss – dort, wo Stunden zuvor ein Häftling über die Mittagszeit seinen mehrstündigen Arrest absaß.

Es ist der Schreiber Lamack der Plöner Amtsstube, der eine Ordnungsstrafe verbüßt. Weil ihm kalt ist, macht er sich in einem kleinen Ofen in der Zelle ein Feuer. Erst am Abend, also Stunden später, bricht im Dachstuhl ein Feuer aus. In einem Brief an den König erklärt der Magistrat, an einer nicht sichtbaren Stelle der Zelle müsse das Feuer entglommen sein, „das erst acht Stunden später zum Ausbruch kam.“

Der Wiederaufbau des Rathauses erfolgte 1816/1817. Die beiden drei mal zwei Meter großen Gefängniszellen im Dachgeschoss des Gebäudes sind heute 200 Jahre alt und nur noch über eine Deckenluke und eine Leiter in der Teeküche des Rathauses zu erreichen. Nicht mehr viel erinnert an die Zeiten, in denen hier noch Menschen in den Zellen auf ihre Verhandlung warteten. Der Boden des Dachgeschosses ist nach Isolationsarbeiten mit Glaswolle und blauer Folie bedeckt. Die Zellentüren dienen als Laufstege. An den Zellenwänden sind noch Inschriften zu erkennen, entweder in die Eichenwände gekratzt oder mit dem Bleistift geschrieben – die meisten schriftlichen Nachlässe sind nicht mehr lesbar.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatten der Bürgermeister und zwei Ratsherren die polizeiliche und gerichtliche Gewalt inne. Personen, die auf ihr Gerichtsurteil warteten oder in – wie man es heute formulieren würde – Untersuchungshaft waren, kamen in eine der Zellen im Rathaus. Auch ab 1866 unter preußischer Hand wurden die Zellen noch für die Buße kleinerer Vergehen und als Gewahrsamszellen genutzt.

„Es ist schade, dass das hier so verrottet“, findet Hausmeister Wolfgang Bauzus.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Dez.2016 | 18:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen