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Auf Straßen in Eutin unterwegs : Auf Zeitreise in der Bürgerstraße

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ihr Name meint wirklich den Bürger der Stadt – Grund ist das Bürgerheim aus dem Jahr 1908

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 18:12 Uhr

Die Bürgerstraße zweigt am Anfang der Bürgermeister-Steenbock-Straße nach rechts ab und verbindet diese mit Butenau und Galgenberg im südlichen Teil der Stadt. Dort, wo ihr geteerter Straßenbelag vom Zahn der Zeit entfernt wurde, kann man das ursprüngliche alte Kopfsteinpflaster sehen und fühlt sich an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückversetzt.

In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg (1914-18) breitete sich die Stadt Eutin nach Süden aus und so entstand neben anderen die Bürgerstraße. Einige von den neuen Straßen wurden nach bekannten Persönlichkeiten wie Vahldiek oder Steenbock benannt, nicht aber diese Straße. Ihr Name meint wirklich den Bürger der Stadt. Der Grund dafür ist das Bürgerheim, ein sehr markantes Gebäude in dieser Straße. Dieser imposante Backsteinbau stammt aus dem Jahr 1908. Er zählt zu den vielen sozialen Fortschritten, die durch den Stadtvertreter und Goldschmied Robert Schade in Eutin Einzug fanden. Das Haus war eine Wohnstätte für ältere Mitbürger und wurde demzufolge „Bürgerheim“ genannt.

Das Wort „Bürger“ bezieht sich auf das althochdeutsche Wort „burga“, was so viel wie Schutz bedeutet. Damit bezeichnete man einen geschützten Ort, oft eine Burg, an dem sich Kaufleute gern niederließen. So entstanden Marktorte, die teilweise durch Stadtmauern gesichert waren oder, wie in Eutin, mit Seen, Bächen und Sumpf durch die natürlichen Gegebenheiten umgrenzt waren. Als Bürger einer Stadt hatte man Rechte und Pflichten, wie das Wahlrecht und die Pflicht Steuern zu zahlen. Voraussetzung dafür war aber unter anderem, dass man Grundbesitz hatte, ehelich geboren war und der Vater keinen „unehrlichen“ Beruf, wie Totengräber oder Scharfrichter, ausübte. Die meisten anderen Bewohner einer Stadt waren „Inwohner“ und hatten keine Bürgerrechte, oder solche mit Einschränkungen.

Sonderregelungen gab es beispielsweise für Adlige, die in der Stadt Grundbesitz hatten. Problematisch für die Bürger war die Tatsache, dass die Rechte an den Grundbesitz gekoppelt waren. Gaben sie also ihren Besitz, zum Beispiel einen Handwerksbetrieb, an die nächste Generation weiter, dann waren sie keine vollwertigen Bürger mehr. Sie verloren dadurch ihre Rechte. Bürgerrechte, wie zum Beispiel das Wahlrecht, galten ursprünglich nur für Männer. Frauen bekamen in Deutschland zum Beispiel das Wahlrecht erst 1918 zugesprochen, in Dänemark bereits 1915, in Frankreich 1944 und in der Schweiz erst 1971.

Der ursprüngliche Begriff für Bürger „polites“ geht auf die Definition des Griechen Aristoteles (384–322 v. Chr.) zurück und bedeutet „der zur Stadt (polis) gehörende“. Daraus entwickelte sich das Wort „Politik“, was so viel bedeutet wie „den Bürger und die Stadt betreffend“.




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