Auf Gutgläubigkeit spekuliert

Diesen offiziell aussehenden Brief des Duisburger Inkassounternehmens „Imvertec“ fand Erna Schmidt in ihrem Briefkasten.
Diesen offiziell aussehenden Brief des Duisburger Inkassounternehmens „Imvertec“ fand Erna Schmidt in ihrem Briefkasten.

Eine Malenterin sollte über 90 Euro für eine angebliche Gewinnspielteilnahme an ein Inkassounternehmen zahlen

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04. Juni 2011, 06:46 Uhr

Erna Schmidt, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung nennen möchte, ist sauer. Vor kurzem fand sie einen Brief der Firma "Imvertec GmbH" aus Duisburg in ihrem Briefkasten. Angeblich hatte sie einen Vertrag mit der "Deutschen Gewinnbörse" abgeschlossen und seit neun Monaten ihre Beiträge nicht bezahlt. Inzwischen sei ein Betrag von 515 Euro zusammengekommen. Allerdings sei man bereit, die Sache gegen eine Einmalzahlung in Höhe von 92,50 Euro beizulegen. Einen ausgefüllten Überweisungsträger legte die Firma "freundlicherweise" gleich bei.

"Ich habe gleich gewusst, dass mich da einer über den Tisch ziehen will", sagt Erna Schmidt. Denn sie nehme grundsätzlich nie an Gewinnspielen teil und spiele noch nicht einmal Lotto.

So sicher sich die Rentnerin auch ist, dass sie nie einen derartigen Vertrag vereinbart hat, so macht sie sich doch Sorgen um andere Empfänger dieser Briefe. "Es gibt bestimmt Leute, die glauben, sie hätten eine Rechnung übersehen und zahlen." Und genau das regt die 73-Jährige so auf. "Das ist eine bodenlose Unverschämtheit!" Sie geht davon aus, dass diese Briefe gezielt an ältere Menschen verschickt werden und auf deren Gutgläubigkeit spekuliert werde.

Erna Schmidt ist mit ihrem Brief sofort zur Polizei gegangen. Eine Anzeige nahmen die Beamten allerdings nicht auf. "Die Erfahrung zeigt, dass solche Betrugsanzeigen meistens im Sande verlaufen", erklärt Stefan Muhtz von der Pressestelle der Polizeidirektion Lübeck. Es handele sich dabei um Massenbriefe, bei denen darauf spekuliert werde, dass ein kleiner Teil der Empfänger schon zahlen werde. "Es ist gut, wenn diese Sendungen gleich im Müll landen", so der Rat von Muhtz.

Dr. Boris Wita, Jurist bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, mahnt hingegen zur Vorsicht. Denn nicht hinter allen Briefen stecke eine Betrugsabsicht. Manchmal hätten die Leute tatsächlich vergessen, dass sie am Telefon einen Vertrag abgeschlossen hätten. Davon aber müssten die Firmen einen Telefonmitschnitt haben.

"Bei der Verbraucherzentrale gibt es ein Musterschreiben für einen Einspruch gegen den Vertragsschluss am Telefon", sagt Wita. Und sollte die Firma dann keinen telefonischen Mitschnitt vorlegen können, werde in diesem Musterbrief mit einer Betrugsanzeige gedroht. Erna Schmidt hat den Brief der Firma Imvertec inzwischen in den Müll geworfen. "Angst vor einer Mahnung habe ich nicht", sagt sie. Und hat damit ganz Recht. "Hiermit halten wir fest, dass die PT Primetop Services AG [die hinter der Deutschen Gewinnspielbörse steht; Anmerkung der Redaktion] in keinem Zusammenhang mit der Firma Imvertec steht und die Firma PT Primetop Services die Firma Imvertec nie zu einem Inkasso oder anderen Ausführungen beauftragt hat. Wir haben heute bereits rechtliche Schritte gegen die Firma Imvertec eingeleitet", stellt die Deutsche Gewinnspielbörse auf ihrer Internetseite klar.

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