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Ostholsteiner Anzeiger

18. November 2017 | 05:25 Uhr

Argumente gegen die Windkraft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Knapp 100 Bosauer bei Einwohnerversammlung in der Fritz-Latendorf-Turnhalle / Windkraftgegner sind mit neuen Planern zufrieden

von
erstellt am 03.Mai.2017 | 22:17 Uhr

Das Thema Windkraft hat in der Gemeinde Bosau am Mittwoch knapp 100 Menschen zur Teilnahme an der Einwohnerversammlung in der Turnhalle mobilisiert. Vor allem die Windkraftgegner um Cornelia Frerichs waren zufrieden: „Ich bin vom neuen Planungsbüro begeistert“, sagte sie nach dem Vortrag der beiden Planer, die neue Hinweise gaben, wie der Bau von fünf Windrädern zwischen Hutzfeld und Majenfelde doch noch torpediert werden könnte.

Bosau hat zwei Vorrangflächen für den Bau von Windkraftanlagen: in Tedrahnshöh und bei Kiekbusch. Das Land ist in der Abwägung, die bis 2019 abgeschlossen werden soll. Doch es werden tausende Stellungnahmen erwartet, die bis 30. Juni von Privatpersonen und aus Kommunen beim Land eingehen werden. Die rechtssichere Stellungnahme der Gemeinde Bosau wird jetzt mit Hilfe eines Planungsbüros aus Eutin vorbereitet. Dafür hatte die Bürgerinitiative „Gegenwind“ gesorgt. Jetzt wird sich der gemeindliche Bauausschuss und später die Gemeindevertretung damit befassen und einen Beschluss über die Stellungnahme abgeben.

Planerin Gabriele Teske erläuterte den Bosauer „harte“ (auf gesetzlicher Grundlage) und „weiche“ (Vogelschutz oder Abstand zum Wald) Kriterien, die den Bau von Windkraftanlagen ermöglichen oder verhindern. Ein hartes Kriterium sei der Bereich östlich des Edeka-Marktes bis zur Kreuzung. Dort plane die Gemeinde schon lange die Erweiterung des Gewerbegebietes. Sollten die Windkraftanlagen gebaut werden, würde das wegen der Abstandsflächen nicht mehr möglich sein.

Das geplante Drehfunkfeuer in Seedorf liefere ein weiches Kriterium, denn es würde ein erforderlicher Radius von 15 Kilometern ohne Windkraftanlagen nicht eingehalten werden können. „Die Anlagen können dann nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden“, sagte Gabriele Teske. Wenn das so sei, dann sei die Planfeststellung fehlerhaft.

Aber auch ein kleiner aber für Arten als Lebensraum wichtiger Wald bei Kiekbusch sei ein weiches Kriterium, fügte Planer Enno Meier-Schomburg hinzu. Dazu zähle auch der Naturpark mit Flächen und ihrer Bedeutung für Großvögel wie Seeadler und Rotmilan. Hier sei das Land selbst zum Schutz verpflichtet. Für eine Verhinderung der fünf Windräder scheint auch die Nähe zu Eutin entscheidend zu sein. Es geht dabei um die Stärkung des Stadt-Land-Bereiches, Siedlungen, Gewerbeflächen und Freiräume für Menschen zur Erholung. „Die Windkraftfläche steht dem allerdings entgegen“, sagte Meier-Schomburg. Außerdem liege die Fläche im Entwicklungsbereich des Tourismus.

Der Naturpark beschreibe in seiner Satzung als Ziel eine abwechslungsreiche Landschaft. Das Landschaftsbild müsse gepflegt werden. Das sei, so der Planer, bei etwa elf Kilometer weit sichtbaren Windkraftanlagen von Tedranshöh aus nicht möglich. Er nannte es sogar „eine nicht tragbare Einschränkung“. Wichtig sei auch der detaillierte Landschaftsplan der Gemeinde Bosau. Danach solle mit Flächen östlich von Hutzfeld ein landesweites Biotopsystem geschlossen werden.

Cornelia Frerichs lobte die Planer: „Auf viele dieser Argumente haben wir als Bürgerinitiative die Gemeinde immer wieder hingewiesen.“ Der Wechsel des Planungsbüros sei der richtige Schritt gewesen. In der Diskussion stellte die Redner fest, dass sie keine Windkraftanlagen in der Gemeinde Bosau haben wollten. Es sei ja noch nicht einmal für den Transport des Stroms gesorgt.

Die Einhaltung der Schallwerte von 45 Dezibel werde erst bei der Baugenehmigung geprüft. Gefragt wurde nach dem Feuer an einer Windkraftanlage in der Probstei, ob die Sicherheit von 190 Meter hohen Windkraftanlagen so dicht an der L176 überhaupt gegeben sei.

Zahlen, so die beiden Planer, seien für die gemeindliche Stellungnahme sehr gut verwendbar - so zum Beispiel über Bruten von Seeadler und Rotmilan. Peter von Lucke hatte nach eigenen Worten dem Ministerium innerhalb drei Jahren von Seeadlern in Majenfelde berichtet. „Ohne Resonanz“, wie er sagte. Das sei ein beklagbarer „Abwägungsmangel“, sagte Gabriele Teske.

Die Windkraftgegner schielen nun offenbar auf den Ausgang der anstehenden Landtagswahl und einen Politikwechsel. Dann könnten auch die Ziele der Landesplanung verändert werden.  

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