„Apothekergarten hat eine Zukunft“

Ulrike Rodowski und Ehler Schümann setzen derzeit die Pflanzen aus dem Hexenkessel in die acht neuen Beete (Hintergrund) um.
Ulrike Rodowski und Ehler Schümann setzen derzeit die Pflanzen aus dem Hexenkessel in die acht neuen Beete (Hintergrund) um.

Gut 20 Interessierte kamen zum Vortrag Ehler Schümann und Ulrike Rodowski / Bürgerstiftung kümmert sich um Garten-Ehrenamtler

shz.de von
20. März 2017, 00:11 Uhr

Ehler Schümann und Ulrike Rodowski sind die Gesichter, die unmittelbar mit dem Hexenkessel – dem Apothekergarten der Landesgartenschau – verbunden sind. 159 Tage sorgten die beiden für ein gepflegtes Labyrinth aus gut 160 verschiedenen Heil- und Giftpflanzen. Da sich die beiden Gartenexperten seit der Landesgartenschau in Schleswig auf blumige Großereignisse mit viel Aufwand spezialisiert haben, wissen sie auch, was dazu gehört, damit so ein Garten von Dauer ist: Menschen die ihn gern pflegen.

Die ersten gut 20 Interessierten haben Schümann und Rodowski am Samstag bei ihrem Vortrag über Gift- und Heilpflanzen im Bauamt kennengelernt. „Das Wissen um die Pflanzen, deren Pflege, Bedürfnisse und den Pflanzenschutz ist wichtig, um den künftigen Besuchern einerseits ihre Fragen beantworten zu können und andererseits, den Garten langfristig zu erhalten“, sagte Schümann. In einer Vortragsreihe, die an diesem Wochenende begann und vier weitere Termine umfasst, sollen die Interessierten erste theoretische Grundkenntnisse vermittelt bekommen. Die beiden „lustigen Rentner“, wie sie sich selbst nennen, vermittelten ihr Wissen auf lockere Art – und sind nie um einen Spruch verlegen. Nur ein Beispiel: „Petersilie hilft dem Mann aufs Pferd und der Frau unter die Erd’“, sagte Urlike Rodowski und erklärte, dass ein bisschen Petersilie übers Essen gut gegen Frühjahrsmüdigkeit ist, Frauen sich früher aber aus dem Samen einen Sud gebraut haben, um einen Schwangerschaftsabbruch herbeizuführen. „Stimmte die Dosis nicht, reichte die tödliche Wirkung für Mutter und Kind“, so Rodowski.

Wenn beide nicht gerade Vorträge über Heil- und Giftpflanzen halten, buddeln sie im einstigen Hexenkessel vor der Klimamauer im Küchengarten Stauden und Pflanzen aus, um sie in acht Beeten hinter der Mauer für die Zukunft zu pflanzen. Die Fläche vor der Mauer muss aus Denkmalschutzgründen wieder komplett zur Rasenfläche werden (wir berichteten). Lange war auch nicht klar, ob die beliebten Parzellen weiter bewirtschaftet werden können. Doch Bernd Rubelt begrüßte die Zuhörer als Landesgartenschaugeschäftsführer mit: „Der Apothekergarten hat eine Zukunft und das freut mich. Unter neuem Namen wird er als Heil- und Giftpflanzengarten bei der Bürgerstiftung eine Heimat finden.“

Auch die Kleingärtner, die die Fläche vor der Mauer direkt neben dem Hexenkessel zur Landesgartenschau bewirtschaftet haben, sind im „neuen, dauerhaften“ Küchengarten wieder direkte Nachbarn des einstigen Apothekergartens. Sie werden einen Naschgarten anpflanzen mit kleinen Gehölzen und Obstsorten, verriet Projektplanerin Stephanie Bolz am Rand der Veranstaltung. Sie freute sich, dass dank ehrenamtlichen Engagement auch die Flächen des Hildegard-von-Bingen-Gartens sowie des Vereins zur Erhaltung von Nutzpflanzen weitergepflegt werden. „Vier Parzellen werden für das Bildungsprogramm hergerichtet, Henning Wülfken möchte sogar noch eine zweite Parzelle für seinen Spargel dazu, das ist klasse“, sagte Bolz.

Und warum sind die gut 20 Interessierten eigentlich am Samstagnachmittag ins Bauamt gekommen? „Ich war als Helferin bei der LGS und ich bin sehr daran interessiert, dass das schöne, was entstanden ist, auch erhalten bleibt“, sagte Gudrun Obieray. Ab Sommer ist sie im Ruhestand und will sich dann auch im Seepark engagieren. Dieter Orzelak war einer der Gästeführer bei der Landesgartenschau und kann sich gut vorstellen, auch durch den Küchengarten Führungen anzubieten. „Wir Eutiner können nicht immer nur sagen, es muss erhalten bleiben, sondern wir müssen uns auch selbst bewegen. Sonst hätten wir das alles nicht machen müssen, deshalb möchte ich gern meinen Beitrag leisten“, betonte Orzelak. Cornelia Störmer kannte das Experten-Team Schümann und Rodowski schon von anderen Schauen und besuchte sie auch zur LGS im Küchengarten und half als Apothekerin einen Tag im Hexenkessel mit: „Ich habe heute zufällig freigehabt und möchte nun gern auch mitmachen, das vielfältige Bunte in dem besonderen Garten zu erhalten.“ Berit Hansen aus Grebin hat sich auch fürher schon für den Küchengarten interessiert: „Ich weiß noch nicht, ob der Garten das richtige für mich ist oder ein anderer, aber ich schaue mir erstmal alle Veranstaltungen an.“

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