EUTIN : Ansturm auf kostenlose Rosen

Eine typische Szene: Noch während die Rosen der Reihe nach verteilt werden, versuchen andere mit ihrem Sack auch eine Pflanze zu ergattern oder zeigen rufend auf die Gewünschte. Kerstin Stein-Schmidt (re. neben Gärtner) versucht es fair zu ordnen.
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Eine typische Szene: Noch während die Rosen der Reihe nach verteilt werden, versuchen andere mit ihrem Sack auch eine Pflanze zu ergattern oder zeigen rufend auf die Gewünschte. Kerstin Stein-Schmidt (re. neben Gärtner) versucht es fair zu ordnen.

Weit mehr als 100 Menschen kamen mit Säcken, Schubkarren und Kisten um die Rosen aus dem Seepark in den eigenen Garten zu karren

shz.de von
17. Juli 2015, 06:00 Uhr

„Eine gelbe, hierher bitte eine gelbe“ schallt es im Chor durch den Bauzaun, als der Praktikant der Gartenbaufirma mit zwei Rosenstöcken in den Händen sich nähert. Szenen wie diese gab es gestern zuhauf im Seepark zu erleben, denn die Stadt hatte Rosen zu verschenken. Viele Rosen, denn hier sollen zahlreiche Spielflächen entstehen.

„Mehr als 300 sind jetzt schon verteilt worden“, sagte Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt, auf deren Idee die Verteilaktion diesmal anders als an der Stadtbucht vor den Schlossterassen stattfand. „Damals stürmten alle drauf los und gruben sich selbst die Pflanzen aus“, so Stein-Schmidt. Diesmal übernahmen das die Gärtner. Um der großen und tief verwurzelten Pflanzen Herr zu werden, gruben sie diese teilweise mit dem Bagger aus und verteilten die Pflanzen an die wartende Menge.

Die Taktik, um an eine Rose zu kommen, war sehr verschieden. Je jünger, desto leiser. „Das ist doch unverschämt. Die kriegen ganz viele und wir gar nichts“, fühlten sich Menschen jüngerer Generationen ungerecht behandelt. Andere grummelten auch „da hätte man doch Nummern verteilen können, damit wenigstens jeder eine bekommt“. Für die Männer, die die Pflanzen verteilt haben, war es schwer zu beurteilen, wer schon wie viele bekommen hatte, wurde die Beute doch gleich danach in Säcke oder Schubkarren auf der anderen Wegseite gesichert.

Die Stadtsprecherin optimierte die Verteilung per Öffnung des Bauzauns. „Bitte eine nehmen und dann gehen. Viel Freude mit den Rosen.“ Die Zufriedenheit der teilweise seit elf Uhr Wartenden steigerte das nicht gerade.

Umso glücklicher waren diejenigen, die eine Pflanze in den Händen hielten. Warum warten sie hier? Eveline Rohde von der gleichnamigen Firma: „Wir wollen das Gewerbegebiet mit Farbtupfern verschönern.“Ingeborg Zeggel ist mit dem Seepark „groß geworden“: „Wir wollen das als ein Stück Erinnerung für uns einpflanzen.“ Bernhard Meier war nicht der einzige, der mit der Schubkarre vorfuhr: „Ich wohen gleich hier vorn an der Stadtbucht und habe noch Platz im Garten.“ Susanne Juhnke war mit ihrem Sonnenblum-geschmückten Fahrrad eigentlich extra wegen der Hortensien gekommen: „Doch die gibt es leider nicht. Da habe ich für meine Mutter eine Rose mitgenommen.“

Peter Krieß stand für seinen Sohn Schlange: „Ich habe diese für meinen Sohn als Erinnerung geholt. Er hat in Saulheim gebaut und wir wollen sie ihm als Überraschung nächste Woche schenken.“ Und Ida Pfeifelmann war stolz, dass sie die Rosen mit ihrem Rollator bis nach Hause transportieren konnte: „Ein Stück Eutin in meinem Garten, das ist doch etwas Schönes.“

Ob alle Pflanzen angehen, sei Glückssache. Stein-Schmidt: „Das ist wirklich etwas für Liebhaber mit grünem Daumen. Sie müssen stark zurück geschnitten und ordentlich gepflegt werden.“ Schließlich haben nach fast zwei Stunden alle eine Rose bekommen. Eine Frau schenkte den Gärtnern Schokolade.

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