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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 13:05 Uhr

Auflösung nach 55 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Fürstin-Hedwig-Schüler aus Neustettin begingen am Wochenende in der Voß-Schule eine Abschiedsfeierstunde

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 11:50 Uhr

Ein Abschied – nicht in Trauer, aber doch in leiser Wehmut: So formulierte es Festredner Dr. Hans-Norbert Strietzel am Sonnabend bei der letzten großen Zusammenkunft des Vereins der ehemaligen Schüler der Fürstin-Hedwig-Gymnasiums im polnischen Szczecinek, dem ehemaligen Neustettin in Pommern. Denn nach 55 Jahren steht der Verein vor dem Aus.

„Unsere Schülervereinigung will sich wegen ihrer Altersstruktur zum Jahresende auflösen“, erklärte die Vorsitzende Gesine Reinstrom vor etwa 50 Anwesenden in der Aula des Johann-Heinrich-Voß-Gymnasiums, darunter Schulleiter Dr. Frithjof Löding, Bürgervorsteher Dieter Holst und der ehemalige Schulleiter Dr. Karl-Heinrich Jäschke. Aus gesundheitlichen Gründen abgesagt hatte der heutige Leiter der Neustettiner Schule, Jerzy Kania. Als einziges Gründungsmitglied nahm Werner Pranschke aus Hannover an der Versammlung teil. Der 92-Jährige hatte 1940 als einer der Letzten ein reguläres Abitur am Hedwig-Gymnasium abgelegt. Er bedauerte die angekündigte Auflösung: „Ich bin seit 1959 jedes Jahr bei den Vereinstreffen dabei und auch jedes Jahr in Neustettin“, berichete er.

Die Voß-Schule hatte gut ein Jahr nach der Vereinsgründung am 23. August 1955 die Patenschaft für die Schülervereinigung übernommen. „Es ist auch der Tag, um von Herzen Dank zu sagen für das mehr als fünf Jahrzehnte dauernde Patenschaftsverhältnis“, erklärte Gesine Reinstrom. Ihre Mutter war Schülerin des 1640 gegründeten Hedwig-Gymnasiums, das 1965 eine neue Namenspatronin erhielt und seitdem Fürstin-Elisabeth-Lyzeum heißt. An die Patenschaft erinnern werde künftig eine Gedenktafel im Eingangsbereich der Schule, die große Lubinische Pommernkarte sowie die „Neustettiner Ecke“.

Vereinszweck war neben der Sammlung ehemaliger Hedwig-Schüler die Pflege des Andenkens der Hedwig-Schule und der pommerschen Heimatkunde, besonders Neustettins, aber auch die Unterstützung des Voß-Gymnasiums. So wurde etwa der Schüleraustausch mit der polnischen Schule finanziell gefördert.

Der Fall der Mauer brachte noch einmal einen Schub für den Verein, erinnerte Gesine Reinstrom. „Nach 1989 erhöhte sich die Anzahl auf über 700 Vereinsmitglieder durch die Zugänge aus den neuen Bundesländern.“ Heute zählt der Verein noch etwa 150 Köpfe. Gesine Reinstrom blickte auf zahlreiche Treffen und Feiern des Vereins zurück, von denen viele in der Aula der Voß-Schule stattfanden, wie etwa das 50. Patenschaftsjubiläum 2010.

„Wenn wir ein Weltbild hatten, galt es nach 1945 nicht mehr“, erinnerte Strietzel an die Folgen des Zweiten Weltkriegs. „Wir mussten verstehen, dass für die dort nach uns geborenen Menschen unsere Heimat zu ihrer Heimat geworden ist.“ Doch die Ehemaligen seien in der heutigen Schule immer herzlich empfangen worden, nicht nur zu offiziellen gemeinsamen Veranstaltungen, sondern jederzeit. Heute bilde die Partnerschaft beider Schulen eine „Gemeinschaft der Humanitas“. „Durch die Auflösung des Vereins sollten die freundschaftlichen Kontakte mit der Voß-Schule und dem Fürstin-Elisabeth-Lyzeum nicht abbrechen“, wünschte sich Gesine Reinstrom. Sie hoffe, dass der Schüleraustausch zwischen Voß-Gymnasium und Fürstin-Elisabeth-Lyceum Bestand haben werde.

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