Nachruf : Arnold zum Winkel: Ein begnadeter Schreiber lebt nicht mehr

Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ druckte einen Artikel des Ostholsteiner Anzeigers in Auszügen nach und befeuerte eine Affäre um Franz Josef Strauß.
Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ druckte einen Artikel des Ostholsteiner Anzeigers in Auszügen nach und befeuerte eine Affäre um Franz Josef Strauß.

Der ehemalige Chefredakteur des Ostholsteiner Anzeigers sorgte für bundesweite Schlagzeilen.

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18. März 2019, 17:29 Uhr

Eutin / Bad Hersfeld | Einmal in seiner 217-jährigen Geschichte hat der Ostholsteiner Anzeiger bundesweit große Schlagzeilen gemacht: Im Frühjahr 1975 löste ein Artikel über Franz Josef Strauß eine politische Affäre aus. Im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wurde er über zwei Seiten nachgedruckt. Autor war Arnold zum Winkel, seinerzeit Chefredakteur in Eutin, ein begnadeter Schreiber mit unverwechselbar spitzer Feder. Ihm waren Wahrheit und unabhängiger Journalismus wichtiger als jede Freundschaft oder politische Sympathien.

Arnold zum Winkel hatte an einem Abendessen im Hause des CDU-Abgeordneten und Bauernfunktionärs Karl Eigen in Klein Parin teilgenommen: Wegen des Landtagswahlkampfes im Norden war Strauß zu Gast, in kleiner Runde zog er über Kollegen her, von Helmut Schmidt und Willy Brand (SPD) über Dietrich Genscher (FDP) bis zu eigenen Parteifreunden. Zum Winkel schrieb mit und veröffentlichte alles im Ostholsteiner Anzeiger. Der SPD-Abgeordnete Norbert Gansel ließ den Artikel für alle Bundestagskollegen kopieren. Eine neue Strauß-Affäre war geboren.

Arnold zum Winkel, am 15. Mai 1935 in Bütow/Pommern geboren, machte seine Redakteursausbildung

Arnold zum Winkel im Jahr 1977.
Arnold zum Winkel im Jahr 1977.
(Volontariat) beim Stader Tageblatt. Als Politik-Redakteur war er in Bielefeld, bei der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg, bei den Lübecker Nachrichten und wieder in Stade tätig, bevor ihn Verlagshausleiter Heinz König am 1. August 1972 zum Ostholsteiner Anzeiger holte. Gut sieben Jahre lang, bis zum 15. Dezember 1979, prägte zum Winkel die traditionsreiche Eutiner Tageszeitung. Er genoss die Nähe zur Leserschaft, schonte aber mit seiner spitzen Feder niemanden – nicht einmal seine Schwiegermutter, die langjährige Bürgervorsteherin Annelie Voigt.

1980 wurde „zW“, wie ihn Kollegen und Leserschaft nannten, Chefredakteur der Hersfelder Zeitung, blieb dort 13 Jahre lang ein streitbarer, unbequemer Journalist. Es war kein Ruhestand, der 1993 begann: Er schrieb Bücher („Das frivole Altersheim“ und „Schlappohr & Plattnase – Ein Briefwechsel aus der Goethezeit“) und arbeitete für ein Wochenblatt, das im hessischen Rotenburg an der Fulda erschien. Dessen Chefredakteur war Günter Schabowski, der am 9. November 1989 als „Regierungssprecher“ des DDR-Regimes den Mauerfall eingeleitet hatte.

Neben dem Schreiben gehörte die Kunst, ganz besonders die Malerei zu den großen Leidenschaften zum Winkels. Bis ins hohe Alter hinein organisierte er Ausstellungen, selbst als ihn die Folgen eines Schlaganfalles körperlich schwer einschränkten, auch in Eutin, in Dänemark, Italien und Bad Hersfeld. Seine Leidenschaft zur Malerei hatten ihm und seiner Frau Birgit zum Winkel eine tiefe Freundschaft mit Willi Sitte eingebracht. der 2013 verstorbene Maler war lange Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR.

Arnold zum Winkel starb am Sonnabend im Alter von 83 Jahren in Bad Hersfeld.

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