Auf dem Weg zu „Urlaub für Alle“

Barrierefreiheit geprüft: Caroline Backmann (Tourist-Info Plön, links) bekommt von Fenja Gengelazky das Zertifikat, im Hintergrund (von links)   Mario Schmidt (Bürgermeister Bosau), Eike Stöve (Tourist-Info Eutin), Holger Beiroth (Bürgermeister Dersau), Per Köster (Tourist-Info Eutin) und Georg Kurz  (Kurdirektor Malente).
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Barrierefreiheit geprüft: Caroline Backmann (Tourist-Info Plön, links) bekommt von Fenja Gengelazky das Zertifikat, im Hintergrund (von links) Mario Schmidt (Bürgermeister Bosau), Eike Stöve (Tourist-Info Eutin), Holger Beiroth (Bürgermeister Dersau), Per Köster (Tourist-Info Eutin) und Georg Kurz (Kurdirektor Malente).

Die fünf Tourist-Informationen der Tourismus-Zentrale Holsteinische Schweiz haben ihre Barrierefreiheit prüfen lassen

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23. Juli 2014, 13:33 Uhr

Mit gutem Beispiel vorangehen: Unter diesem Motto gehören die Tourist-Infos der Region Holsteinische Schweiz in Plön, Eutin, Malente, Bosau und Dersau zu den landesweit ersten 15 Betrieben und Einrichtungen, die einen wichtigen Schritt für ein barrierefreies Schleswig-Holstein unternommen haben: Sie haben sich im Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ erfassen lassen. Ihre Zertifikate nahmen gestern Vertreter der fünf Einrichtungen in Plön entgegen.

Die Zahl der Menschen mit körperlichen Einschränkungen wachse, und darauf müssten sich Tourismus-Anbieter einrichten, sagte Per Köster. Der Geschäftsführer der Eutiner Tourismus-Gesellschaft teilt sich mit seiner Plöner Kollegin Caroline Backmann die Geschäftsführung der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz.

Für Menschen mit Mobilitäts- und Aktivitätseinschränkungen seien zuverlässige Informationen zu barrierefreier Ausstattung das wichtigste Kriterium für eine Urlaubsentscheidung. Damit diesem Anspruch entsprochen werde, startete die Tash 2013 das Projekt „Barrierefreier Tourismus“, dem sich auch die Holsteinische Schweiz angeschlossen hat.

Zu dem Projekt gehört, dass sich Einrichtungen und Betriebe in Hinblick auf Barrierefreiheit erfassen lassen können. Für die Betriebe im Verbandsgebiet der Holsteinischen Schweiz wurden zwei Mitarbeiterinnen der Tourist-Infos für diese Aufgabe ausgebildet: Eike Stöve (Eutin) und Dietlind Joneleit (Plön).

Das Ergebnis: Die Betriebe wissen, wo sie nachbessern können, und der Gast erhält umfangreiche Informationen zu den Gegebenheiten vor Ort. Unter dem Kennzeichen „Reisen für Alle“ sind Details aufgeführt, die für Behinderte enorm wichtig sein können: „Eine Ferienwohnung für zwei Rollstuhlfahrer braucht zum Beispiel eine Küche, in der die Arbeitsbereiche unterfahrbar sind, kommt ein Paar mit einem Rollstuhlfahrer, ist das schon wieder anders“, erläuterte Fenja Gengelazky, die Projektleiterin bei der Tash.

Neu und außergewöhnlich sei bei der Akiton, dass erstmals ein Kennzeichensystem eingeführt worden sei, das nun einheitlich in allen Bundesländern umgesetzt werde. Bisher habe es unterschiedliche Begriffe gegebenen, das sei mit dem neuen System ausgeräumt, dessen Vorgaben auf 24 Seiten festgehalten sind.

Bei „Reisen für Alle“ können Betriebe mit der Note „Barrierfreiheit geprüft“ in den Stufen 1 und 2 ausgezeichnet werden: Stufe 2 erfüllt höchste Ansprüche, Stufe 1 hat leichte Einschränkungen; das können Kleinigkeiten sein wie ein 10 Zentimeter zu kurzer Behinderten-Parkplatz.

Mit den fünf Tourist-Infos haben Eike Stöve und Dietlind Joneleit ihre „Gesellenprüfung“ absolviert. Dabei erhielten die kommunalen Tourismus-Einrichtungen in Plön, Bosau, Dersau und Malente die Note „Barrierfreiheit geprüft“ Stufe 1. Die im Haus Markt 19 untergebrachte Tourist-Info erhielt nur das Zertifikat „Informationen zur Barrierefreiheit“ ohne weiteren Zusatz, womit klar ist, dass keine Barrierefreiheit vorhanden ist. „Wir alle müssen klein anfangen und es gibt Zielkonflikte, aber das sollte kein Hindernis darstellen, das Thema nicht anzugehen“, fordert Köster. Damit nun Tourismus-Anbieter dem Beispiel der Tourist-Infos folgen, gibt es ein Lock-Angebot: „Den ersten zehn Betrieben, die sich melden, erstatten wir gut die Hälfte der Prüfgebühren“, sagte Per Köster.

Die kleinste Prüfgebühr liegt, wie Fenja Gengelazky sagte, bei 79 Euro für einen Raum und etwa 10 Euro für jeden weiteren Raum. „Dabei müssen aber keine Räume – zum Beispiel Gästezimmer in einem Hotel – geprüft werden, die ganz klar nicht barrierefrei sind.“ Zu diesen Grundgebühren kommen noch einmal Aufwandsgebühren in bis zu eineinhalbfacher Höhe hinzu. Und dieser Anteil wird den ersten Betrieben erlassen, so Köster. „Auch unabhängig davon, wie weit ein Betrieb in seiner barrierefreien Gestaltung schon vorangeschritten ist, und unabhängig seiner Betriebsart ist die Kennzeichnung möglich“, betont Gengelazky.

Alle geprüften Betriebe können mit dem für drei Jahre vergebenen Siegel werben. Und sie werden in eine zentrale Datenbank im Internet aufgenommen, die Menschen mit Einschränkungen bei der Vorbereitung ihres Urlaubs helfen soll. Der Aufbau der Internet-Adresse www.sh-barrierefrei.de hat begonnen.

Auch wenn das Siegel für drei Jahre gilt, können Informationen nachgebessert werden, erfuhr Mario Schmidt von Fenja Gengelazky. Der Bosauer Bürgermeister hatte festgestellt, dass bei der Prüfung der Bosauer Tourist-Info die neue behindertengerechte Toilette noch nicht fertig gewesen war. Gengelazky: „Solche Informationen können wir jederzeit aktualisieren.“

www.sh-barrierefrei.de

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