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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 08:51 Uhr

Antworten sind so gut wie die Fragen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die beiden Bürgermeisterkandidaten Carsten Behnk und Regina Poersch präsentierten sich vor rund 200 Interessierten

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Das Interesse an den beiden Bürgermeisterkandidaten Carsten Behnk (48) und Regina Poersch (SPD, 46) war am Mittwochabend groß. Gut 200 Zuhörer kamen in den Ostholsteinsaal des Kreishauses zur zweiten Vorstellungsrunde, moderiert von den Redakteuren Martina Janke-Hansen und Achim Krauskopf. Einen echten Wahlkampf erwarteten die Zuhörer jedoch vergebens.

Beide hatten ihre familiären und politischen Unterstützer dabei. Die sind von ihnen überzeugt. „Bürgermeister zu werden, ist ein lang gehegter Wunsch von ihm, der immer größer wurde. Er hat seine ganze Laufbahn darauf hingearbeitet und jetzt stimmt alles. Er ist der Richtige dafür“, sagt seine Frau Marina Behnk, die gemeinsam mit den beiden erwachsenen Töchtern gekommen war. Auch Regina Poerschs Mann, Dieter Einfeldt, verfolgt alle städtischen Vorstellungstermine der Bürgermeisterkandidaten: „Ich weiß, dass sie für diese Stadt brennt. Auch in umliegenden Gemeinden wird in diesem Jahr ein Bürgermeister gewählt, aber Regina sagt immer, dass nur ‚ihre‘ Stadt für sie in Frage komme.“

„Ihre Stadt“ – auf die Verwurzelung baut die SPD-Kandidatin. Neben den ersten Schritten im Schlossgarten erfahren die Zuhörer viel Privates in den zehn Minuten Vorstellzeit: Tanzschule, Abitur, erste politische Erfahrungen – alles in Eutin oder in unmittelbarer Nähe. Die Landtagsabgeordnete versteht es, Bilder zu erzeugen. Drei Dinge seien entscheidend für eine lebenswerte und funktionierende Stadt: Kommunalpolitik, Verwaltung und die Menschen, die darin lebten. „Alle Fäden laufen im Rathaus zusammen und ich – als leidenschaftliche Strickerin – weiß, wie man mit den Fäden umgehen muss.“ Sie wolle dafür sorgen, dass Vertrauen zwischen Verwaltung und Selbstverwaltung wieder wachse, ebenso das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung. „Als ihre zukünftige Verwaltungschefin möchte ich die klaren Strukturen wieder herstellen“, sagt Poersch selbstsicher. Die Zettel in ihrer Hand braucht sie diesmal nicht, sie klemmen unter dem Mikrofon.

Carsten Behnk tritt frei auf und ist eher der Sportlertyp, der seinen Fünf-Punkte-Plan Stück für Stück abarbeitet. Auch er bringt seine berufliche Laufbahn und die Führungspositionen ein, auch er gibt Privates preis, zeigt sich als engagierter Ehrenamtler bei der Feuerwehr und als Dorfvorstand – als „Bürgermeister zum Anfassen“, dessen Türen und Ohren auch nach der Wahl für alle offen stehen sollen.

Wo Poersch Fäden in die Hand nimmt, will Behnk Visionen mit den Eutinern entwickeln. „Wie soll Eutin 2030 aussehen?“

Unabhängig von der Präsentation ihrer Person klingen die Ziele gleich: Tourismus fördern, weil er das Zugpferd für den Einzelhandel in der Stadt ist; die Integration der Flüchtlinge; moderne Infrastruktur als Grundlage für junge Familien, soziale Gemeinschaft stärken auf allen Ebenen. Einziger Unterschied: Poersch will ein Wohnraumprogramm auflegen, dass Berufseinsteigern, Älteren und Flüchtlingen „die dringend benötigten Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen“ beschert. Behnk betont die „zielgruppenorientierte Bürgerbeteiligung“, die ihm in der Vergangenheit zu kurz gekommen sei.

Die Bürger sind dran – und es wird deutlich, dass die Erwartungen an eine(n) Bürgermeister(in) ganz andere sind, als die Gemeindeordnung des Landes letztlich als Aufgabenbereich vorsieht. „Wie wollen Sie die neugestalteten Parkanlagen pflegen? Stellen Sie neues Personal dafür ein?“, wollte ein Schlossfreund wissen. Poersch und Behnk sagten, ihnen sei der Mehraufwand durchaus bewusst, sie könnten jetzt aber keine festen Stellenzusagen treffen, so der Tenor. Ein anderer Bürger warf ein, dass der Stellenplan durch die Stadtvertretung beschlossen werde, nicht durch den Bürgermeister. Überhaupt könne der Bürgermeister zwar Ideen einbringen und Vorlagen zur Entscheidung vorbereiten. Die müssten aber mehrheitsfähig sein. Um all die künftigen Probleme einmal zu vergessen, bot Frithjof Lörchner den Kandidaten drei freie Wünsche: „Sie müssen nicht aufs Geld achten. Was würden Sie sich, als König von Eutin, wünschen?“ Regina Poersch: „Ich würde ein touristisches Marketing aufsetzen, das seinen Namen verdient hat und ein Wohnraumprogramm, das seines gleichen sucht.“ Carsten Behnk: „Ich wünsche uns tatsächlich schuldenfrei, investiere in den Tourismus und setze mich für die Stärkung der Bildungslandschaft ein.“

Auch Inklusion und Barrierefreiheit waren ein Thema, auch hier die Antworten deckungsgleich. „Wie wollen Sie die Inklusion bei dem Sporthallenneubau sicherstellen? Es hieß doch mal, das kommt erst später dazu. Das ist der falsche Weg“, befand eine auf den Rollstuhl angewiesene Sportlerin der SG Eutin. Behnk betonte: „Es ist wichtig, den ersten Schritt vor dem zweiten zu tun und beim Neubau gleich alles mitzuplanen.“ Er sehe gerade dort die Chance, die zielgruppenorientierte Beteiligung zu nutzen, Betroffene zu fragen. Poersch stellte den geplanten Standort der Halle in Frage: „Die Elisabethstraße ist eine gefährliche Straße.“ Barrierefreiheit gehöre unabhängig davon aber selbstverständlich dazu.

Spannend wurde es beim Thema „Schandfleck in Eutin“: Antje Bunse wollte als Nachbarin des einstigen Voss-Hauses wissen, ob es irgendeine Handhabe dafür gebe, dort wieder ein Hotel entstehen zu lassen. Behnk: „Es ist der größte Schandfleck Eutins, 2030 muss der weg sein.“ Die Angelegenheit sei sehr komplex mit den Eigentumsverhältnissen. „Ich weiß aber, dass sich Klaus-Dieter Schulz in vielen Gesprächen eingebracht hat und versucht hat, zu vermitteln“, sagte Poersch. Die Diskussion um die „Verhinderer“ eines Neubaus rief Peter Schwarz, den Sprecher der betroffenen Wohnungseigentümergemeinschaft, auf den Plan: „Es ist seit Jahren nur ein Einziger, der einen Neubau verhindert – der Besitzer des größten Reisebüros in Eutin.“

Die einzige Spitze des Abends war dezent kurz vor Schluss von Behnk zu vernehmen, als die Moderatoren von den Kandidaten wissen wollten, weshalb gerade sie geeignet für den Job seien. „Ich habe 30 Jahre Verwaltungserfahrung, nicht nur als Sachbearbeiter, sondern auch in zahlreichen Führungspositionen“, sagte Behnk.

Das Fazit einer Zuhörerin nach knapp zwei Stunden: „Die Antworten können immer auch nur so gut sein, wie die Fragen, die gestellt werden.“



Die nächste Podiumsdiskussion der Kandidaten ist am 9. Februar, ab 19 Uhr im Gasthaus Wittenburg in Fissau.

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