Auf den Spuren ihrer Mutter

Immenhofführer Harald Düsterhoff zeigt Nicole Brühl und ihrem Mann Tom (von links) Szenenfotos, die auf dem Gutshof gedreht wur-den.  Foto: Kerstin Ahrens
Immenhofführer Harald Düsterhoff zeigt Nicole Brühl und ihrem Mann Tom (von links) Szenenfotos, die auf dem Gutshof gedreht wur-den. Foto: Kerstin Ahrens

Was ihrer Mutter Heidi Brühl nicht mehr vergönnt war, holte ihre Tochter Nicole Brühl jetzt nach: ein Besuch auf dem "Immenhof"

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14. August 2012, 07:52 Uhr

Malente | Es ist ein ganz besonderer Moment, als Nicole Brühl auf dem Gut Rothensande aus dem Auto steigt. 1955 war es ihre Mutter, Sängerin und Schauspielerin Heidi Brühl, die als 13-jähriger Teenager den Gutshof betrat, der als "Immenhof" in die deutsche Fernseh-Geschichte eingehen sollte. Damals spielte Heidi Brühl die Hauptrolle im ersten Teil der Film-Trilogie "Die Mädels vom Immenhof" nach dem Roman "Dick und Dalli und die Ponys" von Ursula Bruns. In den beiden drauffolgenden Jahren wurde das Gut bei den Dreharbeiten zu "Hochzeit auf Immenhof" und "Ferien auf Immenhof" zu ihrer zweiten Heimat.

"Ich könnte heulen, wenn ich daran denke, dass meine Mutter nie wieder hier war", wird Nicole Brühl etwas wehmütig. Denn Heidi Brühl, die 1991 mit 49 Jahren starb, hatte mehrmals vergeblich versucht, den Hof noch einmal zu besichtigen. Doch sie scheiterte an der hartnäckigen Weigerung des damaligen Besitzers Artur Nörenberg - zuletzt, als sie 1973 und 1974 als erwachsen gewordene Dalli, mit Horst Janson an ihrer Seite, die Filme "Die Zwillinge vom Immenhof" und "Frühling auf Immenhof" drehte. Diese Filme wurden zwar in der Holsteinischen Schweiz, aber nicht auf Gut Rothensande gedreht, weil dieses für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war. Als Filmkulissen diente vor allem Hof Radlandsichten bei Timmdorf, das seinerzeitige Restaurant "Alte Mühle" in Majenfelde und das Gut Kletkamp bei Lütjenburg.

Nun wandelt Nicole Brühl mit ihrer Familie auf den Spuren ihrer Mutter. Die Vorstellung, wie die Szenen hier gedreht wurden, lässt sie traurig innehalten: "Mir blutet das Herz, dass meine Mutter das hier nicht sehen kann", sagt die 42-Jährige. Widersprüchliche Gefühle löst der Zustand der Gebäude bei ihr aus: "Es ist unglaublich beeindruckend und wunderschön hier, aber so unglaublich verkommen und verfallen." Das Gutshof-Ensemble sei erhaltenswürdig. "Es wäre eine Schande, wenn es verfällt."

Nicole Brühl lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Starnberg. Auch sie hat eine Gesangs- und Schauspielausbildung und stand mit ihrer Mutter in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf vielen großen Theaterbühnen. Ihre große Leidenschaft, das Schreiben, ließ sie zur Kinderbuch-Autorin werden. Und als Frontsängerin verschiedener Bands reist sie durch Deutschland und bleibt ihrem Hobby Gesang treu.

Seit gut zehn Jahren engagiert sich Nicole Brühl, inzwischen als Vorsitzende des Tierschutzvereins Starnberg und Präsidentin des Deutschen Tierschutzbundes im Landesverband Bayern, für den Tierschutz. Entsprechend schreibt sie auch tierschutzbezogene Ratgeber für Kinder. Für den "Immenhof" hat sie eine Vision: "Ich würde hier ein Pferde- und Kinderschutzzentrum draus machen." Ein ähnliches Projekt betreibe der Deutsche Tierschutzbund seit 2003 in Kappeln an der Schlei als größte Einrichtung in Norddeutschland. Das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld sei zugleich Auffangstation für beschlagnahmte Wild- und Haustiere.

Über zwei Stunden besichtigt Nicole Brühl fasziniert "die Heimat der Immenhof-Filme". Die lässt sie so schnell nicht los, wie sie später berichtet: "Über vier Stunden haben wir uns auf der Rückfahrt über den Immenhof, die Filme und meine Mutter unterhalten."

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