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Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 19:40 Uhr

Auf Streife mit Eutins Polizisten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Während vielerorts die Menschen in den ersten Mai feierten oder tanzten, waren sie im Dienst, um zu helfen, wenn sie gerufen werden

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 00:34 Uhr

Körperverletzung, hilflose Personen, Ruhestörung – das ist das Fazit der Nacht in den ersten Mai aus Sicht der Eutiner Polizei. Zu tun gibt es genug, doch es ist ruhiger als erwartet. Während die Maifeuer glimmen und vielerorts „in den Mai getanzt“ wird, sorgen fünf Beamte für Sicherheit in Eutin, Malente, Süsel und Bosau.

„Mal sehen was die Nacht so bringt“, sagt der Dienstgruppenführer zu Schichtbeginn kurz vor 19 Uhr. Der erste Wagen mit zwei Kollegen rollt vom Hof, sie gehen einem Anruf nach: „Angesägte Bäume als Gefahr am Wanderweg in Süsel.“ Ich begleite Polizeioberkommissar Wolfram Reuter (49) und Kommissar Andreas Schäfer (55) in dieser Nacht. Wir fahren auf Streife, wollen bei den zahlreichen Maifeuern vorbeischauen und an den Schlossterrassen „Präsenz zeigen“. „Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass wir unterwegs sind. Das hält den ein oder anderen davon ab, doch betrunken in sein Auto zu steigen, andere fühlen sich sicherer, wenn sie uns sehen“, erklärt Reuter unterwegs. Die erste Alarmierung: Eine Silage soll unweit von einem Wohnhaus in Ekelsdorf brennen. Mit Blaulicht geht es auf die B76. Vor Ort ein Großaufgebot an Feuerwehren aus dem Kreis und die Entwarnung aus dem verdutzten Gesicht des 33-jährigen Landwirtes, der ordnungsgemäß auf einer Teerfläche seine Äste verbrennen wollte. Doch die Anruferin vermutete offenbar Gefahr, als sie Flammen nahe der Silage sah. Die Feuerwehr löscht, kurzer Austausch, Abzug. Zurück in Eutin werden die Türsteher bei den Schlossterrassen auf ihre Qualifizierung überprüft. „Wir müssen schauen, ob die, die angemeldet sind, auch da sind“, sagt Reuter. Die Veranstalter bekommen die direkte Nummer der Wache – „meldet euch, wenn es ganz schnell gehen soll, sonst über Notruf“, raten die Beamten. Kurz nach 22 Uhr ist die Menge der Gäste überschaubar, nach Mitternacht sind es in der Spitze die erlaubten rund 650, sagt Veranstalter René Becker. Wir werden ihn an dem Abend öfter treffen.

In Fissau ist alles ruhig, bekannte Gesichter des Maibaumaufstellens grüßen die Beamten. Die Veranstalter wirken zufrieden. Weiter gehts. Die Streife durch Eutin und Malente zeigt: alles viel ruhiger als erwartet, fast nichts los. Auch die Kollegen des anderen Wagens hatten bis dahin eher mit Kleinigkeiten zu tun. Beim kurzen Kaffee werden die Berichte der ersten Einsätze geschrieben, dann geht es wieder raus – Streife durchs Gewerbegebiet, rund um die Autohäuser und Firmen. Auch hier ist alles ruhig. „Aber wir haben hier auch schon hochgebockte Autos gesehen, denen die teuren Felgen abgeschraubt wurden“, erzählt Schäfer. Er ist Jugendsachbearbeiter – „ein ruhiger aber direkter Typ, der gut mit den Jugendlichen kann“, sagt Reuter über ihn. Schäfer grinst und fügt hinzu: „Ich mach’ zu Beginn immer schnell klar, dass ich gern helfe, wenn sie mitarbeiten und ehrlich sind. Das klappt ganz gut.“ Manche danken ihm heute noch, dass er zurück auf die richtige Spur geholfen hat. Das freue ihn am meisten. Über Funk kommt: Körperverletzung in Nüchel, Dorffest im Feuerwehrhaus. Beide Wagen treffen vor Ort ein. Betrunkene, Aussage gegen Aussage, Schäfer vermittelt – alte Bekannte. „Früher hat man sowas selbst geklärt, gerade auf’m Dorf“, bemerken die Beamten als sie wieder im Wagen sitzen. Heute werde man sogar zu den Nachbarschaftsstreits gerufen, die zivilrechtliche Relevanz hätten. Auf dem Rückweg kommt über Funk: Randalierer auf dem Berliner Platz – angetroffen wird niemand.

0.37 Uhr ruft ein gut informierter Anwohner der Schlossstraße an, um zu sagen, dass die Veranstaltung in den Schlossterrassen jetzt zu laut ist. Die Messung der Dezibel mit dem Veranstalter zeigt: alles im Toleranzbereich. „Aber wir schrauben den Bass ein bisschen runter“, bietet Becker an. Zwei junge Frauen fallen stark betrunken auf. Eine ist auf ihr Knie gestürzt. Während Reuter mit ihr spricht, lässt Schäfer den Bekannten der 20-Jährigen ausrufen, damit sie ihre Sachen bekommt. „Mir ist das alles so unendlich peinlich“, sagt die junge Frau und dankt den beiden fürs Kümmern, als ein Bekannter zum Streifenwagen kommt. Auch das gehöre dazu. Als sie vom dichtgeparkten Platz vor den Schlossterrassen fahren, hält sie eine Frau an, eine Person liege im Jungfernstieg am Boden. Als wir ankommen, finden wir niemanden. Doch wenige Minuten später fällt uns auf der Runde durch die Stadt ein 64-Jähriger am Boden auf, an dem zwei Jungs rütteln. Keine Reaktion. Blut ist unter seinem Kopf zu sehen, auf Taschenlampe und eine laute Ansprache reagiert er schließlich lallend. Der Rettungswagen nimmt ihn mit, die Wunde muss genäht werden. Mittlerweile ist es vier Uhr morgens, die Schlossterrassen schenken nichts mehr aus, die Taxis fahren reihenweise vor. Auf der Streife eine Stunde später ist auch der letzte Gast gegangen, selbst im Frogs ist’s dunkel. „Das ist gut so, dann hat unsere Präsenz etwas gebracht“, sagen Schäfer und Reuter zufrieden.

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