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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 08:41 Uhr

Appell an Unternehmen: Eltern einstellen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Jobcenter Ostholstein ist überzeugt: Familienfreundlichkeit wird bei der Suche nach Arbeitskräften immer wichtiger

Eigentlich müsste es inzwischen zu jedem durchgedrungen sein: Die Zahl der Menschen nimmt in den kommenden Jahren dramatisch ab. Dieser auch demografischer Wandel genannte Prozess wird beispielsweise für Unternehmen die Suche nach Arbeitskräften erschweren.

Nach dem Prinzip „steter Tropfen höhlt den Stein“ hat das Jobcenter Ostholstein gestern öffentlich an die Betrieben appelliert, stärker Eltern als Beschäftigte zu gewinnen und langfristig an ihren Betrieb zu binden. 800 Unternehmen erhielten ein Faltblatt, das Kathrin Kunkel, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter, entwickelt hat.

Und bei einem Netzwerktreffen im Kreishaus wurde mit Vertretern von Unternehmen erörtert, wie sich ein familienorientiertes Personalmanagement voranbringen lässt. Das Faltblatt ist Teil der Kampagne „Jobs für Eltern – Ein Gewinn für Unternehmen“, mit der die Kreishandwerkerschaft Ostholstein-Plön, der Unternehmensverband Ostholstein-Plön, der Dehoga-Kreisverband Ostholstein, der Kreis Ostholstein und das Jobcenter Ostholstein seit Mai dieses Jahres für Eltern als Potential für den Arbeitsmarkt in Ostholstein und familienfreundliche Beschäftigungsmodelle werben.

„Unter den 2600 Familien mit Kindern, die vom Jobcenter Ostholstein betreut werden, sind viele beruflich qualifizierte und motivierte Eltern, die bei guten Rahmenbedingungen für die Betreuung ihrer Kinder als Fachkräfte gewonnen werden können“, sagt Kathrin Kunkel.

Eltern zeigten sehr häufig großes persönliches Engagement und Organisationstalent und verfügten über gute soziale Netzwerke. Nur die Unternehmen, die auch das Beschäftigungspotential der Eltern nutzten, würden im zunehmenden Wettbewerb um Arbeitnehmer in Ostholstein einen Vorsprung haben, ist Katrhin Kunkel sicher.

Viele familienfreundliche Unternehmen könnten auch für die ganze Region einen Vorteil bedeuten und den Zugzug von jungen Leuten bewirken.

Wie stark der Bevölkerungsschwund ausfallen wird, sagte Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein: „Bis 2025 sinkt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 65 Jahren im Kreis Ostholstein um rund 15 000 oder zwölf Prozent, im Landesschnitt dagegen mit minus sechs Prozent nur halb so stark. Hinzu kommt die zu erwartende Personalnachfrage durch den Bau der festen Fehmarnbeltquerung nicht nur in der Baubranche, sondern auch im Handel und in der Gastronomie.“

Noch krasser wird der Blick auf die absehbare Zahl der versichungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2030, also in nur noch 16 Jahren: Nach Berechnungen der IHK Lübeck werden bis dahin die Zahl der Erwerbstätigen in Ostholstein von 100 000 auf 79 000 gesunken sein, in Plön von 67 000 auf 52 000.

Nach der morgendlichen Netzwerkkonferenz im Kreishaus besuchten Kunkel und Marzian noch die Firma „Jawoll“ in Neustadt, die am 1. Juni Mona Reuter aus Lensahn eingestellt hat. Die zuvor arbeitslose und vom Jobcenter betreute Mutter fand ihre neue Tätigkeit mit Unterstützung des Jobcenters, das auch die Kosten für den Kauf eines Pkw übernahm, damit Mona Reuter ihre Arbeit und die Kinderbetreuung organisieren kann. Dies sei für das Jobcenter ein besonderer Grund für die Pkw-Förderung gewesen, so Marzian.

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erstellt am 03.Sep.2014 | 12:57 Uhr

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