Attentat in Sarajewo liefert die Schlagzeile

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03. Juli 2014, 18:38 Uhr

Das stand vom 27. Juni bis 3. Juli 1914 im Anzeiger:

Die Woche beginnt mit einer Meldung über König Peter von Serbien, der mit russischer Hilfe von einer Union zwischen Serbien und Montenegro träumt. Am 27. Juni titelt der „Anzeiger“ mit dem Tod des Herzogs Georg von Sachsen-Meiningen. Der Reformator und Förderer der Theaterkunst ist hochbetagt in Bad Wildungen gestorben. Sowohl seine „morganatische“ (unstandesgemäße) Ehe als auch sein Einsatz für die Emanzipation der Frau haben ihn in strengen Gegensatz zum konservativen Kaiserhaus gebracht.

Natürlich ist die bedeutungsvollste Schlagzeile zwei Tage nach dem Attentat von Sarajewo die Berichterstattung: „Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich und seine Gemahlin, Herzogin von Hohenberg, ermordet“, die Geschichte des Attentäters und der Verlauf des Verbrechens werden genau geschildert. Auch in den nächsten Tagen finden sich Meldungen über das ermordete Fürstenpaar und die Verwicklungen in Österreich-Serbien.

Allerdings nimmt die umfangreiche aktuelle Berichterstattung über die Kieler Woche die wirklichen Interessen der Leserschaft gefangen. In der A-Klasse gewinnt die „Germania“ des Herrn v. Bohlen-Halbach vor der „Hamburg“ des Hamburger Regattavereins. Die kaiserliche „Meteor“ geht als Dritte durch das Ziel.

Auch in Eutin kümmert man sich um den Wassersport. Der Gymnasial-Ruderverein tauft seinen neuen Doppelskuller auf den Namen „Kolberg“. Beim Seniorenrennen siegt die „Schwentine“ mit den Ruderern Barelmann, Busch, Böhmcker, Kind und Engel vor der „Pulverbek“ mit Drenckhan, Saß, Matzen, Überscheer und Cobobes. Der Vereinsprotektor Dr. Genz verleiht die Siegerkränze. Anschließend wird im Voss-Haus gefeiert.

Der rührige Bauunternehmer Hinrich Steenbock, dem seit Herbst 1909 das Hotel Seeschloss gehört, unterstützt die vom Ostholsteiner Segelverein veranstalteten Segelregatten vor seiner Haustür. Anfang Juli berichtet der „Anzeiger“ über ein Wettrennen, an dem vier Boote teilnehmen. Die Boote „Windspiel und „Seehund“ gewinnen vor den Steenbockschen Schiffen „Möwe“ und „Martha“.

Im „Gasthof am See“ bei Fritz Meyer wird damit geworben, dass Fuhrmann W. Wölhlke bei Bedarf Automobile zur Verfügung stellt. Die Taxifahrten erfolgen zu jeder Tag und Nachtzeit in „sehr ruhig laufenden Wagen“.

Im Buttergeschäft bei Ohlsen, Peterstraße 11, kostet ein Pfund Butter 1,22 Mark. Ein Ei kostet 7,5 Pfennig. Als besondere Werbemaßnahme gibt es für einen Einkauf ab einer Mark etwas zum Spielen für die Kinder. Bei Willy Vermehren, Weidestraße 50, werden an drei Werbetagen die doppelte Zahl von Rabattmarken ausgegeben.

In der Waffenhandlung Heyer am Voss-Platz ist ein Damenfahrrad für 55, ein Herrenfahrrad für 30 Mark zu verkaufen. Frau Prof. Wegener, geb. von Zaluskowski, sucht für den Lindenhof in Fissau eine Mamsell. Sie bietet ein Gehalt von 35 bis 45 Mark monatlich. In der Ahornstraße werden zwei Wohnungen bei Erbs und Manowsky angeboten, für die eine Jahresmiete von 200 und 250 Mark verlangt wird.

Wirt Hugo Schröder (Redderkrug) bedankt sich für die Glückwünsche zur Hochzeit mit seiner Frau Anna, geb. Lunau. Die 1913 neu eröffnete Friedrich-August-Realschule plant sein Schulfest. Das Programm ist in der Buchhandlung von Groos für 10 Pfennig zu erwerben.

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