Eutin : Auf den Spuren eines großen Malers

Ein 'Selbstportrait' Feiningers mit Dr. Wolfgang Griep (links) und Volksbank-Vorstand Hans-Wilhelm Hagen. Foto: krauskopf
Ein "Selbstportrait" Feiningers mit Dr. Wolfgang Griep (links) und Volksbank-Vorstand Hans-Wilhelm Hagen. Foto: krauskopf

Prof. Frank Barons Ausstellung über Comic-Zeichnungen des Deutsch-Amerikaners Lyonel Feininger sind in der Volksbank zu sehen.

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21. Juni 2012, 11:44 Uhr

Eutin | Er war fleißig, genial, kreativ - ein ganz großer unter den Künstlern, dessen Karriere in Deutschland mit der Barbarei des Nationalsozialismus endete und der in die USA flüchten konnte: Lyonel Feininger (1871 - 1956). Einen Aspekt seiner frühen Arbeiten als Grafiker beleuchtet eine Ausstellung, die Dienstagabend unter sehr starkem Interesse in der Volksbank eröffnet wurde: Über 200 Gäste kamen zum Start der Schau "Lyonel Feininger und die Anfänge der amerikanischen Comics". Die mit einem Vortrag von Dr. Wolfgang Griep eröffnete Exposition ist ein Kind der Eutiner Städtepartnerschaft mit Lawrence und wird bis Ende August in der Schalterhalle in der Königstraße zu sehen sein.

Den Kern der Schau hat Prof. Dr. Frank Baron von der Kansas-University zusammengetragen, ein in Eutin wohl bekannter Motor der Partnerschaft. Vor allem sind es Arbeiten von Feininger für US-Zeitungen wie die Comic-Serie "The Kin-der-Kids", die 1906 in der Chicago Sunday Tribune erschien und wie die Serie "Wee Willie Winkie’s World" zu den Klassikern der Comics zählen, die noch ohne Sprechblasen auskamen.
Verdienst um Geburt des Comic-Genres

Neben dem Verdienst des in den USA geborenen Feiningers an der Geburt des Comic-Genres in den USA wurde die Ausstellung mit Karikaturen Feiningers ergänzt, die während der wilhelminischen Zeit in deutschen Satire-Zeitungen erschienen sind und die Dr. Griep "ausgegraben" hat.

Der Eutiner Literatur-Wissenschaftler spannte in seinem Vortrag zwei Bögen: Die Genese der Comics und die Biografie des deutsch-amerikanischen Künstlers Lyonel Feininger.
Nazis ächteten Feiningers Bilder als "entartete Kunst"

Der verstärkte Einsatz von Zeichnungen in US-Zeitungen zum Ausgang des 19. Jahrhunderts sei Reaktion auf die Tatsache gewesen, dass viele Einwanderer keine ausreichenden Englisch-kenntnisse hatten, berichtete Griep, der nebenbei auch erläuterte, dass sich der Begriff "Yellow Press" von dem ersten farbig gedruckten Comic ableitet: "The Yellow Kid" erschien 1895 in der "New York World", im Zentrum stand ein Kind in einem gelben Nachthemd.

Feiningers Rolle bei der Entwicklung der modernen Comics, die grundsätzlich auf der Pionierarbeit von Wilhelm Busch basieren, beleuchtet zugleich den Beginn seiner künstlerischen Karriere. Lyonel Feininger wurde 1871 in New York geboren, seine Eltern waren Musiker und Deutsche. Als 16-Jähriger kam er erstmals nach Deutschland, besuchte seine Eltern während einer Konzertreise in Berlin. Ein Jahr später, 1888, begann er ein Studium an der Königlichen Akademie in Berlin, ergänzte die vier Jahre um sieben Monate in einer von dem italienischen Bildhauer Filippo Colarossi in Paris gegründeten Schule und kehrte 1893 nach Berlin er als freier Illustrator und Karikaturist zurück. Neben deutschen Zeitschriften zählten auch Publikationen in den USA zu den Abnehmern, für die Chicago Sunday Tribune zeichnete er exklusiv die Comic-Serien "The Kin-der-Kids" und "Wee Willie Winkie’s World". 1907 begann Lyonel Feiningers Karriere als vor allem in Deutschland und Frankreich anerkannter Kunstmaler.

1919 wurde er zur Gründung des Staatlichen Bauhauses als erster Bauhaus-Meister von Walter Gropius nach Weimar berufen. Die Nationalsozialisten erklärten seine Werke offiziell zur "entarteten Kunst". 1937 flohen Feininger und seine Frau nach New York, wo er bis zu seinem Tod 1956 als freier Maler arbeitete.

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