Wild-West in Ostholstein : Auf Tour mit Pferd und Planwagen

Erinnerungen an vergangene Zeiten: Die derzeitige Tour orientiert sich an einer Fahrt um den Plöner See im Jahr 1996.
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Erinnerungen an vergangene Zeiten: Die derzeitige Tour orientiert sich an einer Fahrt um den Plöner See im Jahr 1996.

Urlaub einmal anders: Nordfriesen reisen rund um den Plöner See, mit Planwagen, die von Pferden gezogen werden.

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25. Juli 2014, 13:40 Uhr

Noch einmal auf die Karte geschaut – doch es stimmt: Dies ist weder der Wilde Westen noch die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Aber: Mitten in der Holsteinischen Schweiz ist ein Treck unterwegs – stilecht mit Planwagen und Pferden.

Doch beim genaueren Hinsehen hat das Ganze nichts mit Cowboys und Indianern gemein: Rund ein Dutzend Erwachsene und fünf Kinder aus Nordfriesland sind zurzeit zusammen mit dänischen Freunden auf Planwagentour rund um den Plöner See.

Der ungewöhnliche Kutschen-Konvoi wird angeführt von Ove und Bente Lück (kl. Foto). Auf ihrem Hof in Emmelsbüll-Horsbüll (bei Niebüll) hat sich das Ehepaar einer alten Pferderasse verschrieben: den Schleswigern. Ihre Kaltblüter zählen zu den gut 200 letzten ihrer Art im Norden. Und mit den genügsamen Arbeitstieren sind die Lücks regelmäßig unterwegs – wie jetzt zwischen Bosau und Gut Depenau, den letzten Stationen der zwölftägigen Reise.

Den Weg an den Plöner See haben die Lücks und ihre Freunde per Trailer zurückgelegt. Mit dabei die Pferde und die selbstgebauten Planwagen. Letztere „gibt es nirgends zu kaufen“, sagt Bente Lück, schließlich seien sie einige der wenigen, die so reisen mögen – und das mehrfach im Jahr. „Man sieht mehr von der Landschaft“, sagt Lück. Die Menschen am Straßenrand, die Auto- und Radfahrer würden sich stets freuen, wenn sie den Treck erblicken, berichtet Lück. Aufgrund der gemächlichen Geschwindigkeit ist die Reiseroute um den Plöner Weg aber auch so gewählt, dass sie nicht zu einem großen Verkehrshindernis werden. Über Nebenstrecken – am liebsten Feldwegen – führt die Route von Stocksee nach Stocksee. Zwischen 15 und 25 Kilometern legen sie pro Tag zurück, schlagen am Zielort, einem Campingplatz oder einem Hof, ihre Zelte auf. Nur wenig Luxus gönnen sie sich unterwegs: Unter einem der Planwagen hängt ein gasbetriebener Kühlschrank. Und beide, mehr als 2,5 Tonnen schweren Kolosse haben inzwischen gefederte Sitze aus alten Treckern. „Auf jeder Reise fällt einem etwas Neues ein“, sagt die Grundschullehrerin, die sich seit mehr als 20 Jahren den Schleswigern verschrieben hat. Und die seit 1994 regelmäßig an Touren in Schleswig-Holstein und Dänemark teilnimmt.

Von klein auf mit dabei ist auch Sohn Kjeld. Der 13-Jährige findet die Tour toll. Ebenso seine Mitschülerinnen – wobei Kjeld einräumen muss, dass seine Klassenkameraden seine Begeisterung für den Treck nicht vollends teilen. „Die hängen in den Ferien lieber zu Hause ab“, sagt Kjeld.

„Das ist mein Urlaub“, sagt Bente Lück und verzichtet gerne auf Destinationen wie Malediven und Co. „Ich liebe das Zigeunerleben“, sagt Lück mit leuchtenden Augen.

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